Bleu schaute zurück; er sah die Männer der französischen Spezialeinheit aus dem Schatten  ins Mondlicht laufen und eilig die Steinmauer entlang rennen. Bleu blieb stehen. Das sah gut aus, was die Jungs dort unten machten, soviel stand fest. Bleu sah auf seine Stahlrolex und zögerte. Sollte er es darauf ankommen lassen und sich die Sache anschauen? Das Glück herausfordern und so weiter? Oder sollte er sich so schnell wie möglich wie geplant im  Macci verdrücken und versuchen sich morgen früh per Anhalter nach Aix en Provence durchzuschlagen?

Bleu ging in die Hocke.  Er spähte über den Felsvorsprung und erkannte, dass sich ein zweiter Trupp dem Haus von oben näherte. Jetzt hatten alle ihre Ausgangsstellungen erreicht und Bleu fragte sich, warum man keine Scharfschützen auf seiner Position platziert hatte. Von hier aus hatte man dreihundert Meter freies Schussfeld und eine ausgezeichnete Sicht. Sie nehmen dich nicht mehr ernst, dachte Bleu wieder, doch diesmal drückte sein gemartertes Hirn den alten Minderwertigkeitskomplex einfach weg. Falscher Stolz, flüsterte er, als könne ihn das bewahren, wie ein dummes Gebet.

Manchmal nach einer schweren Nacht, wenn es Bleu schlecht ging und er alleine war, redete er sich ein, dass jetzt alles egal war. Aber dann stand er doch wieder auf und kochte sich einen starken Kaffee und rauchte eine Zigarette. Und es war eine Schande, dass er genau das jetzt nicht mehr auf der schönen Terrasse seines Hauses tun konnte, mit Blick auf den Stausee. Denn sie war von einem Dutzend durchtrainierter Burschen umstellt. Alles junge Kerle um die Zwanzig, die nur darauf brannten einem wie ihm eine Kugel in den Kopf zu jagen. Aber zu früh gefreut. Bleu lächelte. Sein rechtes Knie schmerzte und er musste sich Hinsetzen. Er blickte kurz nach oben in den mit blitzenden Sternen übersäten Nachthimmel, wo sich eine kleine Wolke vor den Mond schob. Das war das Zeichen zum Losschlagen. Die Trupps rückten, wie von Zauberhand geleitet, gleichzeitig vor. Sie teilten sich in Zweiergruppen, gaben sich gegenseitig Deckung.

Bleu hatte sich nicht die Mühe gemacht, überall Drähte zu spannen, denn er kannte die Laufwege. Einer im Garten an der kleinen Mauer im Kräutergarten und einer zwischen der verfallenen Garage und dem kleinen Hinterhof, wo Minou zur Mittagszeit immer so gerne neben den großen Blumentöpfen auf dem kühlen Steinboden gelegen und ihre grauen Tatzen geleckt hatte. Bleu fiel ein, dass die Katze heute Abend gar nicht zum Fressen nach Hause gekommen war. Gut so, dachte er, denn er wünschte ihr so eine unangenehme Sache nicht an den Hals. Morgen früh würde sie wie so oft mit einer Maus im Maul vor der Tür stehen und stolz seltsam gurgelnde Geräusche von sich geben. Doch dieses Mal würde er nicht herauskommen und sie für ihren Fang loben, so wie er es das ganze letzte Jahr getan hatte. Bleu rutschte auf seinem Hosenboden herum und atmete tief durch. Es war soweit!