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Befindlichkeiten


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2005.02.17 | 14:06 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Transfer

Die Geister der Selbstmörder
die sich in den Achsen
verfangen haben,
die nicht mehr
wegzukriegen sind.

Die Unzahl der
kleinen Tode
die man stirbt,
schaut man nur
lange genug hinaus.

Die Musik im Kopf
und die Lippen
im Fenster.

Synchronisiert mit dem
Licht der Bäume
hört die Bewegung
nicht mehr auf.

2005.02.17 | 12:23 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Расслабление

Gestern also Kyoto. Auf Arte eine Dokumentation über Tula, Russlands größte Industrieregion, südlich von Moskau. Dort befindet sich unter anderem das Chemiewerk, in dem ein Drittel des Weltbedarfs an Legierungsgrundstoffen für Dvds produziert wird. Eine Frau stapft durch den Schnee, spricht von den Tannen, die früher hier standen, die von Lew Tolstois Frau gepflanzt wurden, 1903, dort wo jetzt die Birken sind. Und die dann plötzlich rot wurden, als die ersten Fabriken öffneten, alle Pflanzen wurden rot, wegen des Schwefels und all den anderen Dingen, die plötzlich in Luft und Wasser waren. Die Sterblichkeitsrate hier ist eine der höchsten im Land. Ein Mann im weißen Kittel steht vor Gerätschaften aus den 70ern, es ist der Leiter der einzigen Umweltschutzbehörde der Region, über ihm flackert eine Neonröhre. Die Frage des Umweltschutzes ist eine philosophische, sagt er, wenn die Fabriken all die Reglementierungen befolgen würden, müssten sie dafür den Großteil der Leute entlassen. Und wollten Sie lieber verhungern oder gelben Schleim husten? Natürlich hat Putin das Abkommen ratifiziert, aber natürlich ist auch allen klar, dass er das nicht der Natur zuliebe getan hat. Umweltschutz ist etwas, das sich reiche Länder leisten können. Zwei Jungs in Trainingsjacken und mit Wollmützen auf dem Kopf stehen in einer schneefaden Landschaft vor verrosteten Klettergerüsten, die Füße im Schlamm. Hier wächst nichts mehr richtig, sagen sie, im Frühjahr regen sich zwar die meisten Pflanzen kurz, aber dann kriegen sie Löcher und werden schwarz. Das läge wohl daran, dass die Fabrik alle Abfälle direkt ins Grundwasser ableitet. Einmal im Jahr kommt dann jemand von der Umweltschutzbehörde und nimmt Proben, den Rest der Zeit geht alles seinen Gang.

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Und ich bin Gerd Ruge.

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