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Befindlichkeiten


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2008.01.04 | 14:44 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
The Hills

Wir betraten den großen dunklen Raum, vor dessen Glasfassade sich zunächst die ebenso große, auf stählernen Stehlen, die sich in das Granit des Hanges bohrten, ruhende Terrasse auftat und dahinter dann das Tal sich weit in die Nacht ergoss, Licht, Straßen und Gebäude bis hin zum richtigen Meer, Peripherie und Äther, der Traum all der ungezogenen Phänomenologisten.

Das schwere Holz unter unseren Füßen verteilte sich auch innerhalb des Konstruktes auf mehrere Ebenen und nahm glatt gemasert die Lichter, die sich in den Scheiben spiegelten, in seine stille Wärme auf, bis dann Frenzys matt lackierte Fingernägel einen Schalter betätigten und nicht sichtbare Leuchtmittel bestimmte Bereiche der Raumkonstellation in halbgarem Licht versenkten.

Die sanfte Helligkeit des dunkelbeigen Sofarondells schälte sich aus dem umgebenden Material heraus und ließ es wie ein feistes submarines Gewächs in der warmen und festen Gesetztheit der nachdunkelnden Formen, die es umgaben, ruhen, eingefasst und fixiert, als ob es mehr sein wollte als nur Idee und Planbarkeit, Überlegung und Auswahl. Am Ende jedoch scheint all dies keine Bedeutung zu haben.

An der linken Wand, die sich bis ganz hin zu den ersten Stufen zog, berührte eine Frauenhand keinen Männerkopf, der vor ihr in der Luft schwebte, die beiden roten Stoffbänder, die aus seinem Hals hingen, näherten sich fast zur Gänze dem Boden des Bildes. Malgrund. Dazu kopulierende Käfer, stellare Unendlichkeit, Äther, again. Die Hand der nackten Dame jedoch ließ andere Schlüsse zu als diesen. Die hölzerne Kiste, roh von Laken verdeckt, war keine solche.

Weiter hinten dann der Abgrund, aber was soll das schon heißen?

2007.12.07 | 11:25 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Harmonie ist eine Strategie

Briefe an Tote zu schreiben ist doch schon sehr überholt. Mal ganz unabhängig vom Diskurs der Abwesenheit. Definieren Sie bitte den Unterschied zwischen Tod und Abwesenheit, aus der Perspektive der dritten Person, nicht aus der des direkt von Biologismen betroffenen Subjektes.

Die Abwesenheit (die immer eine für die ist, die noch da sind, müssen wir das erwähnen – ist sie das?) wird durch andere Anwesenheiten ersetzt; durch die Konstruktion Gottes und des Glaubens, durch Sakralbauten, Moscheen und Pyramiden.

Wer auf nachträglich anrechenbares Heil hofft, der sollte die Kasse wechseln.

[Angstmaschinenpark]

COMMENTS

1 - posted by Jens Thiel | 2007.12.09 | 02:30

Wir waren vorhin im gar nicht so schlechten Sushi an der Predigerkirche. Jan und Dirk von den Ärzten saßen am Nebentisch. Die Unterscheidung zwischen Abwesenheit, Tod und Bild war nicht einfach. Am besten vielleicht, man hält sich gar nicht daran, schaut was man wichtig findet und baut doch Pyramiden. Gesprochen haben wir nicht. Gott musste auch nicht anwesend sein.

2 - posted by cato | 2007.12.10 | 16:20

Die Differenz zwischen Abwesenheit und Tod wird dem Zurückbleibenden in dem Moment sehr deutlich, wenn letzteres überraschend eintritt und er dieses “Nie mehr” nie mehr aus seinem Kopf bekommt. Vielleicht liegt es an der “Entfernung” – wenn der andere nicht im Kaff nebenan, sondern hunderte Kilometer entfernt ist, und mit ihm alle Möglichkeiten des realen Inkontakttretens, dann fühlt sich seine Abwesenheit ‘abwesender’ an.

PS: page 1 of 111 | entries 1 to 1 of 555: Versteckte Zahlenmystik oder gar Streben nach strategischer Harmonie?

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2007.11.20 | 12:51 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
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Hast du schon mal einen Sarg getragen? Das kalte Metall der Griffe, das Gewicht des Körpers, das ganz klar von dem des Holzes zu unterscheiden ist, das Wissen um Verwesung und um Erde, der Regen in den Bäumen, die Tropfen auf der Lasur, die Ornamentik und die Kälte, das Unverständnis und die Realität.

Wir teilen die Last mit unseren Händen. Wir geben zurück, was uns nicht gehört.

