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2011.07.15 | 10:15 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Rhizom

2011.01.04 | 16:09 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK

Seit vier Tagen leben wir nun
restglänzend
und hoffnungsbehangen
in einem weiteren
Jahrzehnt der schönen Frauen

Und drüben über den Dächern
wabert rosafarben Ektoplasma
Akkumuliertes Restmaterial
zerfetzter Seelen

Seit Äonen schon
im Transit

COMMENTS

1 - posted by lamandelbaum | 2011.11.01 | 22:57

ich wünsche mir ein dezembergedicht.

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2010.12.21 | 07:24 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Das Problem des Anderen

Am Fuße des Jin Mao Towers in Shanghai stehen nette chinesische Herren in Trevirajacken und möchten einem sehr günstige Füllfederhalter der Marke Montblanc verkaufen. Im Fuße des Jin Mao Towers in Shanghai, nahe der Turbolifte, kann man aus einer Theke heraus vergoldete Miniaturen des Jin Mao Towers sowie des Brandenburger Tors kaufen. In den Turboliften des Jin Mao Towers in Shanghai kann man nichts kaufen, jedoch wird einem recht schnell übel und man möchte sich irgendwo festhalten, das geht jedoch nicht, also setzt man sich auf den Boden. Auf der 340 Meter hohen Aussichtsplattform des Jin Mao Towers in Shanghai werden echte Perlen aus dem Pearlriverdelta verschenkt, adrette junge Damen in bunten Kostümen bieten an, Löcher hinein zu bohren. Ein paar Meter weiter befindet sich das höchste Postamt Chinas. Außen, nebenan, basteln junge adrette chinesische Bauarbeiter auf filigranen Bambusgerüsten am Shanghai World Financial Center herum, das bei seiner Fertigstellung im Jahre 2008 mit 492 Metern den Jin Mao Tower um 70 Meter überragen wird. Wenn man winkt, winken sie zurück, im Rhythmus der im Wind schwankenden Rohrkonstruktionen. Innen, nebenan, kann man durch eine Glasglocke in die 38 Stockwerke hohe Lobby des Grand Hyatt Hotels hinunter schauen; am Rande der Glasglocke befindet sich eine Reling, an der man sich festhalten kann, sollte einem übel werden. Vom 52. Stock des Gebäudes aus führt der längste Wäscheschacht der Welt bis in den Keller. Beim Verlassen des Jin Mao Towers in Shanghai kaufen wir im Vorübergehen 20 Füllfederhalter der Marke Montblanc und unterqueren dann den Fluss vermittels einer befahrbaren Disco.

Niemand muss Angst haben vor der Zukunft.

[Dezember 2006]

2010.11.08 | 11:01 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Post Skriptum

If we don't, remember me

[...] Um die Wiederholung konstruktiv zu halten, wird das Moment des Verlustes anzuerkennen sein, das die Differenz bedingt. Die Wiederholung holt nicht dasselbe wieder, sie erinnert an das Gleiche, das eben nicht identisch ist, und zeigt damit auch das auf immer Verlorene im Wiederfinden. [...]

Marion Strunk - Die Wiederholung

2010.11.07 | 14:03 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Perigraphie

Von Zeit zu Zeit muss ich an Indien denken. Es macht mir nichts aus, denn das passiert auch anderen. Heute war es wieder soweit. Weite Teeplantagen taten sich vor meinem inneren Auge auf, Götter mit Rüsseln sah ich und Menschen, die ihre Körper mit Asche waschen. Und einen weißen Stuhl.

[...] Figur: Was zunächst unmöglich scheint, ist am Ende vielleicht doch möglich. In unserem Fall: einen ROMAN AUS FRAGMENTEN zu konzipieren, einen FRAGMENTARISCHEN ROMAN. [...]

Roland Barthes - Die Vorbereitung des Romans

2010.11.07 | 02:55 | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Langue/Parole

[Ich] kann das alles nicht verstehen, und [ich] kann das alles nicht fassen, all die Ebenen, und Schichten, und die Sinnlosigkeit der Worte und die Erinnerung und die Hoffnung, den Glauben und die Gedanken und die Nichtigkeit und die vollkommene Großartigkeit, wie soll man das nur sagen, wie soll man dessen nur habhaft werden – aber muss man das überhaupt?

Nackte Füße auf dem Waschbeton der Terrasse, vorhin noch die Finger an den Cocktailgläsern, die Worte an den Gedanken festgesaugt, der Rauch, die Gesichter, und den ganzen Tag durch die Stadt gefahren – mein Gott, bin [ich] betrunken.

Sag, [ich] weiß, das alles ist überflüssig und ist es nicht, doch das Wahrhaftige ist ganz woanders, und [ich] weiß, wo es sich versteckt. [Ich] habe nichts mehr zu verbergen, [ich] sah dies alles, und [ich] weiß auch, was noch weiter sich verbirgt, hinter den Gesichtern und den Muskulaturen und den Geräuschen des Lachens und der Liebe. Nichts mehr wird sich verstecken können. Und alles bleibt unerkannt.

Im Bereich des Barocken schloss man mit Magna cum laude ab. Im Bereich der Liebe bleibt das Unerkannte. Zeig dein Gesicht, in Dunkelheit. [Ich] kann es sehen, das alles.

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1 - posted by dust | 2010.11.09 | 00:10

[Ich] bin begeistert.

2 - posted by zak | 2010.11.09 | 09:14

Das freut [mich].

