Notre civilisation humaniste repose elle-même sur un mystère. Le mystère est que tous les idées, chez nous, coexistent et que la conaissance apportée par une idée finit par profiter à l’idée contraire. En outre, dans notre civilisation, tout contribue à faire comprendre à l’esprit que l’esprit n’est pas tout. Une inconsciente conspiration des pouvoirs matériels réduit les risques, maintient l’esprit dans des limites où la fierté n’est pas exclue mais où l’ambition se modère d’un peu “d’à quoi bon”. Mais, comme l’a bien vu Musil: “Il suffirait qu’on prît vraiment au sérieux l’une quelconque des idées qui influencent notre vie, de telle sorte qu’il ne subsiste absolument rien de son contraire, pour que notre civilistation ne fût plus notre civilisation.” C’est ce qui s’est produit en Allemagne, tout au moins dans les hautes sphères dirigeantes du socialisme magique. (p. 395)

C’est le petit homme du “monde libre”, l’ habitant de Moscou, de Boston, de Limoges ou de Liège, le petit homme positif, rationaliste, plus moraliste que religieux, dépourvu du sens métaphysique, sans appétit pour le phantastique, celui que Zarathoustra tient pour un homme-semblant, une caricature, c’est ce petit homme sorti de la cuisse de M. Homais, qui va anéatir la grande armée destinée à ouvrir la voie au surhomme, à l’homme-dieu, maître des éléments, des climats et des étoiles. (p. 410)

Louis Pauwels et Jaques Bergier: Le matin des magiciens. Editions Gallimard, Paris 1960

Material | link | 22. September 2006

Weil ich nichts zu tun hatte, außer im Netz auf obskuren Esoterikerseiten nach Hinweisen auf meine Kugel zu suchen, machte ich ausgiebig genau das. Das war weich und einfach genug. Ich war einfach verloren und konnte mir die Hoffnungen nicht mehr ausreden. Zwei Tage nach Entdeckung der Kugel bekam ich einen Brief von Wernitz. Ich habe ihn heute natürlich nicht mehr, viel stand auch nicht drin. Interessant daran war, daß er behauptete, der Sohn eines Verlegers zu sein, der seinerzeit Bücher gedruckt habe, die “sich mit der Sache befassten”. Er wisse eine Menge gefährlicher Dinge, es sei aber für alle besser, wenn ich ihm die Kugel einfach gäbe, er würde sich durchaus angemessen erkenntlich zeigen. Selbstverständlich reagierte ich nicht. Seine Geschichte schien immerhin möglich. Ich recherchierte in mehreren Katalogen: Es hatte in Berlin einen Verlag Emil Wernitz gegeben, der aber vorwiegend Musikalia veröffentlicht zu haben schien. Weitere zwei Tage später stießen Laszlo und ich beinahe gleichzeitig auf die Vril-Gesellschaft, er durch Herumfragen in seltsamen Neo-Heiden-Kreisen, ich im Netz. Auf Seiten, die ästhetisch unverkennbar nazi waren, strafrechtlich aber irrelevant und inhaltlich bizarr. Ich fand Erstaunliches. Entweder trieben da ein paar intellektuelle Faschisten ein lustiges postmodernes Spiel, das so ausgeklügelt schlau und verwoben war, daß das primitive Glatzenpack kaum etwas davon mitbekommen konnte, oder eine Menge Leute ware einfach nicht bei Trost. Ich vermute, daß sich die beiden Möglichkeiten gar nicht ausschließen. Die Vril-Gesellschaft jedenfalls war, so stand zu lesen, eine Geheimgesellschaft im Berlin der 30er Jahre, der auch Hitler angehört habe. Die Gesellschaft arbeitete an der Urbarmachung einer geheimnisvollen Energieform namens Vril. Eine ganze Traditionslinie des braunen Okkultismus behauptet, die Nazis hätten Erfolg gehabt damit und betrieben noch heute eine Basis in der Antarktis, von wo aus sie mit UFOs eine Rückkehr an die Macht vorbereiteten. Tatsächlich: UFOs, die “Reichsflugscheibenmacht”. Bei diesem Begriff verschwammen dann die Grenzen zwischen komisch gemeintem Unsinn und den Machwerken von spinnerten Paranoiden endgültig. Der Mythos jedenfalls war der: Hitler kam 1945 aus Berlin heraus, sowjetische Informationen aus der Zeit deuten angeblich darauf hin. Er floh per U-Boot über Norwegen zuerst nach Argentinien, dann nach Queen-Maude-Land, wohin die Nazis schon 1938 eine Expedition geschickt hatten. Mit ihm floh die okkulte Elite des Reiches, Ingenieure und eben die Mitglieder der Vril-Gesellschaft, weil diese das Geheimnis der Nullpunktenergie kannten. Zwei U-Boote, U-530 und U-977, um genau zu sein, die erst sehr spät, im Juli und August des Jahres 1945 in Argentinien kapitulierten, wurden als Indizien dafür angeführt, daß es nach Kriegsende eine verdeckte Operation im tiefen Süden gegeben habe — bei beiden U-Booten war nie herauszufinden, wo sie sich, seit sie Norwegen am 2. Mai verlassen hatten, eigentlich herumgetrieben hatten. Auch respektable Presse berichtete offenbar in der unmittelbaren Nachkriegszeit von diesen Dingen als durchaus wahrscheinlich, und 1946 gab es eine internationale Antarktis-Expedition, die ungewöhnlich stark bewaffnet war, tausende Menschen, amphibische Panzer, Flugzeuge, kurzum: Ein Kriegszug eigentlich. Offenbar verlor die Expedition auf mysteriöse Weise einige Flugzeuge und wurde abgebrochen, weil nicht zu greifende Feinde ein Eindringen in die Polarregion verhinderten. Diese wilde Geschichte war, so fand ich heraus, in den sechziger Jahren bekannt geworden, nach der Veröffentlichung eines unverschämt oft verkauften Buches namens “Le matin des magiciens” von zwei windigen Franzosen. Ich brauchte ein paar Tage, bis ich ein von Feuchtigkeit gewelltes französisches Original aufgetrieben hatte, das ich mit halsbrecherischer Begeisterung las. Man kann die Wirkmacht und also Bedeutung dieses Werks gar nicht überschätzen.

