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2007.05.27 | 12:49 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Demut

Wir wollen all das denken, was die anderen schon gedacht haben.

Und noch viel mehr.

Was des einen Hilbig, ist des anderen Wollschläger. Nur der Tod, der ist für alle.

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1 - posted by Volker Maisel | 2007.06.19 | 16:11

Auf einer Party, nach einem längeren Plausch über Nietzsche, kamen wir auf einen eher unbekannten Autor des späten 19. Jahrhunderts zu sprechen. Wollschläger hielt ein, massierte erstaunlich lange seinen Nasensattel. Er sammelte sich und begann daraufhin etwa 2 Seiten aus Zarathustra zu rezitieren. Die einzige Stelle im Gesamtwerk, wo sich Nietzsche diesbezüglich äußerte. Ich schlug die Passage später nach – er hatte sie vollständig und fehlerfrei wiedergegeben. Da ist also noch jede Menge Luft, nach oben.

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2007.05.27 | 10:56 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Tiere sehen dich an

Den ersten Referatsschein meines Lebens holte ich mir bei der Ehefrau von Hans Wollschläger ab. Es ging um Kuppelbauten, wenn ich mich recht entsinne, doch über die real existierende Pracht der Hagia Sophia, über das Gerüst, den Staub, die Tauben und die weinenden Steine wird an anderer Stelle zu lesen sein. Frau Wollschläger war Sekretärin am Lehrstuhl für Neuere Kunstgeschichte der Universität Bamberg und ihr winziges Büro in einem verwinkelten mittelalterlichen Seitentrakt ein jedes Mal so verraucht, dass man hätte Schinken an die dunklen Holzbalken hängen können. Ihre Marke war Reval oder ähnliches, natürlich filterlos, und wenn sie lachte, konnte man dies manchmal schwer von einem Husten unterscheiden. Auch rasselte und pfiff es. Geräuchertes Fleisch zum direkten Verzehr hingegen gab es gleich gegenüber des Lehrstuhls, in einem kleinen Geschäft, aus dem sich Kommilitonen fettige stinkende kümmelstarrende Würste holten, die sie an langen Nachmittagen in der Diathek zusammen mit sehr kümmelhaltigem Brot verspeisten. Wenn möglich, von Rauchbier begleitet. Zum Rauchen jedoch mussten wir, im Gegensatz zu Frau Wollschläger, hinausgehen, ob der Brandgefahr. Im kleinen grauen Innenhof, der neben dem großen grünen Innenhof lag, gab es kaum Tauben. Jedoch immer Familien mit Kindern, die ins angrenzende Naturkundemuseum wollten. Ihre gelben Regenmäntel schwankend vorm inneren Auge, hinter französischen Artikeln. Irgendwoher der Geruch von Sonnenmilch auf warmer Haut. Gleichzeitig feuchte Blätter und Regen. An der unförmigen rohen Wand des Projektionsraumes brachen sich die Bilder, die Gesichter der Märtyrer bekamen Beulen. Nur bei James Ensor fiel dies niemals auf.

Mein Bart ist bald hundert Meter lang und Reval heißt nun Tallinn.

[...] Endlich war es gelungen, Tote wieder lebendig zu machen; oder, präziser ausgedrückt: Leute, die das erste Leben und den ersten Tod erlitten hatten, auf kurze Zeit wieder zurückzurufen (ichweißichweiß; exakt müsste ich sagen : das n=te Leben; und jetzt befinden sie sich in n plus 1. – Natürlich hatte es mit den Unsterblichkeitstheorien des Christentums nicht das geringste zu tun; es war mal wieder ganz anders). [...]

Arno Schmidt – Goethe

[...] Bilder, bei deren Anblick sich das Menschenherz empört, soll man weder mit dem Pinsel noch mit der Feder malen. [...]

Karl May – Winnetou II

2007.05.17 | 23:42 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Porca Miseria

Es ist kalt in Yunnan, an einigen wenigen Tagen, nahe des Jahreswechsels, am Fuß der Berge. Die Luft ist aus klarem Stahl gemacht, besonders in den Morgenstunden, und die Sonne schneidet Fragmente aus Gebäuden und Menschen. In den groben Straßen liegen Yakhäute zum Trocknen aus, wie Gebetsteppiche, und zwischen den Pflastersteinen bilden sich Rhizome aus Blut. Der Wochenmarkt ist fast vorbei und das Fleisch geht nach Hause. Wer keinen Kopf mehr hat, der steckt ihn in den Hals.

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1 - posted by rafael | 2007.05.27 | 00:40

Gefällt mir der Kommentar. Super Wortwahl!!! Wo ist denn das Bild gemacht worden?

2 - posted by zak | 2007.05.27 | 10:03

Auf einem Markt in Dali, am Ohrensee gelegen.

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2007.05.07 | 14:47 | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Vanitas

...die kotzenden Schwedinnen auf der letzten Fähre, die Lüge von der Klimakatastrophe, die apokalyptische Rede und das apokalyptische Denken, die SINTFLUT und die SINNFLUT und die Verachtung den Wortspielen gegenüber – und weiter, immer weiter, der Inder auf dem Fahrrad, mit dem nackten Fleisch auf dem Gepäckträger, die Landschaften und die Seen von oben, aus dem Flugzeugfenster heraus, die Unnötigkeit der Verknüpfungen und ihr immerwährendes Vorhandensein (10000 Jahre), die Philosophie, die keine ist – das Mittagsbuffet im ( ), der Pool auf dem Dach, nach der Tagung, der Wind, das Wasser von oben (schon wieder), der Erfinder der Biene Maja und natürlich auch Sippakon und die zwei Lobbys des Westin Grande...

(Verstehen, Unverstehen, Hermeneutik – die Unnötigkeit des Erklärens, die Unmöglichkeit nur einer Lesart, die Intertextualität, die Setzung, die Abwesenheit expliziter Theorie...

...die Fahnen, in die wir uns hüllen, ohne sie zu zeigen.)

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