STRUPPIG.DE
zak
Befindlichkeiten


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2007.01.15 | 13:11 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Abdruck

In einer angenehmen Selbstverständlichkeit, die die Zeit gebracht hat, redest du von den Dingen, sprichst in eine Muschel, weit entfernt. In meinem Ohr, neben den Augen, die blauen Himmel sehen, und Berge, einen Liegestuhl und ein Buch, fügen sich die Worte zusammen, zu einer anderen Art von Bild, Terra Incognita, schwarzer Fleck.

2006.09.04 | 06:49 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Verschiebungen

Hihi, was habe ich eigentlich geglaubt, was sie sagt, die große Stadt, zu mir? Überhaupt, als ob es sprechen könnte, das dicke Biest. Na, Ignoranz, pfui, kann es natürlich, sprechen, das Ding. Sagt bloß nicht, was ich hören will. Da steh’ ich draußen, in der Kälte, und schiebe kontinentale Platten von einem Ort zum anderen, schweißtreibend ziehen geographische Fixpunkte vorbei und Hunter S. Thompson sitzt im Baum, winkt, husch, auch vorüber. Hatte ein Schild in der Hand, mit Edding beschriftet, groß, lesbar, deutlich, trotzdem keine Ahnung, was da stand. Viel zu schnell, das alles. Dann kommen auch schon Pisa, Rom, Venedig, und ich denke Huch, zu weit, viel zu weit, jetzt hat sich das vollends erledigt, mit dem Gesamtbild, Atlanten müssen neu gedruckt werden, in Millionenauflagen, dabei wollte ich doch nur kurz in ein Fenster schauen, einen Rat einholen, beschlagt. Nicht soweit südlich. Aber was hätte es gebracht, spricht doch noch nicht einmal die Stadt verständlich. Hinten links der Abgrund, noch umschiffbar, aber ernsthaft: Wer Steine im Hinterhof hat muss auch von Wasabi weinen. Im Endeffekt treibt man als Katalysator durch den Muff. Ich staple also die Erdschichten neben den Steinen im Hinterhof, grüße kurz das leuchtende Innen und reformiere das Nachrichtennetz. In taube Ohren schreie ich schließlich am liebsten. Und wer zu mir spricht, muss stumm sein. Ein stilles Lied, ein Erdbeben, noch einmal der Baum mit Hunter, dann Ausglühen, verbuchter Fehlschlag, gute Nacht.

2006.07.17 | 21:31 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Lillebror ex Machina

In der Soi 33 der Sukhumvit Road in Bangkok befindet sich genau auf der Ecke, an der der Weg im rechten Winkel abbiegt, und sich parallel zur Hauptstraße fortsetzt, eine aus weiß getünchten Steinen errichtete Toreinfahrt. Passiert man diese, führt einen der leicht abschüssige Kiesweg, vorbei an makellosem Rasen und tannenähnlichen Bäumen, zum ebenfalls weiß getünchten Gebäude der schwedischen Kirche Bangkok. Camilla und Magnus wollen ihre dort deponierten Tickets abholen, und ich begleite sie, wohl aus Neugierde. In der Eingangshalle empfängt uns eine füllige Dame in weißer Kittelschürze und mit gesund-rosigem Teint, der wunderbar zu den Gebäckdüften passt, die herrenlos das Gebäude durchströmen. Es ist Dezember, und rechts, bei der Sitzecke, steht ein bunt, sehr bunt geschmückter Baum, an dem unter anderem rot-weiß gestreifte Lutscher in Spazierstockform hängen. In besagter Sitzecke, auf Möbeln, die verdächtig nach Ikea aussehen, sitzt eine ebenfalls bunte Gesellschaft aus älteren Herrschaften, die Damen in legerer Leinenkleidung, die Herren mit Anzughose und durchschwitztem Hemd. Auch hier rosige Backen in wohlgenährten Gesichtern. Während Camilla und Magnus in einer Wolke aus schwedischen Worten verschwinden, sehe ich mich ein wenig um und bleibe bewundernd vor dem Bücherregal neben der zweiten Sitzecke, auf deren Tisch sich Kinderzeichnungen und Bastelarbeiten stapeln, stehen. Neben der Bibel in allen Sprachen und diversen Formen religiöser Sekundärliteratur stehen dort vor allem schwedische Originalausgaben von Astrid Lindgren, und ich frage mich, ob wir uns in der Adresse geirrt haben, und aus Versehen im schwedischen Äquivalent zum Goethe-Institut gelandet sind. Dann muss ich zur Toilette, und auf dem Weg dorthin komme ich an einem weiteren Regal vorbei, dieses gefüllt mit schwedischen Lebensmitteln, wovon lakritzhaltige Süßwaren ein großzügiges Drittel des vorhandenen Platzes einnehmen. Auf der Toilette dann Miniposter von Fjordlandschaften, ein dunkelgrüner, gehäkelter Toilettendeckelüberzug und flüssige Veilchenseife. Später sitzen wir auf der Veranda, es hat geregnet, und die Bäume tropfen noch. Es gibt frischen Kaffee, natürlich importiert, und eine mit Safran gefärbte Gebäckspezialität, natürlich selbstgemacht. Die Gesellschaft aus der Sitzecke, und somit auch die schwedische Wortwolke, ist ebenfalls nach draußen gezogen, und das leichte Gefühl der Verwirrung, das mich heimlich beschleichen will, manifestiert sich endgültig, als mich das thailändische Hausmädchen auf Schwedisch anspricht. Später, im Taxi, erzählt Camilla, dass alle Herren, die ich dort kennen lernen durfte, bei Volvo arbeiten, bis auf einen. Und das war der Pfarrer. Dann wache ich auf.

