Bleu außer Atem
- Juni 20th Juni 2012
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Das Feuerwerk begann wie geplant mit einer schnellen Folge von fünfundzwanzig Kanonenschlägen. Bleu hatte sie gekauft, weil sie das schöne Rot von Dynamitstangen hatten und gut hinter die Fensterläden passten. Die Männer eröffneten sofort das Feuer. Der trockene Putz, die Holzsplitter und Scherben flogen ihnen nur so um die Ohren. Entlang der Gartenmauer flammten die bengalischen Feuer auf, ein Töpfchen nach dem anderen, alle zwei Sekunden. Schnell war das Gelände so hell erleuchtet, dass Bleu jeden Mann und die Abzeichen erkennen konnte: ein weißer Fallschirm auf blauem Grund, überschrieben mit vier weißen Großbuchstaben. Während Bleu das befriedigt registrierte, verstummten die Böller. Auch die Angreifer stellten das Knattern ein und während die Bengalos weiterbrannten, wurde es still. Stiller als zuvor, dachte Bleu, aber das war Unsinn.
Er sah, wie der Truppführer den behelmten Kopf wendete und seine Männer zählte, um etwaige Verluste auszumachen. Das war schwer, denn die Jungs hatten sich fast alle irgendwo auf den Boden geworfen oder kauerten hinter Mäuerchen und Büschen, um kein Ziel abzugeben. Also gab ihr Chef das Stoppzeichen mit der flachen Hand und wartete, bis die Lichter um sie herum nur noch müde flackerten. Dann formte er eine Faust und schwang sie von hinten nach vorne. In Bleus Hirn stellten sich undeutliche Verbindungen zu möglichen militärischen Taktiken her. Der Einsatzleiter, für einen Franzosen ein ziemlich großer Bursche mit kräftigen Beinen, war kein Idiot. Nachdem er seine Leute erfolgreich neu formiert hatte, gab er den Befehl zum kontrollierten Rückzug.
Bedächtig strich sich Bleu über den Bart und tastete unbewusst nach den Zigaretten in seiner Hemdtasche; er beobachtete jede Bewegung der Männer, als wäre er selbst einer von ihnen. Erstaunlich, wie geschickt sie im Rückwärtsgang allen Hindernissen auswichen und wie diszipliniert sie ihre Grundpositionen wieder einnahmen. Er kam sich vor wie bei einem Ballettbesuch, einer der seltenen Momente in Bleus Leben, in denen er ganz und gar mit sich zufrieden war. Erst als sich nichts mehr rührte und eine gespannte Ruhe über Haus und Garten lag, griff er mit einer Hand in seinen Rucksack und tastete nach dem Prepaid-Handy.
