Bleu außer Atem
- Juli 14th Juli 2012
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„Das sollten Sie nicht so lassen.“
Bleu fuhr hoch und musste die Augen beschatten, denn die Sonne war gerade über die Hügel hinter dem See gekrochen und schien ihm direkt in sein braungebranntes Gesicht.
„Was?“, fragte er verständnislos.
Im selben Moment ärgerte er sich. Er war kurz eingenickt und hatte auf Deutsch geantwortet. Vor ihm stand ein sehr junges Mädchen mit blonden, zu einem Pagenkopf geschnittenen Haaren. Sie hatte schmale Hüften und lange, fast magere Beine. Bis kurz über die Knie trug sie eine abgeschnittene und künstlich ausgefranzte Jeans und darüber eine vogelbunte Windjacke von Bench. Das ließ sie noch jünger aussehen, als sie wahrscheinlich war.
„Ihre Arme.“
„Ach ja.“, sagte Bleu und fuhr sich mit der rechten Hand über den Unterarm, als wäre es das erste Mal, dass er die inzwischen verschorften und geröteten Kratzer sah.
„Zeigen Sie mal her.“, sagte das Mädchen und ging vor ihm in die Knie.
Bleu registrierte, dass er unwillkürlich gehorchte und sich in den Sitz aufrichtete. Das Mädchen betastete die Wunden vorsichtig mit allen zehn Fingern.
„Das muss dringend gewaschen und desinfiziert werden.“, sagte sie bestimmt.
Bleu lächelte.
„Für eine Ärztin sind Sie ein wenig zu jung.“
Sie blitzte ihn mit ihren blauen Augen an. Ihr Gesicht war noch unfertig und glatt, aber ihre Augen waren wunderschön mandelförmig geschnitten. Bleu hatte genug Erfahrung mit Frauen, um zu sehen, dass sie eben noch geweint hatte. Das Mädchen richtete sich wieder auf und kramte in ihrem Bauchbeutel.
„Halten Sie das.“, befahl sie. Sie ging ein paar Schritte zum Wasser und tränkte darin ein paar Tempos.
„Sie tragen Desinfektionsmittel in Ihrem Urlaub mit sich herum?“
„Ich bin Krankenschwester.“
Sie ging wieder vor ihm in die Hocke und rieb seine Arme gewissenhaft ab.
„Jetzt wird es gleich richtig wehtun.“, sagte sie.
„Auhhhh!“
Bleu tat so, als könne er den Schmerz kaum ertragen.
„Haben Sie sich nicht so. Ist schon vorbei.“, antwortete das Mädchen und warf die blutigen Papierhandtücher hinter einen großen Stein.
“Ich bin Maren.”, sagte sie.