Leser in den Tiefebbefrostgebieten sind aufgefordert, ihre Suchmaschinen zu bemühen und die Pfade der dortigen Lexikonwahrheiten versuchsweise zu verlassen. Über Faktizität wird noch zu reden sein, die genannten kulturellen Untergrundströmungen werden vom Autor jedenfalls als entschieden real beschrieben. Der Hrsg.

Protokoll | link | 

Ich hatte eine seltsame Zeit. Am seltsamsten waren die Tage, an denen eine Mail von Susann kam. Meist ahnte ich es voraus, denn sie ließ mich ein wenig warten, geschickt, aber durchschaubar — oder redete ich mir das ein? Vermutlich, vielleicht. Maß sie mir genug Bedeutung zu, um auf so etwas zu achten? Ich wusste es nicht. Kam die Mail, enthielt sie Belanglosigkeiten und Terminvorschläge; ich prüfte jedes Wort auf Zeichen, und jede ihrer Andeutungen provozierte hektische Aktivität, einmal erwähnte sie den Plan, Tanzen zu gehen und daß ihre Begleitung abgesagt habe, ich grübelte mich fast um den Verstand beim Versuch, herauszufinden, ob ich ihr meine Begleitung antragen solle oder nicht — war das aufdringlich, wäre Gelassenheit besser, erwartet sie gar, daß ich fragte, warum sonst erwähnte Sie die Sache; aber vielleicht verrannte ich mich da; das tat ich sicher, überhaupt, wäre der Versuch, gemeinsam ausgerechnet Tanzen zu gehen, nicht möglicherweise gefährlich? Jedenfalls bereitete ich mich vor, als stünde fest, daß ich mitginge, verwendete dann aber in der Antwortmail nur eine Formulierung zaghaft allgemeinen Interesses, um alles offen zu lassen und hielt den Kompromiss auch noch für geglückt. Ich hörte an diesem Tag nicht mehr von ihr. Diese Zeit, wenn man sich noch nicht richtig kennt und nicht einschätzen kann, man überschätzt das, eigentlich ist es furchtbar. Immerhin aufregend.
Meine eigenen Mails, manchmal mehrfach zwischen dem Entwurfsordner und dem für den Versand hin- und herbewegt, wollten ungeduldig von der Leine, sorgfältig aufgebaut um kleine, vorsichtige Liebenswürdigkeiten, aber, um Gottes Willen, nicht zu deutlich. Ich hielt mich zurück, denn wie abschreckend sah das denn aus, wenn ich jede Mail innerhalb von Minuten beantwortete, als täte ich nichts anderes, als auf ihre Mails zu warten. Ich tat nichts anderes, als auf ihre Mails zu warteb, tagelang wartete ich auf ein paar Zeilen, bei jeder plingenden Spambotschaft sprang ich auf und löschte dann fluchend.