2007.11.15 | 04:06 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Babel

Diese schlaue, sympathische Zurückgenommenheit, die die Erkenntnis mit sich bringt. An manchen dieser wenigen großen Tage, an denen Trauer, Weisheit und Glück sich an den ausgefransten Rockzipfeln fassen, am Fuß der biographischen Zentralmassive, da darf man glauben, auch selbst einmal teilhaben zu dürfen, obwohl dieses Gefühl zunächst einmal nichts anderes ist als Verwunderung – nämlich darüber, dass man gar nicht wusste, bisher ausgeschlossen gewesen zu sein. Der Blick über die Mauer funktioniert in diesem Spiel nur von Innen heraus. Draußen sind die Stühle zu niedrig, und Turmbauten verboten. Wir fassen uns milde an den Händen, hier, im Garten, und in deinen Nacken schreibe ich ein, mit winzig kleinen Lettern, dass es von nun an erlaubt sei, zu lächeln. Weit draußen zieht ein Wetter heran und du sagst ganz leise, während man den Wind nicht spürt: „Wir sind da.“

2007.10.14 | 21:36 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Via Vienna

[...] Die Abwesenheit dauert an, ich muß sie ertragen. (...) Die Abwesenheit wird zur aktiven Praxis, zur GESCHÄFTIGKEIT (die mich hindert, irgend etwas anderes zu tun); es kommt zur Ausarbeitung einer Fiktion mit vielfältigen Rollen (Zweifeln, Vorwürfen, Anwandlungen von Begierde und Melancholie). Diese sprachliche Inszenierung hält den Tod des Anderen fern. [...]

Roland Barthes - Fragmente einer Sprache der Liebe

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1 - posted by lliered | 2007.10.19 | 10:31

ja, morvern callar ist ein film, der mir lieb ist. den soundtrack hab ich mir damals ganz mühsam zusammengesucht. bin froh, dass man inzwischen alles auf youtube ausgraben kann. ich bin deshalb wieder drauf gekommen, weil samantha morton auch in corbijns “control” mitspielt.

2 - posted by zak | 2007.10.19 | 11:09

Den Film selbst habe ich noch gar nicht gesehen. Mich hat nur die Stimmung, die ich in diese Szene hineinlas an vieles erinnert, das ich bislang erst selten in der Kombination von bewegten Bildern und Musik finden konnte. Bäh, welch Akademikersprech. Anders gesagt: I am moved and touched, still. Danke dafür. Außerdem spielt Wien in diesem Kontext noch mal eine ganz eigene Rolle. Aber das ist eine andere Geschichte.

3 - posted by lliered | 2007.10.21 | 14:58

nicht doch, j’adore le akademikersprech qui hier vorherrscht.

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2007.10.12 | 12:48 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
Der Positivismus beschädigter Blutgefäße

Der Blick aus dem Zugfenster zeigt eine junge blonde Frau auf einem Fahrrad, in der rechten Hand am Lenker eine Papiertüte vom Bäcker; sie war also Brötchen holen. Es ist früher Samstagmorgen und zwischen dem Grün steht dichter Nebel. Die Sonne wird erst kurz darauf zum ersten Mal hervorbrechen.

Hieße man Jules, Truffaut oder Hölderlin, so müsste von einer hellenischen Statue oder einer Göttin gesprochen werden; wäre man Kelvin, so von Reyha; Hoffmann, Olimpia, Spalanzani; das Gemälde, das Poe im Schlafzimmer dieses italienischen Schlosses halluzinierte. Bella Donna.

Wieder gesehen wird diese junge Frau jedoch höchstwahrscheinlich niemals mehr, und selbst wenn, nicht als selbige (wieder-) erkannt werden. Eine tragische Figur also, nicht sie, sondern [ich], sowohl im literarischen als auch soziologischen Sinne, nämlich in dem Maße, in dem die Augen sehen und die Neuronen arbeiten und Blut gepumpt wird. Sie, die nichts von den Blicken weiß, wird bald zurück in ein warmes Federbett schlüpfen, einig warme Haut an warme Haut verbringen, sich dem beobachtenden Blick längst entzogen habend, der beschreibend die eigenen Welt auf das anwendet, was ihn umgibt.

[Ich] hingegen fahre weiter mit diesem seltsamen Zug, Tag und Nacht, bis Christian Anders endlich frischen Kaffee bringt oder das gesamte Schienennetz von einem gewaltigen Brocken Metaphorit zerschlagen wird.

2007.09.20 | 16:13 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
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Everyone wants to be found.

[Implikationen]

EDIT: Ich weiß jetzt, was er ihr ins Ohr flüstert, am Ende.

COMMENTS

1 - posted by maike | 2007.09.20 | 21:12

Ebendieses?

2 - posted by zak | 2007.09.21 | 16:38

Nein, das möchte ich hier nicht verraten. Dir aber schon, dann.

3 - posted by maike | 2007.09.21 | 19:39

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2007.08.12 | 11:00 | Ich >< Welt PERMALINK  |  TRACKBACK
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Einsame, Überforderte; emotionale Sisyphosfiguren.

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