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2006.07.17 | 21:31 | Archiv PERMALINK  |  TRACKBACK
Lillebror ex Machina

In der Soi 33 der Sukhumvit Road in Bangkok befindet sich genau auf der Ecke, an der der Weg im rechten Winkel abbiegt, und sich parallel zur Hauptstraße fortsetzt, eine aus weiß getünchten Steinen errichtete Toreinfahrt. Passiert man diese, führt einen der leicht abschüssige Kiesweg, vorbei an makellosem Rasen und tannenähnlichen Bäumen, zum ebenfalls weiß getünchten Gebäude der schwedischen Kirche Bangkok. Camilla und Magnus wollen ihre dort deponierten Tickets abholen, und ich begleite sie, wohl aus Neugierde. In der Eingangshalle empfängt uns eine füllige Dame in weißer Kittelschürze und mit gesund-rosigem Teint, der wunderbar zu den Gebäckdüften passt, die herrenlos das Gebäude durchströmen. Es ist Dezember, und rechts, bei der Sitzecke, steht ein bunt, sehr bunt geschmückter Baum, an dem unter anderem rot-weiß gestreifte Lutscher in Spazierstockform hängen. In besagter Sitzecke, auf Möbeln, die verdächtig nach Ikea aussehen, sitzt eine ebenfalls bunte Gesellschaft aus älteren Herrschaften, die Damen in legerer Leinenkleidung, die Herren mit Anzughose und durchschwitztem Hemd. Auch hier rosige Backen in wohlgenährten Gesichtern. Während Camilla und Magnus in einer Wolke aus schwedischen Worten verschwinden, sehe ich mich ein wenig um und bleibe bewundernd vor dem Bücherregal neben der zweiten Sitzecke, auf deren Tisch sich Kinderzeichnungen und Bastelarbeiten stapeln, stehen. Neben der Bibel in allen Sprachen und diversen Formen religiöser Sekundärliteratur stehen dort vor allem schwedische Originalausgaben von Astrid Lindgren, und ich frage mich, ob wir uns in der Adresse geirrt haben, und aus Versehen im schwedischen Äquivalent zum Goethe-Institut gelandet sind. Dann muss ich zur Toilette, und auf dem Weg dorthin komme ich an einem weiteren Regal vorbei, dieses gefüllt mit schwedischen Lebensmitteln, wovon lakritzhaltige Süßwaren ein großzügiges Drittel des vorhandenen Platzes einnehmen. Auf der Toilette dann Miniposter von Fjordlandschaften, ein dunkelgrüner, gehäkelter Toilettendeckelüberzug und flüssige Veilchenseife. Später sitzen wir auf der Veranda, es hat geregnet, und die Bäume tropfen noch. Es gibt frischen Kaffee, natürlich importiert, und eine mit Safran gefärbte Gebäckspezialität, natürlich selbstgemacht. Die Gesellschaft aus der Sitzecke, und somit auch die schwedische Wortwolke, ist ebenfalls nach draußen gezogen, und das leichte Gefühl der Verwirrung, das mich heimlich beschleichen will, manifestiert sich endgültig, als mich das thailändische Hausmädchen auf Schwedisch anspricht. Später, im Taxi, erzählt Camilla, dass alle Herren, die ich dort kennen lernen durfte, bei Volvo arbeiten, bis auf einen. Und das war der Pfarrer. Dann wache ich auf.

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