STRUPPIG.DE
zak
Befindlichkeiten


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2006.07.23 | 21:15 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
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Kandinsky kann mich echt mal am Arsch lecken.

2006.07.23 | 17:55 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Die Bereitschaft zu glauben

Den ganzen Tag schon hatte ich damit gerechnet, vorgeahnt, gewusst. Doch der Moment selbst war trotzdem eine Befreiung, unangekündigt, neu. Über den Innenhof vor der alten Fabrikhalle spannen sich bunte Lichterketten; vor der Toilette Bierbänke unter Panzertarnnetzen, rechts daneben eine Bude, die gleichzeitig Crêpes und Würstchen mit Pommes verkauft. Man müsste noch einmal nach Belgien fahren, kalten Wind ins Gesicht bekommen, und Regen schmecken, damit das Gefühl besser wird und aufhört zu stinken. Es ist schön, dass geredet wird, egal worüber, und auch hier fällt sanftes Wasser aus der Nacht, doch die Luft ist warm in ihrer angenehmen Kühle. Das, was Fernsehen heißt, hüpft trunken und lachend, blondes Haar mit hellen Strähnen hintenan, durch die Nacht, Digicam schwenkend. Es heisert, und kurz vergießt man Tränen über den Tod eines Senders, rauchend dabei. Doch trotz Regen werden die Haare nicht nass. Das lokale Bier muss über den Schnupfen von Tom Barman hinwegtrösten, und über Menschen, die Tabakpäckchen verteilen, über Zwischen- ansagen und Musik und das Publikum und mich selbst. Das lokale Gespräch muss über die Zeit hinwegtrösten und die Tage davor und danach. Das Gegenteil von dem, was richtig heißt. Ein leerer Schlag über den Himmel. Und im Rahmen dieser Bilder; Nackenlinien, Lippen, Hälse – nur ein Gesicht, das bleibt.

2006.07.19 | 21:58 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
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Sie sind ein guter Vorsänger, Mr. Rockefeller.

2006.07.19 | 21:48 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Keine Lieder über Liebe

Sag, wie weit? Wie weit weg ist das denn?

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Der Ventilator lief nur noch auf einer Stufe, gottseidank war es die höchste. Die Fliegengitter waren mit Klebeband bemustert und draußen auf dem Flur sammelte der Nachbar Heineken- Flaschen, um eine Skulptur daraus zu bauen. Oben, auf der Dachterrasse, schlich der Bruder von Khun Anong umher, mit nacktem Oberkörper, eine ausgeglühte Zigarette aus Bananenblättern zwischen die Lippen geklemmt. Und ich lag auf dem Bett, unter einer Neonröhre, las die Briefe, die Karten und den Faldbakken. Oder im Dunkeln, hörte die Musik oder lauschte in die Nacht hinaus, auf diese Idee von einer Stadt oder das Rauschen der Stauden, die den kommenden Regen besangen.

2006.07.19 | 18:34 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Wrap your troubles in dreams

10:13 Uhr. Ich sitze nackt am Schreibtisch. Eben habe ich ein winziges Stückchen Stoff, das ich im Bett fand, von der flachen Hand gepustet, ganz behutsam, als ob es eine Wimper von dir gewesen wäre, durchs offene Fenster, hinein in diesen gleißenden Morgen, in den Schneidbrenner dieses Sommers. Ich habe keinen Wunsch geäußert, dabei, es war ja keine Wimper, schon gar nicht eine von deinen, sondern nur ein winzig kleines Stückchen Stoff.

