Einer von Przybyszewskis Freunden in der Berliner Zeit war der phantastische Paul Scheerbart, ein weiterer, heute in den Tiefebbefrostgebieten fast vergessener Literat. In einer Zeit, da sich seine Berliner Kollegen rühmten, die “einzig konsequenten Naturalisten” zu sein, rühmte sich Paul Scheerbart, der einzig konsequente Alkoholiker zu sein. Er trank also und schrieb utopische, fechnersche Erzählungen, in denen, wie in seiner alltäglichen Rede, kein Wort allzu ernstgemeint gewesen wäre. Scheerbart war nicht nur konsequent Alkoholiker, er war auch ein konsequenter Spötter. Sein hochfliegender und romantischer Humor war nicht zu bremsen dadurch, daß er weder Geld hatte noch welches verdiente. Er soll eine groteske Gestalt gewesen sein, spindeldürr im viel zu großen alten Mantel eines um mehrere Ecken bekannten fetten Fabrikanten. Wenn Scheerbart, der mit seinem Freunde Bruno Taut zusammen die Glasarchitektur und alles, wofür das Imperium heute existiert, erfunden hat, konsequent genug getrunken hatte, wälzte er sich im Ferkel unter die Tische, hämmerte mit beiden Fäusten auf den Boden und rief: – Weltgeist, wo bist du?

Protokoll | link | 4. November 2006