2006.07.15 | 12:03 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Close your Eyes

Close your eyes and see the skies are falling. Das hat etwas mit Bier zu tun und schmutzigen Schuhen, mit späten Sonnenuntergängen und Leder am Handgelenk, Sonnenbrillen und dem versteckten Code hinter den Melodien, entlanggehangelt an verschwitzten Fingerspitzen, die den Metallgeruch der Saiten halten und in die Nase entlassen, wie ein Stich hinter die Augen, riecht man an ihnen. Überhaupt ist Schweiß ein wichtiges Element, und Lächeln beim gegenseitigen Anblick, verschwitztes Lächeln beim Austausch des Offensichtlichen, während des Spielens und später, beim Öffnen der kalten Flaschen, auf dem Balkon, wenn man dem Klang nachhorcht und dem verstummten Grollen, das eben noch da war, unten, im Loch. Und Zigaretten, viele Zigaretten, deren Asche beschreibende Muster bildet, auf den Verstärkern, und das Band läuft immer mit. Die Wüste hat man dabei und im Gegenlicht des versinkenden Ballons wird Tischtennis gespielt. Die große Aufschrift auf dem T-Shirt liest sich “Nostalgie” und gottseidank geht das noch, ohne peinlich berührt zu sein. Manchmal. We spoil music for everyone.

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1 - posted by the dear deer | 2006.07.18 | 15:56

Unfortunately, young man, hast du nicht unbedingt das beste Album der QueensOTSA ausgesucht. Rated R hören und zwar die Musik, nicht die Kritiker- und Dumpfbackenklischees von Schweiß und Bier und Wüste. Dann weitermachen mit Lullabies To Paralyze. Wir sprechen uns wieder.

2 - posted by zak | 2006.07.18 | 22:52

[Rant on] Oh, äh, das tut mir sehr leid. Sagen Sie, spielen Sie ein Instrument? Und wenn Sie wählen könnten, wären Sie lieber Kritiker oder Dumpfbacke? Mochten Sie Kyuss nur wegen Josh Homme? Dieser verschmitzte, bereits mehrere Jahre alte Text da oben jedenfalls hat meiner Meinung nach recht wenig mit den Queens zu tun, trotzdem ich sie sehr mag. Aus dieser Zuneigung heraus möchte ich hier auch gerne kurz von dem bislang schönsten Moment unserer gemeinsamen Geschichte erzählen, von damals nämlich, als Dave Catching uns Bier schenkte, ich glaube, es war 1999, in Scheeßel. Es hat uns sehr gekühlt, in diesem warmen Sommer. Trotz des Unbehagens, das mich bei unangebrachter Vertrautheit befällt, freue ich mich aber schon sehr auf unser nächstes Gespräch. Vielleicht lösche ich dies hier aber auch einfach morgen, wenn ich wieder nüchtern bin. Sie können mir ja eine Email schreiben, wenn Ihnen noch weiteres auf der Seele brennt. Vielen Dank. [Rant off]

3 - posted by the dear deer | 2006.07.19 | 10:32

Und Sie (ja, das Du nehme ich hiermit zurück)? Möchten Sie lieber Blödian oder Klugscheißer sein, vorausgesetzt Sie dürften wählen? Keins von beiden? Na, sehen Sie. Lassen wir es damit gut oder schlecht oder egal sein. Nur soviel noch: Immerhin beginnt und endet Ihr Text mit Zeilen aus Songs For The Deaf von den Queens.

