die frage wer aufhört

Ich begegnete ihr in einer Juninacht in Klagenfurt, Österreich, und sie erkannte mich nicht (sie konnte es nicht, sie hatte mich noch nie zuvor gesehen).

Das hielt ich irritierender Weise für falsch. Das und den jungen, lockigen Mann in ihrem Arm. Beide gingen an mir vorbei, blickten mich überhaupt nicht an. Sie unterhielten sich angeregt, so wie es Verliebte manchmal tun, ich war nur ein Fremder, angetrunken und braungebrannt (der alberne blaue Strickhut auf meinem Kopf).

Bis heute weiß ich nicht, warum ich ihnen folgte (ein Zwang). Wir liefen zurück, die Wiener Gasse hinauf zum Alten Platz, wo sie kurz stehenblieben und sich eine Bühne aus Stahlträgern anschauten, die dort am Tag zuvor halb aufgebaut worden war (ihr Lachen, das dem anderen galt).

Ich wartete ein Stück weit entfernt, verstand nicht, worüber sie sprachen (wunderte ich mich über mich selbst?). Dann gingen sie weiter, jetzt schneller. In der Kramergasse, kurz vor dem Neuen Platz, machte ich endlich ein paar schnelle Schritte und sprach sie an.

Entschuldigung, sagte ich, du liest doch auch morgen.

Beide fuhren herum. Er rechts, sie links. Sie strahlte mich an. Er schaute erstaunt. Auf mich, auf sie.

Ja, antwortete sie.

Ich bin ein Freund von S., sagte ich, wisst ihr, ob er noch auf dem Empfang ist?

Woher kennst du denn S., fragte sie.

Die Betonung lag auf dem U.

Sie lachte (zum ersten Mal für mich). Wir wechselten ein paar Worte, sie beschrieben den Weg zum ORF. Bis bald, sagte ich zum Abschied. Bis bald, sagten sie, wie ein Zwillingspaar. Ich sah mich nicht mehr nach ihnen um (der Zwang verwandelte sich in Euphorie).

Später das Wissen, dass sie in dieser Nacht im City Hotel am Domplatz zum ersten Mal miteinander geschlafen hatten.

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