Protokoll | link | 21. September 2006

Die Kugel blieb, wo sie war. Laszlo und ich fingen natürlich an zu lesen, um herauszufinden, was es damit auf sich haben könnte. Es musste etwas geben, was alte Männer über magnetische Kugeln wussten und junge nicht. Das würde doch wohl herauszufinden sein. Allerdings gab es wenige Anhaltspunkte — eigentlich nur den Mond und den Kreis (vermutlich ja wohl die Sonne). Sonne und Mond, das kann alles bedeuten. Es war schwierig. Ich verbrachte Stunden im Netz, aber nur Mond und Sonne sind als Suchbegriffe sehr mager. Nach Stunden auf langweiligen Standard-Esoterik-Seiten fiel mir ein, ein paar eigenwilligere Beschreibungen meines Fundstücks als Suchbegriffe zu verwenden. Leider war über magnetische Kugeln aber nicht viel herauszufinden. Beziehungsweise alles. Magnetische Kugeln beschäftigen offenbar eine spezielle Sorte Menschen. Ich fand sehr viele, meist zu bunte, Seiten über Erdmagnetfelder, Mesmerismus, Sonnenflecken (aha?) und Nikola Tesla.

Protokoll | link | 20. September 2006

Er behauptete, es handle sich tatsächlich um einen Sprengkörper aus dem zweiten Weltkrieg, und er müsse entsorgt werden. Laszlo meinte, dann werde er wohl die Polizei anrufen, und es kam fast zu einem Handgemenge zwischen Wernitz und seinem Verleger vor dem Telefon. Wernitz wurde unruhig und wütend. Klar war, daß er uns die Kugel jetzt nicht mehr würde abluchsen können. Er bot am Ende Geld an, und gar nicht wenig. Aber er war in einer denkbar schlechten Position. Schließlich fing er an zu drohen, stieß ein paar Flüche aus, beruhigte sich, setzte sich an den Küchentisch und erklärte uns in nüchternen Worten, daß wir es hier mit etwas zu tun hätten, wovon wir nichts verstünden. Dieses Ding sei gefährlich, es stürben Leute wegen solcher Sachen. Und daß wir wirklich besser daran täten, es in seine Hände zu geben, jede weitere Information sei gefährlich für uns. Er und seine Vorgesetzten würden sich darum kümmern, daß wir ungefährdet aus dieser Situation herauskämen. Einen Augenblick wirkte der irre Ernst in seinen Augen fast überzeugend. Aber es war zu B-Movie. Ich schaute Laszlo an, er mich, und wir schafften den Alten aus der Wohnung, wir mussten ihn durchaus fast schubsen dabei. – Die Frage ist jetzt, fragte ich, als wir ihn draussen hatten, wie knülle dieser Mensch wirklich ist.

Protokoll | link | 19. September 2006

Laszlo rief einen seiner Autoren an, einen Herrn Wernitz, den Autor von “Empfänger der Sterne”. In dieser bereits erwähnten Erzählung ging es, nach allem was ich weiß, um einen obskuren keltischen Kult. Ich bin nicht mehr dazu gekommen, das zu lesen, aber nach allem, was Laszlo erzählt hat, handelt es sich um eine wilde Geschichte, in der ein junger und etwas zu neugieriger Mönch auf ein Buch aus dem siebzehnten Jahrhundert stößt, das die Geheimnisse “menhirischer Macht” enthüllt, und ausgestattet mit diesem Wissen führt der eitle und fortan abtrünnige Mönch im Zeichen einer katholisch-paganischen Bastardreligion einen jahrzehntelangen und extrem grausamen zweiten Reformationskampf, in dem er die katholische Kirche an den Rand des Zusammenbruchs bringt. (Laszlo erzählte immer nur begeistert von dem Buch: – Ein Glückstreffer, der Alte spinnt restlos, aber das Ding ist großartig, geschickt zusammengeflickt und voller historischer Details, die man tatsächlich nachrecherchieren kann. Laszlos Geschmack war schon immer etwas exzentrisch. Jedenfalls war die Beschlagenheit des alten Mannes offenbar beeindruckend, wenn es um heidnische Symbolik ging, und deswegen rief er den alten Wernitz jetzt an. Der eilte tatsächlich sofort aus dem Wedding herbei. Es war schon spät, als er klingelte. Er war ein hagerers altes Männlein, schwitzte aber trotzdem furchtbar. Etwas über siebzig vielleicht, aber schwer zu schätzen. Seine Hand zitterte, als er sie mir gab, obwohl er sich sehr bemühte, den schneidigen Fachmann zu spielen mit seinem – Na, dann woll’n wer uns mal anschaun was sie da haben, junger Herr. Als er sich vor mein Küchenfenster kniete, tropfte ihm der Schweiß aus den Haaren. Er hatte da was drin, das heute niemand mehr an Haare tut, sie blieben trotz Schweiß in Form und sahen aus wie plattgefahrener dreckiger Schnee. Er brauchte keine Minute, in der er auch nichts weiter tat, als die Kugel zu betasten und rundherum anzuschauen, dann richtete er sich knackend auf und bot mir an, das “olle Ding” zu entsorgen. Das war lächerlich, und er merkte auch gleich, daß er nur seine Gier verraten hatte mit diesem Versuch.