4 - posted by zak | 2006.07.19 | 12:36

Ah, Versöhnliches. Das ist schön. Wie Sie aber bemerkt haben werden, bin ich ein großer Freund des Klugscheißens und praktiziere es, wo nur irgend möglich. Tatsächlich ist mir dieser merkwürdige Zufall bezüglich der englischen Worte im Text auch schon aufgefallen. Und selbstverständlich dürfen Sie in selbigen hineinlesen, was immer Sie möchten. Aber darf ich Ihnen dann vielleicht auch etwas empfehlen? Lesen Sie doch einmal Genette, oder Derrida, speziell zum Thema der Intertextualität sowie der Unentscheidbar- bzw. Unlesbarkeit. Wenn Sie wollen. Ganz aufrichtig: Einen wunderschönen, sonnigen Tag noch wünsche ich.

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2006.07.10 | 10:31 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Nachtragend

44.497 Zeichen dann also, morgen. Auch im Netzradio, live. Ab 21:00 Uhr. Folgen Sie dem Kaninchen.

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1 - posted by froschfilm | 2010.10.26 | 13:47

Die dunklen Zeiten im hellen Sommer.

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2006.07.06 | 22:09 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Nineteen-Ninety-Nine

Eine schon fast winterliche Form von Nebel zieht durch die verwinkelten Gassen der Straßburger Altstadt. Das Münster ragt verschwommen neben schrägen Dächern empor, versprengte Touristen irren über den Platz. Am Kanal herrscht unwirkliche Ruhe, Trauerweiden ragen ins Wasser, ein einzelner Schwan dümpelt an vertäuten Sightseeingbooten vorbei. Eigentlich müsste es regnen. Wir biegen in eine Seitengasse, passieren das Restaurant, in dem Kohl damals zusammen mit Mitterand Saumagen aß und klingeln drei Häuser weiter. Die schwere, dunkelblaue Tür gibt den Weg zu einer massiven Holztreppe frei. R. geht vor mir, und ich sehe auf Augenhöhe, dass seine Gesäßtasche fast wieder trocken ist. C. hatte eine sich am Nachmittag darin befindliche Bierdose geöffnet, mit flinker Hand, im Vorübergehen. Geschüttelt, ungerührt. Es war nicht die erste und auch nicht die letzte, die am Ufer geleert wurde. Die Clochards tranken gerne mit. Oben in der Wohnung sitzen vier Menschen auf einem ranzigen braunen Ledersofa und rauchen. Im Hintergrund läuft Musik aus Wien und in der Küche poliert jemand die Spiegel.

Vier Stunden später hat sich die immens vermehrte Abendgesellschaft auf die gesamte Altstadt verteilt. Ich sitze auf dem kalten Steinboden am Kanal, an genau der gleichen Stelle, an der wir nachmittags waren, die leeren Dosen stehen noch unter der Bank. Der Nebel hat sich verdichtet und wabert mit Hilfe der Straßenlaternen orange durch die Nacht. Vor mir sitzt die recht junge Tochter desjenigen Richters, der maßgeblich zur Abschaltung eines umstrittenen Atomkraftwerks am Rhein beigetragen hat und legt ihren Kopf auf meinen Arm, während ich ihren Nacken massiere. Hinter mir sitzt die Freundin eines der beiden Gastgeber, ebenfalls die Hände an einem Hals, dem meinen nämlich. Und während ich mir die Frage stelle, wie man den pittoresken Charme dieser Situation, der ohnehin nur durch maßlosen Drogenkonsum zu deuten ist, noch intensivieren könnte, kommen vier Freunde der Gastgeber die Treppe zum Kanal herunter, gehen mit einem von den Worten “Aha” und “Viel Spaß noch, ihr drei” begleiteten Pferdegrinsen vorbei und am anderen Ende des Bootsanlegeabschnitts wieder hinauf, jeder eine Dose Bier in der Hand.