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An einer Supermarktkasse, auf der Ablage am Ende des Fließbandes, haben wir uns umarmt, anatomisch unmöglich, aber es war ja ein Traum. Ich verlor das Bewusstsein, wohl ob meines Glückes. Als ich wieder zu mir kam, warst du weg, ich verließ den Supermarkt und auf dem Parkplatz stand mein bester Freund, mit dem ich gestern Nacht noch telefonierte und ihm von dir erzählte, von dem Dach und dem Krankenhaus und meiner Barthesschen Mischung aus Unheilbarkeit, Aufregung und Angst. Er trug einen unglaublichen Jim-Morrison-Bart, den er letzte Woche, als wir uns nach dem Leichenschmaus ohne Leiche trafen, definitiv noch nicht hatte. Wir scherzten noch darüber, am Telefon gestern Nacht, dass wir ja schnell zum Flughafen fahren könnten und uns besuchen, mit unseren Learjets, wenn wir keine Lust mehr hätten aufs Telefon, und genau damit begründete er auch nun sein Hiersein. Dann verschwand er und alles zerfaserte. Ich befand mich in einer Lehranstalt, die der ähnelte, in der meine Mutter arbeitet, seit Jahrzehnten, an die sich jedoch ein Raumhafen angliederte. Ich war in einem Innenhof, in unglaublicher Abendluft, in meinem Bad ein Blumenzüchter, der die Musik nicht leiser drehen wollte, ich stand plötzlich unter Anklage für ein Vergehen, das mir die stark geschminkten Rechtsvertreter nicht mitteilen wollten, es gab einen Schwelbrand in einem Taschenbuch, das ich für mein Notizbuch hielt, der Blumenzüchter half löschen, im Waschbecken schwammen zermahlene Eisstückchen, er fragte mich, ob ich Nadja schon gefunden habe, ich kenne keine Nadja, antwortete ich, er sagte, natürlich würde ich sie kennen, jeder hat seine Nadja, sie müsse ja nicht so heißen. Auf einer Wiese lief mir eine Hochzeitsgesellschaft entgegen, in den Gängen des Lehrgebäudes verlief ich mich, eine brennende Zigarette in der hohlen Hand, die ich mir nach Verlassen des Anklageraumes, in dem man mir die Anklage nicht mitteilen wollte, anzündete, Reflexhandlung, ohne nachzudenken, man darf doch nicht rauchen, in einer solchen Einrichtung. Es muss wohl das Zimmer gewesen sein, in dem ich jahrelang unterrichtet wurde. Ich suchte verzweifelt den Ausgang, kam ängstlich an Lehrkräften vorbei, die mich nicht beachteten, eine verlor die Papiere, die sich auf ihren Armen stapelten, ich half ihr nicht, sie wies mir den Weg, schrie ihn hinter mir her. Im Raumhafen schließlich der Ausgang, ich weiß nicht, ob ich ihn benutzt habe, auf der Wiese rannte die Hochzeitsgesellschaft an mir vorbei, eine Stimme sagte mir, dass dies hier Jahre in der Zukunft sei und ich solle Ausschau halten, nach dir, nach Nadja, als ob ich das nicht ohnehin schon täte. Ich habe dich nicht gefunden. In der Wartehalle nahe des Ausgangs dann fingen alle an zu schweben, ich verstand keines der Worte, die gesagt wurden, das gelöschte Taschenbuch war nur noch ein dünner Rahmen für das verkohlte Loch in seiner Mitte.

Wie war der Himmel blau

Abt.: Die lauwarme Herzensschrift oder Das immerwährende Elend der Romantik.


Weil man nämlich keinen Abstand haben kann, dazu. Und auch niemals haben wird, in dieser dunklen Stille.

Einmal nur las ich ihn laut, diesen Text. Nur einmal.

Wir können alles sein. Aber das glaubt einem ja wieder keiner.

2006.07.18 | 13:33 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Vaporware

Český sen

Vanilla Sky

[...] Die Simulation ist wahrer als wahr, genauso wie die Pornographie sexueller als sexuell ist, weshalb sie gar kein Sexuelles mehr an sich hat. [...]

Jean Baudrillard - Der reine Terror

2006.07.17 | 21:40 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
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Die leptosome Haltung Stuckrad-Barres.

