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zak
Befindlichkeiten


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2006.06.29 | 14:09 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Totem und Tabu

Der dunkelhäutige Junge trug bestimmt Sportkleidung, irgendetwas aus Kunstfaser, eine Baseballkappe vielleicht. Geflochtene Haare, Goldkettchen. Oder war es noch ein Kind, er? Dann lassen Sie das Gold weg. Heiß und überfüllt die Straße; kurz darauf T. mit einem ihrer Schutzbefohlenen getroffen, der debil-freundlich grüßte und dann ein paar Meter weiter die Auslagen eines Herrenausstatters begutachten ging. Im Himmel Möven und Stromkabel. In der Tasche der ungefaltete Zettel.

2006.06.26 | 10:08 | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Als ich einmal eine Wellnesseinrichtung beschrieb…

Das Westin Sukhumvit Grande Hotel in Bangkok besitzt eine vorgetäuschte Lobby. Nachdem drei nette Herrschaften drei verschiedene Türen lächelnd aufhalten, von denen man eine durchschreiten muss, steht man in ihr, im Erdgeschoss des großen Gebäudes, die Air Condition kühlt den Schweiß und man sieht einen kleinen Tresen linkerhand, einen kleinen Indoorteich rechterhand und eine kleine lederne Sitzgruppe straight ahead, gleich neben den goldbeschlagenen Aufzugtüren. Ich nahm auf einem der Sessel Platz und wartete auf Sippakon Suriyakham, mit der ich verabredet war.

... und dafür Geld bekam oder Das thailändische Handwaschprinzip [I]

2006.06.24 | 18:19 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Fragmente einer Sprache der Liebe

Die Nacht ist erstaunlich warm für diese Zeiten. Nur vereinzelte Wolken ziehen vorbei, umkränzt von Mondlicht, jeder Stern ist klar zu sehen. Das kleine Dorf liegt still, in seltsamer Helligkeit, am Fuß der Berge, am Ufer des Flusses; die Häuser ragen schimmernd empor. Die Luft ist lau, fast sommerlich, kein Laut durchdringt ihre Trägheit zwischen den Mauern. Hier und da Licht hinter den Fenstern, doch keine Bewegung. Dann leise Stimmen, aus dem Hinterhof, Gläserklirren, Lachen. Eine alte Frau in gelbem Pullover öffnet, dämmeriges Licht, der Gang zum Hof ist braun gekachelt. Weinreben bedecken die Wände, leere Flaschen auf den Tischen, handgestrickte Pullover daran. Ein Geschenk, ein Glas, süß, zuckerig, der Enkel ist doch noch gekommen, Prost. Die Großeltern freuen sich, Stolz schwingt in der flüsternden Erzählung der Großmutter über das Schmücken des Hauses durch die Nachbarn und die Anzahl der Gäste mit; der Bürgermeister hat schon rote Wangen. Jahrhunderte erlebter Zeit sitzen an den Tischen, angetrunken, lachend. Die Welt ist nicht da. Ich lehne mich zurück und atme aus.

[…] Der abbildende Name fixiert eine ideale Identität, die im Veränderlichen beharrt. Abbildungen tilgen Zeit. Ihre Projektion von Zeitlichem in den Raum verdinglicht die Zeitbeziehung zwischen Sprachlichem und Außersprachlichem zu einem zeitlosen Verhältnis der Gleichheit zwischen Bildern. Mit dem Verschwinden der Zeit aus der Sprache hebt sich die wörtliche Rede über zeitlich vergängliche Dinge in die Erinnerung ihrer zeitlos vergangenen Ursprungswahrheit auf. […]

Gerd Kimmerle – Funktion, Symptom, Symbol

2006.06.19 | 11:48 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Publicité lumineuse

Quoi?

[...] Man kann ja nicht alles aufzählen; ein Leben kann man ja nicht einfach so ausbreiten. Wenn Sie Ihr Leben ausbreiten, dann können Sie's ausbeuteln wie einen völlig verschmutzten Teppich, dann würden Sie sich auch bedanken, wenn ich Ihnen den ins Gesicht beutl. Und so ungefähr wäre es, wenn jemand sein Leben, gleich welches, vor Ihnen ausbeutelt. Dann würden Sie einen Hustenanfall kriegen und schon nach einer kurzen Zeit davonrennen. [...]