Rätselhaft bleibt der Rückweg, begleitungslos, doch als ich wieder in der schlecht beleuchteten Gasse ankomme, treffe ich auf C., der gerade neben den Eingang des Saumagenrestaurants pinkelt. Wir beschließen, eine Nachtwanderung zu machen, über Kopfsteinpflaster, und Stöcke auch, an Kirchen vorbei. Kieswege, Parks, Grünflächen. Als wir zurückkehren, ist die Wohnung von himmlischer Stille erfüllt, Körper an Körper liegt eine große Zahl junger Menschen über die Einrichtung verteilt und schläft. Hinter dem gegenüberliegenden Dachfirst färbt sich der Himmel langsam hellblau. Doch keine Vogelgeräusche. In der Badewanne nur eine Person.

War da was?

Eines Morgens, in aller Frühe, trafen wir auf unser’n Feind.

In den Schatten der kleinen Blume, in die Berge bringt mich dann.

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1 - posted by cato | 2006.07.08 | 08:28

Wenn du bella ciao wenigstens auf Italienisch zitiert hättest…

2 - posted by zak | 2006.07.08 | 08:34

Ach, das ist doch eine tote Sprache, die versteht doch keiner. Und auf Deutsch gefällt es mir fast noch besser. Hüstel. Aber bitte: Una mattina mi sono svegliato, e ho trovato l’invasor. Mi seppelisci lassù in montagna sotto l’ombra di un bel fior.

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2006.06.12 | 16:59 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Leuchtstoff

Es rauscht. Draußen, gleichmäßig, beruhigend. Ich könnte aufstehen und schauen, ob es der Wind ist oder Regen. Ich stelle mir vor, dass es Regen ist. In der Dunkelheit bedecken kleine Tropfen die Bäume, den Rasen, die Sträucher. Sonst ist es still. Wenn ich die Türe öffnen würde, könnte ich die Frische riechen, die mit dem Regen kam. Ich könnte hinaus gehen, in den Garten, würde das feuchte Gras unter meinen Füßen spüren, könnte den Mund öffnen, um den Regen zu schmecken. Zurück im Haus wieder ins Bett gehen, um die leichte Kälte zu vertreiben, die nicht wirklich unangenehm ist. In Frankreich sterben die Platanen an den Alleen. Ein Pilz erstickt sie, jeden Tag ein wenig mehr, und langsam verfaulen sie bei lebendigem Leibe. Als die Amerikaner in der Normandie landeten, blieben Munitionskisten aus amerikanischem Holz liegen, das schon von dem Pilz befallen war. So kam er nach Frankreich. Ich fuhr mit dem Auto. Morgens, auf einem Campingplatz, irgendwo an der Loire, als noch alles mit Tau bedeckt war, hielt ich die Füße ins Gras, rauchte eine Zigarette und leckte am Tau. Eine dicke Motte klebte an der Scheibe, tot, feucht, doch ihre Augen leuchteten aus der braunen Masse heraus, funkelnd, wie die Einschlüsse in rotem Vulkangestein, die man Katzenaugen nennt, und die wir als Kinder freudig in Taschen steckten, wenn wir sie fanden. Um später reich zu werden, wenn wir das Prinzip des Goldes verstanden hätten. Ich gehe zum Fenster und blicke auf die glänzenden Bäume, die nun im Wind rauschen. Ich öffne die Augen und mache den Fernseher aus.

[Abb.: © Andrea Giacobbe]

2006.03.09 | 13:09 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Zähne und Spucke

Wurde schon von den Bildern erzählt, die gemacht wurden? Von der Geschwindigkeit der Wolken, die einzelne Flecken des Grünlandes kurz in helles Licht tauchte? Von der feuchten Luft, die zu erahnen ist, und den dunklen Tönen, die vom Horizont heranziehen? Hinter den Wäldern das Dunkelgrau der Mauern, am Himmel ein Gesicht, ungesehen. Der alabasterhafte Glanz der Haut am Dunkel des Bodens. In der Mitte, fern, ein Pferd. Direkt über der Hand, den Mund nur kurz vor der Stirn haltend, Zähne und Spucke, die Geister, die jeweils zehn Tage lang regieren. Hinter den Augen ein leerer Kasten, der Töne macht. Rätselhaft bleiben die drei Jünglingsgestalten am rechten Bildrand, nackt, als Zeugen der Tragödie teilnahmslos die Hand erhoben, Schatten zwischen den Schulterblättern. Soviel davon gezeigt, wie man in einer Stunde sehen kann.

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