COMMENTS

1 - posted by the dear deer | 2006.07.18 | 13:41

Letzte Woche im Hamburger Hauptbahnhof. Die gewünschte Enttarnung fiel leicht, wegen der übergroßen Pilotenbrille, des anthrazitfarbenen Anzugs, der hektisch gerauchten Zigarette, der 5 bis 8 Stewardessentaschen aus aller Herren Länder, die er um seinen Körper drapiert hatte und natürlich wegen der offensiv vorgetäuschten Orientierungslosigkeit.

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2006.07.17 | 21:31 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Lillebror ex Machina

In der Soi 33 der Sukhumvit Road in Bangkok befindet sich genau auf der Ecke, an der der Weg im rechten Winkel abbiegt, und sich parallel zur Hauptstraße fortsetzt, eine aus weiß getünchten Steinen errichtete Toreinfahrt. Passiert man diese, führt einen der leicht abschüssige Kiesweg, vorbei an makellosem Rasen und tannenähnlichen Bäumen, zum ebenfalls weiß getünchten Gebäude der schwedischen Kirche Bangkok. Camilla und Magnus wollen ihre dort deponierten Tickets abholen, und ich begleite sie, wohl aus Neugierde. In der Eingangshalle empfängt uns eine füllige Dame in weißer Kittelschürze und mit gesund-rosigem Teint, der wunderbar zu den Gebäckdüften passt, die herrenlos das Gebäude durchströmen. Es ist Dezember, und rechts, bei der Sitzecke, steht ein bunt, sehr bunt geschmückter Baum, an dem unter anderem rot-weiß gestreifte Lutscher in Spazierstockform hängen. In besagter Sitzecke, auf Möbeln, die verdächtig nach Ikea aussehen, sitzt eine ebenfalls bunte Gesellschaft aus älteren Herrschaften, die Damen in legerer Leinenkleidung, die Herren mit Anzughose und durchschwitztem Hemd. Auch hier rosige Backen in wohlgenährten Gesichtern. Während Camilla und Magnus in einer Wolke aus schwedischen Worten verschwinden, sehe ich mich ein wenig um und bleibe bewundernd vor dem Bücherregal neben der zweiten Sitzecke, auf deren Tisch sich Kinderzeichnungen und Bastelarbeiten stapeln, stehen. Neben der Bibel in allen Sprachen und diversen Formen religiöser Sekundärliteratur stehen dort vor allem schwedische Originalausgaben von Astrid Lindgren, und ich frage mich, ob wir uns in der Adresse geirrt haben, und aus Versehen im schwedischen Äquivalent zum Goethe-Institut gelandet sind. Dann muss ich zur Toilette, und auf dem Weg dorthin komme ich an einem weiteren Regal vorbei, dieses gefüllt mit schwedischen Lebensmitteln, wovon lakritzhaltige Süßwaren ein großzügiges Drittel des vorhandenen Platzes einnehmen. Auf der Toilette dann Miniposter von Fjordlandschaften, ein dunkelgrüner, gehäkelter Toilettendeckelüberzug und flüssige Veilchenseife. Später sitzen wir auf der Veranda, es hat geregnet, und die Bäume tropfen noch. Es gibt frischen Kaffee, natürlich importiert, und eine mit Safran gefärbte Gebäckspezialität, natürlich selbstgemacht. Die Gesellschaft aus der Sitzecke, und somit auch die schwedische Wortwolke, ist ebenfalls nach draußen gezogen, und das leichte Gefühl der Verwirrung, das mich heimlich beschleichen will, manifestiert sich endgültig, als mich das thailändische Hausmädchen auf Schwedisch anspricht. Später, im Taxi, erzählt Camilla, dass alle Herren, die ich dort kennen lernen durfte, bei Volvo arbeiten, bis auf einen. Und das war der Pfarrer. Dann wache ich auf.

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