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Befindlichkeiten


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2010.10.28 | 12:57 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Heimliche Drillinge II

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1 - posted by dust | 2010.10.28 | 22:26

“Wo sie idealisieren (lieben), können sie nicht begehren; und wo sie sinnlich begehren, sind sie unfähig zur Liebe und Bindung.”

Oui, oui. Mon Cher.

2 - posted by zak | 2010.10.29 | 10:38

Wobei ich aber auch hier wieder finde, dass dies keine Frage des Geschlechtes ist, sondern eine des Charakters – oder sagen wir lieber: der psychischen Verfasstheit. Konstitution?

3 - posted by dust | 2010.11.02 | 14:55

Am ehesten ist es wohl eine Frage der Haltung.

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2010.10.23 | 20:38 | Gonzo PERMALINK  |  TRACKBACK
Die dunklen Jahre

Es fällt mir sehr schwer, mich genau zu erinnern. Man sagte mir, ich hätte die beiden vergangenen Jahre in einem Kellerverlies unterhalb des Grill Royal verbracht, hineinkonstruiert zwischen Vorratsräumen und Heizkeller, mit eigenem Luft- und Abwassersystem. Es war komplett eingerichtet mit weißen Möbeln, die exakt so aussahen wie aus der beliebten Billy-Reihe eines großen schwedischen Möbelhauses, jedoch viel besser verarbeitet waren. Bei Hochwasser schwappte die Spree durch das oben gelegene Fenster hinein und durchnässte das Strohlager und meine Notizen. Man mischte mir täglich Drogen ins Essen, wohl eine Mischung aus Peyote und Amphetaminen, und ich muss unfassbar viel Text produziert haben, ausgehend von den Manuskripten, die in den Schränken des Vorraumes gefunden wurden. Ich weiß noch, dass einmal im Monat ein Herr in einem gutgeschnittenen Anzug, das war wahrscheinlich der Herr von Eden, mit Pomade im Haar, vorbei kam, die aktuelle Produktion begutachtete und Verwendbares mitnahm. Ab und an schauten auch seine Kollegen, die Frau Eggers und der Herr Landwehr, herein, und lockerten die zumeist recht eintönige Kost aus Fleisch-, Kartoffel- und Salatresten mittels mitgebrachter Präsentkörbe aus dem Hause Butter Lindner auf.

Einmal belauschte ich ein Gespräch, das Frau Eggers mit dem Geschäftsführer des Grill Royal, einem dicklichen Herrn im rosa Hemd, auf dem Flur führte. Ich verstand nicht viel, außer dass man sehr zufrieden mit dem Verlauf der Unternehmung sei und darüber nachdachte, das Konzept international auszubauen. Soweit ich es bisher rekonstruieren konnte, schrieb ich unter anderem wohl “die Geschichte eines Mädchens, das mit 13 seine Mutter an den Suff verloren hat, das nach Berlin geht, zu ihrem Vater, einem Theaterintendanten, das die Schule schwänzt”, welche teilweise wohl frappierende Ähnlichkeit mit den Texten eines Berliner Webloggers, dessen Name mir jetzt nicht mehr einfällt, haben soll; des weiteren “ein Generationenporträt und den Roman eines Lebensgefühls: die Geschichte der ersten echten Krise im Erwachsenenleben, erzählt als Roadstory”; einen Roman, der beweist, “dass man ein gutes Buch nicht vortäuschen kann. Man braucht dafür sprachliche Fähigkeiten und eine interessante Geschichte. [...] Dieses hier liest sich jedoch wie das eilig hingeworfene Drehbuch zu einer Fernseh-Vorabendserie”; einen Text über den deutschen Kriegseinsatz in Afghanistan, der laut Ingeborg Harms “dank seines Deadpan-Humors [...] eine Poesie der Wahrhaftigkeit entfaltet” und dessen “streng gefügte Prosa [...] das Erbe der Klassik neu durchdenkt”; sowie ein multifunktionales Werk, das zugleich “Reiseroman, Businessplan, Misserfolgsgeschichte und Hochstapelei ist. Bei aller Verspieltheit bleibt jedoch der ernste Kern, tatsächlich auf eine Ästhetisierung der Welt zu zielen.” Schade, dass mir nicht mehr das Geringste davon noch geläufig ist.

