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Befindlichkeiten


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2004.07.07 | 22:36 | Mela PERMALINK  |  TRACKBACK
Spiegelungen

Von den Dachtraufen hängen Sperber, kopfüber, aus den Schnäbeln tropft Geronnenes. Dieser Ort widersetzt sich jeder Beschreibung. Die verzweifelten Versuche, sich den süßlichen Geruch des eigenen Todes von den Kleidern zu klopfen, lässt zwar trockenes Mitleid aus Poren quellen, doch es überwiegt die traurige Abscheu vor der Sinnlosigkeit aller Unterfangen. Wir wissen es nicht besser, wir können nicht anders, die Voraussetzungen sind denkbar schlecht. Ein jeder kriecht dem Teppich nach, der unter seinen Füßen weggezogen wurde. Die dominierende Farbe, außen und innen, ist grau, die Formen der Ersatzhandlungen sind vielfältig. Unverständnis mündet in Sprachlosigkeit, die schon kurz vor dem Ende der Floskeln beginnt.

[...] Skeptiker wie Nietzsche haben nachdrücklich erklärt, dass Metaphysik und Theologie durchsichtige Versuche sind, den Altruismus vernünftiger erscheinen zu lassen, als er ist. Aber es ist typisch für solche Skeptiker, dass sie ihre eigenen Theorien über die Natur der Menschen haben. Auch sie behaupten, es gebe etwas allen Menschen Gemeinsames - etwa den Willen zur Macht oder libidinöse Kräfte. Der springende Punkt ist für sie, dass es auf dem "tiefsten Grund" des Selbst keinen Sinn für Solidarität gibt, dass dieser Sinn "bloß" ein Artefakt der Sozialisation der Menschen ist. Also werden solche Skeptiker antisozial. Allein schon die Vorstellung von einer Gemeinschaft, die größer wäre als ein kleinster Kreis Eingeweihter, bringt diese Skeptiker dazu, ihr den Rücken zu kehren. [...]

Richard Rorty - Kontingenz, Ironie und Solidarität

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