Finis.

[Nächstes mal mit Sprache.]

Bisher nicht angegebene Quellen:

“Tafel”-Abbildungen: Max Valier, Weltuntergang. München 1923.

“Tiahuanaco”-Abbildungen: Edmund Kiß, Das Sonnentor von Tiahuanaco und Hörbigers Welteislehre. Leipzig 1937.

“Alpine Architektur”-Abbildungen: Matthias Schirren (Hrsg.); Bruno Taut, Alpine Architektur. München 2004. [1919]

Protokoll | link | 19. November 2006

Dies also war die Geschichte des Ausgangs meines jungen Freundes aus den Tiefebbefrostgebieten. Oder, wie er geschrieben haben würde: Die Geschichte des Kataklysmus der Luna, des siebten Mondes der Erde.

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Unter gotischen Saphirdächern werden wir liegen…

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Ich habe Schlackenborg getroffen. Er hat Order, am Boden zu bleiben, aber die Lage ist zu chaotisch und er brennt wie wir alle darauf, zu sehen, ob die Tempel in Sicherheit sind oder ob man dort Hilfe braucht. Das bedeutet: Wir fliegen. Schlackenborg und drei weitere Schiffe. Wir haben Treibstoff und sogar ein Aeroplan als Begleitschutz — allerdings nicht weit. Ich benutze die letzte Gelegenheit, Ihnen, lieber General, meine Notizen zu schicken, ich werden Ihnen dieses Skizzenheft senden. In meiner Wohnung werden Sie eine vollständige Aufzeichnung meiner kleinen Transzendenzgeschichte finden, falls dort nicht bereits geplündert wurde, was ich inständig hoffe. Ich weiß nicht, was nun werden soll, meine Nerven vibrieren. Ich werde das Mädchen finden; die Kristallarchitektur wird leben!

Es wird den Leser in den Tiefebbefrostgebieten, der unsere heutigen politischen Verhältnisse nicht kennt, interessieren, wie die Sache ausgegangen ist. Nun, soviel also zu Ihrer Information: Durchaus im Sinne unseres jungen Freundes. Die Kristalltempel leuchten in aller Pracht und schöner denn je. Der Hrsg.

Protokoll | link | 18. November 2006

Noch einmal Benzin aufgetrieben und schnell vorangekommen, aber jetzt geht nichts mehr. Immerhin bin ich gut untergebracht, die Leute hier scheinen noch nicht recht zu wissen, was vorgeht. Eine französischsprachige Gegend, und mit Mühe können wir uns verständigen. Ich warne sie vor — inzwischen dürfte ich drei Tage vor den größeren Treks sein.

Gerüchte: Der Widerstand verteidigt die Tempel, möglicherweise hat es einen Versuch gegeben, den imperialen Rat zu stürzen, möglicherweise waren Militärs daran beteiligt. Es wird immer noch unübersichtlicher. Im Moment bin ich mit offiziellen Militärs unterwegs, die einen Marschbefehl in die Alpen haben. Auf wessen Seite die Vorgesetzten unseres Leutnants hier stehen, ist unklar. Jedenfalls glaubt er an die Weltarchitektur und scheint ein guter Kerl zu sein. Wir sind wieder schneller unterwegs.

Heute in der Ferne ein Luftgefecht beobachtet: Drei Zeppelinbomber griffen eine Stellung oder Fabrik an, dann zwei Aeroplane aus der Sonne, Schüsse, Flakfeuer von den Zeppelinen, schließlich ein brilliant geflogenes drittes Aeroplan zur Verteidigung der Bomber. Einer der Zeppeline und die beiden angreifenden Flugzeuge abgeschossen — sah sehr eindrucksvoll aus.

Protokoll | link | 17. November 2006

Ich bin heraus aus der Stadt. Und das, obwohl sie abgeriegelt ist, nicht als einziger: Immer wieder schlüpfen Gespanne durch den Ring, und die Landstraßen sind nicht so leer, wie man sich das in der Regierung wohl wünscht. Die Leute fliehen nur zum Teil wegen der schlechten Versorgung. Einige sind wie ich in die Alpen unterwegs. Aber ich habe mein Motorrad. Eigentlich kann ich nicht fahren, und das Absteigen ist jedesmal eine halsbrecherische Sache, aber das müde alte Ding, das seine technischen Därme schamlos zur Schau stellt, wird mir schon nicht den Hals brechen. Ich überhole Fuhrwerke und erschrecke Pferde.

