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2006.02.09 | 19:58 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Kammerflimmern

Auf den Steinplatten der Gehwege zeugt nur noch wässriges Glänzen von verschwundenem Schnee, indexikalisch. Die Luft aber scheint trocken, vor dem Fenster; gestern gar hing dieser spezielle Geruch in ihr, kurzzeitig, eine bestimmte Verheißung evozierend, die nämlich, die vom Übergang kündet. Ab und an blitzt Licht durch schnelle Wolken, blendet, wo es trifft. Und, tatsächlich, Vogelgeräusche, ohne Grün. Vor der Tür jedoch ist es kälter als erwartet, man schlägt den Kragen hoch und nach der ersten Häuserecke des Weges lässt ein dumpfes Grollen verwundert Köpfe heben und Blicke suchen. Dann auch schon verfinstert sich die Welt und an der nächsten Kreuzung, noch fünfzig Meter entfernt, zeigt sich Merkwürdiges. Aus der linken Querstraße rollt eine schmutzighelle Wolke heran, von Fassaden kanalisiert, schnell und stetig, als ob große Türme in sich versinken. Sekunden später sieht man die Hand vor Augen nicht mehr; die Welt ein weißes Toben. Der erste Schneesturm dieses Winters, vielleicht auch meines Lebens.

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Nachmittags gleißt wieder Sonne, über bläulichen Verwehungen.

[…] Metallgerippe, die Innereien der Gebäude und somit auch die Menschen werden von dem herabstürzenden Gewicht zu einer Art Sandmasse zerdrückt. Sie müssen sich das als in Bewegung befindlich, als Strudel vorstellen. – Nichts bleibt an seinem Platz? – Garantiert nichts. […]

Alexander Kluge – Die Lücke, die der Teufel lässt

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