Wie genau sich Valier und Przybyszewski in Wien begegnet sind, ist nicht bekannt. Vermutlich besuchte Przybyszewski, der Okkultist, einen der Vorträge des Technikers mit den geheimwissenschaftlichen Neigungen. Sicher ist, daß Valier und Przybyszewski an einem der Abende in Wien ein langes Gespräch geführt haben müssen, Valiers Frau berichtet in einem Brief von der ungeheuren Faszination, die “der finstere Pole auf Max ausgeübt” habe. Sie selbst, schreibt sie weiter, habe Przybyszewski nur “kurz gesehen”, aber er sei ihr “sofort unsympathisch und sehr unheimlich gewesen”. Valier wird von seinen Alpen erzählt haben an diesem Abend und von den Sternen, wie er es immer tat, und Przybyszewski wird den jungen begeisterten Mann auf Tauts und Scheerbarts “Alpine Architektur”-Ideen hingewiesen haben, die gerade frisch erschienen waren. (“Alpine Architektur” erschien also ebenfalls 1919 – ein Schicksalsjahr, wie Sie sehen!) Anzunehmen, daß Przybyszewski Valier den Kontakt zum Münchener Verlagsbuchhändler Otto Wilhelm Barth verschafft hat: Barth druckte zwei Jahre später Valiers Faustbücher, und über Barth muß Valier in Kontakt mit den Raumkraftleuten um Johannes Zacharias gekommen sein. Jedenfalls reist Valier 1920 zum ersten mal nach München, 1921 zieht er mit seiner Frau ganz dorthin. 1924 findet er in einem Buch von einem Professor Oberth eine seiner eigenen alten Ideen wieder: Den Antrieb von Fluggeräten durch Raketen. Den Rest der Geschichte habe ich schon erzählt; er hat die ersten Raketentriebwerke mitentwickelt und kam 1930 bei der Explosion einer Rakete ums Leben, als er einen neuen Treibstoff testete (Shell-Paraffinöl).

Protokoll | link | 7. November 2006