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zak
Befindlichkeiten


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2004.11.23 | 20:08 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Hand aufs Herz

[...] Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir Fortschritt nennen, ist dieser Sturm. [...]

Walter Benjamin - Über den Begriff der Geschichte

2004.11.23 | 19:28 | Nerd of Love PERMALINK  |  TRACKBACK
Anrufe in Abwesenheit

Ich weine und kann nicht aufhören, weil die Seele so sehr flattert, nichts kann sie festhalten, es ist Kitsch, ich weiß, aber wahr, die Wahrheit ist Kitsch, sie flattert und zuckt und kann doch nicht weiter, nicht darüber hinaus, hinaus über das, was ist und auch die Möglichkeiten, die sie anstößt, wenn sie ihre Sehnen, Seelensehnen, überdehnt, dass es schmerzhaft schnalzt, wenn sie sich zurückkrümmt und verschwimmt, auch die lassen nur erschaudern, so nah und doch so fern, ein Beutel Klischees liegt daneben, auf dem Boden, ich kann nichts anstoßen, nichts öffnen, sie brennt nicht, sie schwimmt, zuckt und doch darf nichts sich Artikulation nennen, dumpfes Grunzen ist alles, was hörbar, leise, wenn überhaupt, ein Wimmern vielleicht, was ist das, was ist das? Warum gebe ich all das her?

Silencio. Blickdichtes Erschaudern. Waldgebiet.

Dann schon beginnt wieder das Abstandnehmen, dann schon, zu sich selbst, zu allem, Abstand nehmen von den Dingen und ihrer Haut, ihn weg nehmen, um das unrettbare Ich zumindest temporär in Sicherheit zu wiegen, weil es sonst nicht geht und es muss doch gehen, muss es doch. Hinweg. Muss es. Hinweg. Wie viele Engel finden auf einer Nadelspitze Platz?

[...] How fragile we are. How fragile we are. [...]

Nils Landgren - Sentimental Journey

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