Protokoll | link | 16. November 2006

Es gibt Gerüchte, daß eine kleine Armee von Widerständlern auf die Alpentempel marschiert und die Regierung große Schwierigkeiten hat, ihnen Verbände in den Weg zu werfen. Hier ist man beunruhigt; zumindest in der Stadt hat der Widerstand so gut wie keinen Rückhalt. Ich versuche, ein richtiges, benzingetriebenes Motorrad zu organisieren, meine Chancen stehen nicht schlecht. Die Frage: Wohin? ist leicht zu beantworten: In die Alpen. Ich denke viel an das Mädchen aus dem Zug: Ich habe nur verschwommene Erinnerungen an diese Nacht in der Kühlhalle, alles ein zeitloses Wabern in elektronischer Musik, Nebel und schneidendem Licht. Ab und zu sah ich ihr Gesicht aus der Welle tauchen, unberührt, konzentriert und ruhig, mit gesenkten Lidern, ihr Oberkörper zog seine Bahn durch meine Kleinstwelt und verschwand. Manchmal ihre Beine. Einmal ein Blick und eine Augenbraue, um mich auf eine Schneise im Nebel hinzuweisen, durch die man weit sah, für einen Moment standen wir still nebeneinander und schauten in die Nebelflucht, bevor die Schwaden erneut über die Schneise und uns herfielen und keine Wahl ließen außer Bewegung.
Vielleicht, denke ich mir manchmal, gibt es nach dem Niederbruch eine zweite, eine orthogonale Susann, die sein konnte, was sie selbst nie war. Vielleicht kann ich sie wiedersehen. Sie wäre bei den Tempeln.

Ich selbst werde für die Kristallpaläste kämpfen, wenn es sein muß.

Protokoll | link | 15. November 2006

Wieder schwere Explosionen. Die Regierung hat ihr Schweigen gebrochen, man gibt zu, daß eine gut organisierte Untergrundarmee dutzende von Industrieanlagen, Regierungsgebäude und Tempel angegriffen habe. Das Militär werde zum Schutz der Paläste aus den Grenzbezirken abgezogen. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Elektrizität laufe wieder an. Man werde zum Tagesgeschäft zurückkehren, sobald die Betriebe die Arbeit wieder aufnehmen könnten. Ich bemerke im Pulk vor den Wandzeitungen, daß man Abstand hält von dem Fremden aus den Tiefebbefrostgebieten. Der General ist nicht aufzufinden. Ich denke, ich werde die Stadt verlassen. Es hat keinen Zweck hier.

Protokoll | link | 14. November 2006

Die Offiziellen schweigen schon seit drei Tagen in Folge. Die freien Anschlag-Zeitungen sind sehr beliebt — ich weiß nicht, ob man keinen Grund sieht, sie zu verbieten, oder den Volkszorn fürchtet. Ich kann mir das kaum vorstellen, so schwach können sie noch nicht sein. Die Stadt ist offenbar abgeriegelt, auf den Straßen sieht man nur noch noch Uniformierte, angeblich sind sie in den Randbezirken konzentriert. Mein Büro ist immer noch zu, bis auf Weiteres, heißt es. Seit gestern gibt es auch keine Elektrizität mehr, und niemand hat mehr als Gerüchte, wenn es um den Grund dafür geht.

Protokoll | link | 13. November 2006

Zwei gewaltige Explosionen im Glaswerk, nur drei Blocks von hier. Die Stadt ist extrem unruhig. Natürlich sind die Vogelfrauen verschwunden. Der General ist nicht zu erreichen, das wundert mich nicht weiter. Man sieht eine Menge Militär auf den Straßen. Das Radio, das einzig schnelle Medium, das sie hier haben, schweigt sich aus, überall nur langsamer Jazz. An den Säulen gibt es Anschläge, die offenbar von Unabhängigen gemacht werden. Dort heißt es, daß es zeitgleich auch Anschläge auf andere Industrieanlagen und die Bezirksregierung gegeben habe. Das Schweigen der offiziellen Stellen beruhigt die Leute nicht gerade. Ich überlege, ob ich die Stadt verlassen soll. Das Statikbüro, für das ich seit einigen Wochen arbeite, ist seit Tagen geschlossen, und falls es dabei bleibt, habe ich hier erst einmal keine Pflichten und könnte mich endlich umschauen im Reich.

Protokoll | link | 12. November 2006
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