Irgendwann dann fand ich mich, nur bekleidet mit ledernen Schlappen und einem Pyjama aus dem Hause Brooks Brothers, in Freiheit wieder und muss sagen, dass mich doch von allen verpassten Ereignissen am meisten die Art und Weise sowie die Gründlichkeit bewegen, auf die und mit der sich der Suhrkamp-Verlag inzwischen selbst abgeschafft hat.

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1 - posted by froschfilm | 2010.10.26 | 13:49

Ha! Und Herr von Eden ist von mir!

2 - posted by zak | 2010.10.27 | 16:15

Das kann ja jeder sagen. Und tut es auch. Oder auch, mit Bernhard: “Meine Übertreibungskunst habe ich so weit geschult, dass ich mich ohne weiteres den grössten Übertreibungskünstler, der mir bekannt ist, nennen kann. Ich kenne keinen anderen.”

3 - posted by goncourt | 2010.10.28 | 00:12

Sehr schön, hier wieder zu lesen!

4 - posted by zak | 2010.10.28 | 01:26

Merci bien, Monsieur.

5 - posted by froschfilm | 2010.10.28 | 15:59

Ja, sehr schön. Das meinte ich doch. Und den Feed hab ich auch gefunden!

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2010.10.22 | 21:42 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
What dreams may come

Ein Querschläger aus dem Jahre 1892, der sich mit einem dunklen “Plop” in die Stirn senkt. Das eierschalenfarbene Porzellangeschirr in den dünnen Sperrholzschränken der dunkelblau lackierten Schwebebahn, die sich über die Sanddünen der versteppten Umlandschaften der deutschen Großstädte zieht, von München bis Hamburg, auf dem Geschirr Wappen und Reklame Bamberger Tanzlokale.

Aus angrenzenden Wohnungen das distinkte Murmeln der Fernsehgeräte, Sprachmelodie und Duktus sind erkennbar, man kann jedoch die Worte nicht verstehen. Manchmal stelle ich in einem der anderen Zimmer Musik an, Kinderchöre und Klavier, so dass die Töne wie von weit durch die Nacht kommen, und man weiß nicht woher.

Man kann wochenlang mit der Schwebebahn umherfahren, ohne aussteigen zu müssen. Postsendungen werden an den entsprechenden Stationen eingereicht, Nachrichten kommen über Draht.

2010.10.20 | 20:34 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten

Kürzlich begab es sich, dass das lyrische Ich dieses Textes und sein Berliner Gast zu einer Burg fuhren, die in den Hügeln über dem Nachbarort zwischen Weinbergen thront, gelblich und ein wenig heruntergekommen, aber immer noch sehr märchenhaft, und die eigentlich auch gar keine Burg ist, sondern ein Schloss. Die beiden fuhren dorthin, weil das lyrische Ich dieses Textes dunkel in Erinnerung hatte, dass es dort ein Restaurant gäbe, von dessen Terrasse aus man das ganze Tal überblicken konnte, und es wollte seinen Berliner Gast schließlich ein wenig beeindrucken, wozu ihm ein solches Schlossrestaurant, in dem man auch noch sehr gut speisen konnte, als ein geeignetes Mittel erschien. Der Schlosshof jedoch lag still und dunkel da, unter großen Bäumen, kein Restaurantschild war mehr zu sehen, und alle Fenster und Türen waren verschlossen.

Nur in einem Seitenflügel brannte Licht, und man hörte leise Geräusche durch die offenstehende obere Hälfte einer Holztüre, wie man sie aus Pferdeställen kennt. Dahinter verbarg sich jedoch kein Pferd, wie das lyrische Ich dieses Textes sah, nachdem es aus dem Wagen gestiegen war und sich zaghaft, in der Hoffnung, vielleicht ein paar Informationen ergattern zu können, der Türe näherte, sondern ein riesiger Raum mit Holzbalken und alten Möbeln und Teppichen, in dessen Mitte eine blonde Dame mittleren Alters, ganz in Schwarz gekleidet und mit edlem Schmuck behangen, auf einem Fauteuil lag und eine Fernsehsendung mit Gregor Gysi verfolgte. Das war dann wohl das Burgfräulein.

