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Befindlichkeiten


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2007.03.16 | 16:42 | Notizbuch PERMALINK  |  TRACKBACK
Anders, neu

Ganz faszinierte Begeisterung (für was auch immer), aber kein Verständnis mehr, kein Wille zur Erklärung, der sich als Aussage ohnehin schon in der Performanz wieder negiert. Bereits (als) Gedanke, bereits (als) Konstrukt.

Oder anders: In der obersten Etage der Bibliothek, ganz außen, direkt an der reingewaschenen Glasfront, muss man eine Sonnenbrille tragen, um lesen zu können. Fern, über den Dächern, im diesigen Großstadthimmel, treibt sich ein Wetterballon umher, zwischen Schornsteinen, Antennen und Kirchtürmen.

Über allen Gipfeln ist Ruh’, in allen Wipfeln spürest Du –

Durch die Halle hindurch, hinter Stahlfäden und nackten Säulen, weit weg, doch sichtbar, am anderen Ende des Geländes, die verlassene Dachetage des Mitarbeitergebäudes, in deren aufgelassenem Vorraum der Wind geht und von wo aus mich der oberste Absatz der stählernen Wendeltreppe noch immer wortlos anblickt.

Panorama/Alpen/Alp

Figurativ: Das Glasdach, die Abwesenheit von Schnee, die Giebel der Dächer statt der von Bergketten. Nordwände dann ganz prosaisch, nämlich eben solche – weil links von ihnen gerade die Sonne versinkt.

Hören Sie, ich habe immer den Traum gehabt, die Dinge nur so zu sehen, wie ich sie sehen möchte – aber je älter ich werde, desto weniger will sie mir glücken, diese selige Ignoranz.

Der Name (welcher auch immer) ist natürlich immer nur Verweis und die unabsehbare Signifikantenkette wird nirgends reißen, schon gar nicht an ihrem schwächsten Glied – welches sich ohnehin, wie alles andere auch, einer jeglichen Definition entzieht.

Hören Sie also zu, wenn Sie können, und seien Sie versichert – all diese Gebäude waren niemals bewohnt.

Im frühen Dunst des Abends wirkt alles nah und unentfernt. Greifen Sie ruhig zu, aber seien Sie vorsichtig, es könnte ein wenig Äther an Ihren zarten Handflächen verbleiben. Und glauben Sie mir, das wollen Sie nicht. Der schlimmste Gast ist immer die Unendlichkeit. Und das Wissen davon, dass es das Eigentliche nicht gibt.

Über den gedachten Hügeln noch immer die Sonne, vor dem Glas die weißen Kieselsteine, die aussehen, als würden sie nach Wärme riechen. Wenn man die Augen schließt, leuchten sie vielleicht. Jedoch: Kein Gurren von Tauben. Nur das Klicken der Tastaturen, eine summende Lüftung, unsere Schatten an der Wand.

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