Geldgott nochmal

Absurderweise verdiene ich nun, nach über 20 Jahren mehr oder weniger brotlosem Geschreibe, tatsächlich regelmäßig und ordentlich Geld  mit meinen Werken.  Zu verdanken habe ich das keinem Verlag, keinem Lektor oder Förderer, keinem befreundeten Autor – sondern einem weltweit operierenden, höchst kapitalistisch agierenden Monsterkonzern namens Amazon. Innerhalb von wenigen Monaten habe ich meine Umsätze verhundertfacht, wahrscheinlich auf Kosten etablierter Verlage und seriöser Autoren.  Wenn das so weitergeht, werde ich in wenigen Jahren auf diesem Wege genauso viel verdienen, wie bisher ein erfolgreicher, mittelprächtiger Autor für seine Bücher in Deutschland bekommen hat. Und das sind bekanntermaßen nur wenige Glückliche, die sich mit Brosamen und etwas Ruhm zufrieden geben. Ich bekomme die Kohle nur nicht in einem Batzen, sondern scheinbar auf Jahrzehnte verteilt, in kleinen Raten. Wie eine Schreibrente, ausbezahlt über ein krasses Monsterkonto.

Diese Art Geld mit Literatur zu verdienen, hat etwas Schmuddelhaftes, Trashiges – es ist anonym und schnell,  es ist nicht money for nothing and the chicks for free, es ist nicht glamourös. Nein, nein. Es ist einfach, dreckig, frei und direkt. Die Mechanismen der Monetarisierung bleiben dabei fast vollkommen im Ungewissen, sie basieren auf Amazons geheimen Algorythmen und Strategien. Ich weiß nicht, warum ich immer mehr Bücher verkaufe, ich weiß auch nicht, warum sich der Geldstrom konstant vergrößert, ich weiß nicht, wer meine Leser sind, ich weiß nicht, was ich richtig oder falsch mache. Ich weiß nur, dass es mich motiviert zu wissen. Dabei soll ich gar nicht wissen, ich soll glauben! Großer Geldgott Bezos, du meine Foundation für Rechtschreibung und Verfassung, lass mich dir ein Opfer bringen. Einen Leiharbeiter. Oder besser gleich Zwei. Oder Drei!