Das lyrische Ich dieses Textes klopfte zaghaft an den Türrahmen und fragte leise, ob es wohl einmal kurz stören dürfe, hier hatte es doch mal ein Restaurant gehabt, wo dies denn hin verschwunden sei. Das Burgfräulein erschreckte kurz, fasste sich jedoch schnell und kam rasch zur Türe, um dann in gewählten Worten und sehr freundlich Auskunft zu geben, welche im Eigentlichen nur darin bestand, dass es eben schon lange kein Restaurant mehr gäbe, hier. Da ihm das Burgfräulein qualifiziert genug erschien, in solcherart Dingen firm zu sein, wovon schon das kleine Bäuchlein kündete, das sich unter seinem Strenesse-Pullover abzeichnete, fragte das lyrische Ich dieses Textes es daraufhin forsch, ob es denn vielleicht von einer Restauration in der Nähe wüsste, in der einem gute rheinische Kost aufgetragen würde. Dies bejahte das Burgfräulein halbwegs freudig und schickte die beiden Reisenden drei Orte weiter, zurück, rheinaufwärts, hierhin.

Und siehe da, das Burgfräulein hatte mehr als recht. Gegenüber von Andernach, dem Geburtsort Charles Bukowskis, der sich am anderen Ufer unter eine abstruse Science-Fiction-Autobahntrasse kauerte, die man in übermenschlicher Anstrengung auf riesigen Betonpfeilern in den Berghang konstruiert hatte, kamen unsere beiden Reisenden endlich zur Ruhe und durften sich an riesigen Portionen rheinischer Hausmannskost laben, nicht ohne vorher von einer älteren Dame in der Ecke entrüstet auf die örtliche Trinketikette hingewiesen worden zu sein, nachdem das lyrische Ich dieses Textes es gewagt hatte, ein zuckerhaltiges Erfrischungsgetränk zu seinem Winzersteak bestellen zu wollen. Kaum war dies ausgesprochen, kam von einem Tisch im hinteren Bereich des Gastraumes ein Schrei: “Was?! Cola?! Hier, im Rheinland?! Zum Winzersteak?!” Die Dame hatte natürlich völlig recht, das lyrische Ich dieses Textes neigte reumütig sein Haupt und bestellte schnell eine Weißweinschorle, denn zur Not gab es ja schließlich auch Taxis. Doch davon ein anderes Mal.

2010.10.18 | 16:09 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
Kelche sind wie Körper

Nur mal so am Rande: Wussten Sie eigentlich, dass das Hotel Raphael, in dem Wes Anderson im Jahre 2007 wiederum sein “Hotel Chevalier” drehte, eben exakt jene Herberge ist, auf dessen Dach Ernst Jünger am 27. Mai 1944 dem Bombardement von Paris durch die englische Luftwaffe beiwohnte, ein Glas mit Hilfe von Waldfrüchten verfeinerten Rotweines in der Hand?

"Alarme, Überfliegungen. Vom hohen Dache des Raphael sah ich zwei Mal in der Richtung von St. Germain gewaltige Sprengwolken aufsteigen, während Geschwader in großer Höhe davonflogen. Es handelt sich um Angriffe auf die Flußbrücken. Die Art und Aufeinanderfolge der gegen den Nachschub gerichteten Maßnahmen deutet auf einen feinen Kopf. Beim zweiten Male, bei Sonnenuntergang, hielt ich ein Glas Burgunder, in dem Erdbeeren schwammen, in der Hand. Die Stadt mit ihren roten Türmen und Kuppeln lag in gewaltiger Schönheit, gleich einem Blütenkelche, der zu tödlicher Befruchtung überflogen wird."

Ernst Jünger - Strahlungen

2010.10.16 | 17:16 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Weites Land

