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2008.06.11 | 23:46 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
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Hätte ich das Manuskript gelesen, so könnte ich konkrete Vermutungen darüber anstellen, welche Stellen zu schwärzen seien, so das Buch doch irgendwann einmal wieder vertrieben werden dürfte. Hätte ich das Manuskript gelesen, hieße dies, dass mich diese Frage interessieren würde. Ich habe das Manuskript nicht gelesen, es liegt in irgendeinem Stapel auf meinem Schreibtisch und ich werde nicht verraten, wie es dort hingelangte.

Wie [----- ------] gestern an den Berliner Hauptbahnhof gelangte, weiß ich hingegen gar nicht, was ich jedoch weiß ist, dass seine Bartstoppeln und auch seine Haare stellenweise Grau werden und dass seine weibliche Begleitung von recht geringem Körperwuchs war und wesentlich jünger aussah als er, aber das lag vielleicht auch an der goldumrandeten Pilotensonnenbrille, die sie trug, ich weiß es nicht. Was ich jedenfalls nicht sehen wollte, war die Art und Weise, in der sich die beiden küssten, dann, auf einer Rolltreppe, die nach unten fuhr.

Es war, nun, wie soll ich sagen, es war – obszön. Es war dieses minimale Zuviel, das die Grenze zwischen Lust und ihrer Darstellung markiert und überschreitet. Die Öffnung der Münder zu groß, die Sichtbarkeit der Zungen zu hoch, der träge Ennui der Körper dabei zu offensichtlich. Eine Demonstration, die nicht mehr ist als sie selbst; die sagt: “Ich bin der verzweifelte Glaube an den Hedonismus unserer Leben. Bin die Hand, die sich so sehr irgendwo festhalten möchte, es jedoch nicht kann. Ich bin Politik.”

Hätte ich das Manuskript gelesen, so wären meine Assoziationen vielleicht auf eine andere Art und Weise subjektiv, wären die Erscheinungen von anderer Gestalt. Doch das würde einen ungefähr so signifikanten Unterschied machen, wie wenn ich Alexander von Ribbentrop auf dieser Rolltreppe gesehen hätte anstatt [----- ------]. Einen viel geringeren nämlich als Sie nun vielleicht zunächst annehmen mögen.

[...] Nach unserer weiterreichenden Hypothese wäre also die Verdrängung niemals Verdrängung des Sexes zugunsten von irgend etwas anderem, sondern Verdrängung gerade durch den Sex: Einschränkung der Diskurse, der Körper, der Energien und der Institutionen durch den Sex und im Namen ›des Sexes, der spricht‹. Und der verdrängte Sex hat nur die Aufgabe, die Verdrängung durch den Sex zu verdecken. Was uns Foucault - eigentlich wider Willen - sagt, ist, daß nichts der Repression, sondern alles der Produktion dient, nichts auf Verdrängung, alles auf Befreiung hinarbeitet. Aber das ist ein und dasselbe. [...]

Jean Baudrillard - Oublier Foucault

COMMENTS

1 - posted by Jens Thiel | 2008.06.16 | 10:48

Biller-bashing? Nicht bisschen langweilig?

2 - posted by zak | 2008.06.17 | 18:08

Jetzt verwechseln Sie mal bitte nicht einen Vorgang/eine Funktion in einem quasi-literarischen Text mit einer real existierenden Person. Oder sind Sie etwa Bundesrichter? Und ja: Das ist langweilig.

3 - posted by Jens Thiel | 2008.06.18 | 12:10

Also: Es war nicht Biller? Oder: Biller gibt es gar nicht? War Quasi übrigens nicht ein übelriechendes Putzmittel aus der DDR?

4 - posted by zak | 2010.10.02 | 11:55

Ich glaube, da verhält es sich tatsächlich ähnlich wie mit [-------- --------]. Die gibt es eigentlich auch gar nicht.

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