Kurt Hofmann - Aus Gesprächen mit Thomas Bernhard

[...] Der Autor ist tot. [...]

Die Postmoderne

2006.06.17 | 10:32 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Can’t find a better Man

Er mischt zunächst Gin mit Zuckerwasser und später dann Absinth; spült eine Diazepam, die noch aus Bangkok übrig ist, damit herunter. Einige Zeit danach reißt er ein Stück Papier aus einer Broschüre der DAK zum Thema “Alkoholentzug mit ärztlicher und psychologischer Betreuung” und schreibt darauf: “Houellebecq, Du dämlicher Froschfresser, die Insel neben Koh Samui, auf der einmal im Monat eine full moon rave party stattfindet, heißt Koh Phangan, und nicht Koh Lanta. Zudem glauben die Thais vehementer an Geister als jedes andere asiatische Volk.” Er steckt den Fetzen in einen Briefumschlag, versieht ihn mit der Adresse des Dumont-Verlages, frankiert ihn ausreichend, geht hinaus und wirft ihn in den Briefkasten an der Ecke. Als es dunkel wird, holt er das alte Luftgewehr unter dem Bett hervor, lädt es durch, löscht alle Lichter in der Wohnung und kniet sich ans offene Fenster. In der Nacht schreibt er Kurznachrichten, von denen er weiß, dass sie niemals beantwortet werden. Kauernd in einer Ecke des unbeleuchteten Zimmers. Bei einem alten Video auf YouTube schließlich muss er bitterlich weinen und kann nicht mehr aufhören, fast bis es Morgen wird.

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Es werden jeden Tag durchschnittlich 380.000 Menschen auf diesem Planeten geboren. Es sterben täglich ungefähr 156.000. Keiner von ihnen hat jemals Gott gesehen.

2006.06.16 | 15:53 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Textur A

When you were here before

Wir müssen wahre Sätze finden.

2006.06.12 | 16:59 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Leuchtstoff

Es rauscht. Draußen, gleichmäßig, beruhigend. Ich könnte aufstehen und schauen, ob es der Wind ist oder Regen. Ich stelle mir vor, dass es Regen ist. In der Dunkelheit bedecken kleine Tropfen die Bäume, den Rasen, die Sträucher. Sonst ist es still. Wenn ich die Türe öffnen würde, könnte ich die Frische riechen, die mit dem Regen kam. Ich könnte hinaus gehen, in den Garten, würde das feuchte Gras unter meinen Füßen spüren, könnte den Mund öffnen, um den Regen zu schmecken. Zurück im Haus wieder ins Bett gehen, um die leichte Kälte zu vertreiben, die nicht wirklich unangenehm ist. In Frankreich sterben die Platanen an den Alleen. Ein Pilz erstickt sie, jeden Tag ein wenig mehr, und langsam verfaulen sie bei lebendigem Leibe. Als die Amerikaner in der Normandie landeten, blieben Munitionskisten aus amerikanischem Holz liegen, das schon von dem Pilz befallen war. So kam er nach Frankreich. Ich fuhr mit dem Auto. Morgens, auf einem Campingplatz, irgendwo an der Loire, als noch alles mit Tau bedeckt war, hielt ich die Füße ins Gras, rauchte eine Zigarette und leckte am Tau. Eine dicke Motte klebte an der Scheibe, tot, feucht, doch ihre Augen leuchteten aus der braunen Masse heraus, funkelnd, wie die Einschlüsse in rotem Vulkangestein, die man Katzenaugen nennt, und die wir als Kinder freudig in Taschen steckten, wenn wir sie fanden. Um später reich zu werden, wenn wir das Prinzip des Goldes verstanden hätten. Ich gehe zum Fenster und blicke auf die glänzenden Bäume, die nun im Wind rauschen. Ich öffne die Augen und mache den Fernseher aus.

[Abb.: © Andrea Giacobbe]

2006.06.12 | 14:51 | Gonzo PERMALINK  |  TRACKBACK
Open your Mind

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