Protokoll | link | 18. September 2006

Ich musste jemanden anrufen. Etienne. Laszlo? (Die Polizei und Susann schieden aus.) Laszlo. Ich erzählte ihm, daß ich eine fantastische Frankenstein-Maschine in der Küche hätte. Er sagte mit Loriot-Intonation: – Ach was? und war eine halbe Stunde später da. Währenddessen hatte ich einen kleinen Spiegel gesucht, gefunden und beäugte jetzt die Rückseite der Kugel. Laszlo hockte sich, kaum eingelassen, neben mich, strubbelte die herausgewachsene Frisur über die Ohren und äugte mit. Er sagte noch zweimal – Ach was, jedesmal weniger zweifelnd und etwas begeisterter. Schließlich erfühlte er auf der Rückseite des Dings einige Zeichen, die mit dem Spiegel partout nicht zu lesen waren. Das Kabel war zu kurz, so daß wir die Kugel nicht umdrehen konnten, und also schnitten wir’s kurzerhand durch. Das Zeichen auf der unteren Hälfte war ein Mondsymbol, eine halbe Sichel mit Gesicht, auf der oberen Hälfte war ein Kreis mit Punkt in der Mitte. Ich murmelte was von Indiana Jones, Laszlo schüttelte den Kopf, sagte nur – Wild. und holte das Telefon. (Der General kriegte sich kaum ein vor Lachen. Er wollte wissen, wer Indiana Jones war, und ich erklärte es ihm. – Na, es fängt ja bei allen anders an, sagte er, aber das hier ist ein starkes Stück, Herr Jones, das verspricht ja spaßig zu werden, erzählen Sie weiter, erzählen Sie weiter.)

Protokoll | link | 17. September 2006

Eine Kugel mit vierzig Zentimetern Durchmesser aus narbigem, dunklem Material auf einem ringförmigen Sockel, zusammengesetzt aus zwei Halbkugeln mit deutlich sichtbarem Nahtäquator. Ich versuchte, sie zu mir her zu ziehen, aber die Kugel war schwer und hing fest – an einem Kabel, das, textilisoliert, im Dunkel oder in der Wand verschwand. Ich fingerte ihm hinterher in dem stinkenden Loch, und mir fiel auf, wie sehr meine Hände zitterten. Was auch immer es war, es war ein seltsames Ding. Eine Bombe. Unsinn. Niemand versteckt jahrzehntelang eine Bombe in einer Küche im Prenzlauer Berg. Vielleicht sollte sie da allerdings nicht jahrzehntelang bleiben. Ein Blindgänger? Eine Mine, von einem tätowierten Seemann als Trophäe nach Berlin verschleppt. Unsinn. Und wer sagte mir überhaupt, wie alt das Ding war. Und wer schloß eine nicht explodierte Mine mit Kabeln an. Woran eigentlich? Ich zog ein wenig am umflochtenen Kabel und es gab ein Stück nach, in der Wand raschelte und rieselte es bedenklich. Es rieselte auch noch, als ich längst nichts mehr machte, und es rieselte schräg aufwärts, so schien mir. (Ratten? Auch das noch.) Dann kam ich auf die Idee, mich aus dem Küchenfenster in den Innenhof zu hängen und die bröckelige Aussenseite der Mauer zu untersuchen. Unten war nichts zu sehen, aber direkt über meinem Fenster kam ein Kabel aus der Wand und war etwas weiter oben, ohne jede Isolierung, mit einem Blitzableiter zusammengerostet. Seltsam genug, daß es an dieser Stelle diesen Blitzableiter gab. Noch seltsamer, daß er keine Blitze ableitete: Zwei Meter über meinem Fenster endete er einfach. Seltsam auch, daß das keinem aufgefallen war, oder nein. Das war nicht seltsam. Um Leute, die darüber nachdenken, wo die Kabel in schrabbeligen Mietshaus-Innenhöfen hinführen, muß man sich Sorgen machen, nicht die anderen, jedenfalls nicht die anderen. Jedenfalls hatte ich hier eine magnetische Kugel, die vermutlich einmal an einen Blitzableiter angeschlossen war.