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2010.10.28 | 12:57 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Heimliche Drillinge II

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1 - posted by dust | 2010.10.28 | 22:26

“Wo sie idealisieren (lieben), können sie nicht begehren; und wo sie sinnlich begehren, sind sie unfähig zur Liebe und Bindung.”

Oui, oui. Mon Cher.

2 - posted by zak | 2010.10.29 | 10:38

Wobei ich aber auch hier wieder finde, dass dies keine Frage des Geschlechtes ist, sondern eine des Charakters – oder sagen wir lieber: der psychischen Verfasstheit. Konstitution?

3 - posted by dust | 2010.11.02 | 14:55

Am ehesten ist es wohl eine Frage der Haltung.

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2010.10.23 | 20:38 | Gonzo PERMALINK  |  TRACKBACK
Die dunklen Jahre

Es fällt mir sehr schwer, mich genau zu erinnern. Man sagte mir, ich hätte die beiden vergangenen Jahre in einem Kellerverlies unterhalb des Grill Royal verbracht, hineinkonstruiert zwischen Vorratsräumen und Heizkeller, mit eigenem Luft- und Abwassersystem. Es war komplett eingerichtet mit weißen Möbeln, die exakt so aussahen wie aus der beliebten Billy-Reihe eines großen schwedischen Möbelhauses, jedoch viel besser verarbeitet waren. Bei Hochwasser schwappte die Spree durch das oben gelegene Fenster hinein und durchnässte das Strohlager und meine Notizen. Man mischte mir täglich Drogen ins Essen, wohl eine Mischung aus Peyote und Amphetaminen, und ich muss unfassbar viel Text produziert haben, ausgehend von den Manuskripten, die in den Schränken des Vorraumes gefunden wurden. Ich weiß noch, dass einmal im Monat ein Herr in einem gutgeschnittenen Anzug, das war wahrscheinlich der Herr von Eden, mit Pomade im Haar, vorbei kam, die aktuelle Produktion begutachtete und Verwendbares mitnahm. Ab und an schauten auch seine Kollegen, die Frau Eggers und der Herr Landwehr, herein, und lockerten die zumeist recht eintönige Kost aus Fleisch-, Kartoffel- und Salatresten mittels mitgebrachter Präsentkörbe aus dem Hause Butter Lindner auf.

Einmal belauschte ich ein Gespräch, das Frau Eggers mit dem Geschäftsführer des Grill Royal, einem dicklichen Herrn im rosa Hemd, auf dem Flur führte. Ich verstand nicht viel, außer dass man sehr zufrieden mit dem Verlauf der Unternehmung sei und darüber nachdachte, das Konzept international auszubauen. Soweit ich es bisher rekonstruieren konnte, schrieb ich unter anderem wohl “die Geschichte eines Mädchens, das mit 13 seine Mutter an den Suff verloren hat, das nach Berlin geht, zu ihrem Vater, einem Theaterintendanten, das die Schule schwänzt”, welche teilweise wohl frappierende Ähnlichkeit mit den Texten eines Berliner Webloggers, dessen Name mir jetzt nicht mehr einfällt, haben soll; des weiteren “ein Generationenporträt und den Roman eines Lebensgefühls: die Geschichte der ersten echten Krise im Erwachsenenleben, erzählt als Roadstory”; einen Roman, der beweist, “dass man ein gutes Buch nicht vortäuschen kann. Man braucht dafür sprachliche Fähigkeiten und eine interessante Geschichte. [...] Dieses hier liest sich jedoch wie das eilig hingeworfene Drehbuch zu einer Fernseh-Vorabendserie”; einen Text über den deutschen Kriegseinsatz in Afghanistan, der laut Ingeborg Harms “dank seines Deadpan-Humors [...] eine Poesie der Wahrhaftigkeit entfaltet” und dessen “streng gefügte Prosa [...] das Erbe der Klassik neu durchdenkt”; sowie ein multifunktionales Werk, das zugleich “Reiseroman, Businessplan, Misserfolgsgeschichte und Hochstapelei ist. Bei aller Verspieltheit bleibt jedoch der ernste Kern, tatsächlich auf eine Ästhetisierung der Welt zu zielen.” Schade, dass mir nicht mehr das Geringste davon noch geläufig ist.

Irgendwann dann fand ich mich, nur bekleidet mit ledernen Schlappen und einem Pyjama aus dem Hause Brooks Brothers, in Freiheit wieder und muss sagen, dass mich doch von allen verpassten Ereignissen am meisten die Art und Weise sowie die Gründlichkeit bewegen, auf die und mit der sich der Suhrkamp-Verlag inzwischen selbst abgeschafft hat.

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1 - posted by froschfilm | 2010.10.26 | 13:49

Ha! Und Herr von Eden ist von mir!

2 - posted by zak | 2010.10.27 | 16:15

Das kann ja jeder sagen. Und tut es auch. Oder auch, mit Bernhard: “Meine Übertreibungskunst habe ich so weit geschult, dass ich mich ohne weiteres den grössten Übertreibungskünstler, der mir bekannt ist, nennen kann. Ich kenne keinen anderen.”

3 - posted by goncourt | 2010.10.28 | 00:12

Sehr schön, hier wieder zu lesen!

4 - posted by zak | 2010.10.28 | 01:26

Merci bien, Monsieur.

5 - posted by froschfilm | 2010.10.28 | 15:59

Ja, sehr schön. Das meinte ich doch. Und den Feed hab ich auch gefunden!

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