Jeder neue Tag ein voll- und eigenständiges Universum. Grenzenlos und unverhofft. Die Relativität der Verhältnisse und aller Dinge zueinander, ganz besonders jetzt gerade, in diesem Moment, die unfassbare Seltsamkeit der Zahlen. Die Gesamtsumme der Zellen meines Körpers. Die Gesamtsumme der sichtbaren Fixsterne. Nur eine von beiden ist endlich. Weitere Tage, ebenfalls zählbar und doch zu einem ununterscheidbaren Ganzen verschmelzend, einer Melange aus Sonne und Eindrücken, Küssen und Momenten. Dort unten, am Hafen, zwischen den Booten, bewegt sich etwas, das sich von hier oben nicht genau benennen lässt. Es könnte ein ältlicher Fischer sein, mit grauen Bartstoppeln und Klischeezigarette im Mundwinkel, es könnte aber auch das Abbild der größten Hoffnungen sein, die sich alle Menschen je gemacht haben, das personifizierte Glück also, oder zumindest die Unsterblichkeit. Wahrscheinlich aber doch bloß ein Fischer, und das Netz, das er gerade zusammenlegt, dient nur dem Fangen von Fischen, weniger dem von schicksalhaften Begebenheiten oder den Resten falsch abgebogener Seelen. Quel dommage.

2010.10.15 | 20:55 | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Work in Progress [I can guide a missile by satellite]

Was eben dort üblicherweise so herumsteht, was man so braucht: Eine Fahne mit Parolen, eine Videokamera, ein stumpfes Messer, eine Kanne Tee.

Natürlich hat sich auch hier nun eine eigene Mythologie entwickelt, ein Heldentum. Eine Sage vom Widerstand, vom Geist der Résistance gegen die Besatzer. Bagdad ist gar nicht so weit weg von Paris, Teheran noch viel weniger.

Und doch ist es ebenso beliebig, wie die Welt es ist.

Wer wischt eigentlich immer das ganze Blut weg? Wer putzt in den Armeelagern? Wie lächerlich man aussieht, mit diesem Helm auf dem Kopf und der Uniform. Der Blick in den Spiegel. Der Gang unter die Dusche in kompletter Montur.

Menschen, diese etwas besser organisierten Affen.

Dieser Krieg, diese Wirklichkeit, ist ein surreales Konstrukt, eine Welt und Umgebung, in der die eigenen Codes nur begrenzt gültig sind, ähnlich den Umständen, in denen sich Colón plötzlich wieder fand, als er das Eigene, Europäische wie selbstverständlich auf das Andere, Südamerikanische anwenden wollte, ohne auch nur auf die Idee der differenten Kultur und des differenten Weltbildes zu kommen, kommen zu können – zu zentrisch, zu katholisch war alles, was er Denken hieß.

Hier draußen jedoch funktionieren nur die Basics, die Physik also, die Biologie und somit der Tod.

Ich wische das Blut von der Uranmunition und trinke danach eine Caprisonne. Wenn man einen Platten bei Haditha hat, sollte man kurz vorher nicht den Kreuzschlüssel nach einem Einheimischen geworfen haben. Karma. Willkür. 500.000 Pfund, tot oder lebendig.

Das Tagesgeschäft abstrahiert sich von der Politik und hat eine Eigendynamik des Hinnehmens des Vorhandenen, Gegebenen entwickelt, wie es immer ist bei längeren Konflikten. Die Absurdität hat sich verlagert, ist weniger vage geworden, viel alltäglicher. Das hat natürlich auch etwas mit dem Blick zu tun, mit der Perspektive – as usual, siehe Colón.

I can guide a missile by satellite.

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1 - posted by Natur und Kultur | Paragraphien | 2012.11.25 | 16:37

[...] Siehe auch: Die Angst vor den Barbaren / Das Problem des Anderen / Befindlichkeiten [...]

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2010.10.13 | 11:15 | Korrespondenz PERMALINK  |  TRACKBACK
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Das lyrische Ich dieses Textes hier sagte kürzlich zu einem durchreisenden Besucher, dass es in Sachen “Umgang mit den Dingen und überhaupt” nun eben einfach ganz pragmatisch mit Rainald Goetz gehen würde und auch zu gehen habe, man wisse schon, “Cry, don’t work” und so. Weder das lyrische Ich noch der durchreisende Besucher stutzen daraufhin ob einer gewissen Unstimmigkeit, die dem Ausgesprochenen innewohnte, was wohl daran lag, dass in diesem Falle Sigmund Freud zur Abwechslung dann wohl doch einmal recht behielt, weswegen natürlich und naturgemäß weder eine Inversion des Gesagten noch ergo Richtigstellung des Zitates notwendig waren.

[...] There is more truth in the mask we wear, in the game we play, in the 'fiction' we obey and follow, than in what is concealed beneath the mask. [...]

Slavoj Zizek

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