Protokoll | link | 16. September 2006

Keine uninteressante Frage: Wieso waren meine Küchenwände so stark magnetisch, daß sie herumschwirrende Löffel fangen konnten? Eine kurze Untersuchung ergab, daß es unter dem Küchenfenster, wie in vielen Berliner Altbauwohnungen, wohl einmal einen Schrank gegeben haben mußte – nur war vor langer Zeit eine dünne Platte vorgesetzt worden. Ich konnte den Ansatz unter mehreren Schichten Farbe, Tapete und Rauhfaser gerade noch ertasten. Für einen Moment überlegte ich, ob ich fertig abwaschen sollte oder lieber an der Küchenwand herumsägen. Von Geheimnissen in der eigenen Küche träumen kleine Jungs, vom Abwasch nicht. Ich holte also ein Teppichmesser, ein paar Schraubenzieher und einen Hammer aus dem Keller. Die Tapete fein säuberlich rundherum abzuschneiden richtete zwar kaum Schaden an, nützte aber auch nichts: Das ekle alte Zeug klebte auf der Platte drauf, und ich musste eine ziemliche Zupferei durchstehen, bis ich die Kante soweit freigelegt hatte, um mit einem Schraubenzieher zwischenzustemmen. Es knirschten ein paar Nägel heraus, und nach einigem Rütteln und Stemmen hatte ich das dünne Brett in der Hand und die Hälfte einer Schranktür vor mir. (Die andere war weg.) Ein dunkles, übelriechendes Loch hatte ich fabriziert in meiner Küche. Vorsichtig linste ich hinein, aber der Gestank dämpfte meine Abenteuerlust erheblich, und ich schalt mich für den Unsinn — schließlich hängen die Leute normalerweise in Altbauten ihre Decken aus guten Gründen ab, und wenn jemand wertvollen Stauraum zunagelt, dann vermutlich doch deswegen, weil dort der Schimmel schlarafft. Trotzdem hoffte ich wenigstens auf einen großen, rot und blau bemalten Hufeisenmagneten oder einen alten Motor oder was sonst so kräftig magnetisch sein mochte, einen Kaffeelöffel (und meine Schraubenzieher) durch eine Gipspappe festzuhalten. Was ich beim Herumleuchten in dem muffigen Loch fand, konnte ich allerdings nicht zuordnen. Ich nannte das Ding erst einmal “Magnetkugel”, denn es war offenbar eine Kugel und offenbar magnetisch.

Protokoll | link | 15. September 2006

Das Aggregat fand ich beim Abwasch. Abwaschen ist ja eine Tätigkeit, die man gern verrichtet, wenn man sich vor richtiger Arbeit drückt, und ich drückte mich damals. Vor allem Nachmittags konnte ich nur Dinge tun, die so anspruchslos waren, daß meiner Phantasie genügend Kapazität blieb. Im Spülbecken klapperte also unsichtbares Metall, und als ich das Aggregat fand, fischte ich gerade Besteck aus dem Schaum und versuchte, die Messer zuerst zu erwischen. Statt eines Messers bekam ich einen schweren Kaffeelöffel aus dem bäuerlichen Haushalt meiner Großmutter zu fassen. Übermütig, es schaute ja keiner zu, wagte ich ein Kunststück, gab dem glitschigen Ding eine Drehung mit und warf es von der Rechten in die Linke. Nur griff ich daneben, der Löffel sprang weiter und bevor ich zufassen konnte, flog er in einem wirbelnden Bogen durch die Küche und ließ sich, gemütlich, mit einem dumpfen “Donk” unter dem Fenster an der senkrechten, glatten Wand nieder. Von dort pflückte ich ihn ab und brauchte den ganzen Weg zur Schublade, um ein lautstarkes -Höh? vorzubereiten.

Protokoll | link | 14. September 2006
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