Valier baute keine Raketen, um London zu beschiessen. Er baute Raketen, um zu den Sternen zu fahren. Denn er wusste, daß die Sterne aus Eis und das Eis der Milchstraße nutzbar waren für eine größere Zukunft. Sogar hier ist unklar, ob sich Valier und Taut sich kennengelernt haben und ob die RaG DkD aus dieser Bekanntschaft entstanden ist. Wahrscheinlicher ist wohl, daß der Tiroler Valier die alpinen Architekturutopien von Scheerbart und Taut allein und ohne weitere Einflüsse zu seiner großen Zukunft erhob. Sicher ist, daß er in seiner berühmten mitreissenden Art dafür Propaganda machte. Kurz nach seinem Tod formte sich die Reichsarbeitsgemeinschaft, um mit seinen Mitteln — Raumkraft, Eis und die Einheit von Kraft und Eis in der psychophysischen Welle — sich an die Verwirklichung seiner Utopien machte. Der herrschende Überlagerungszustand psychophysischer Wellen (man könnte das den Weltgeist nennen, wenn man, wie ich, immer noch lieber Philosoph als Esoteriker wäre) war jedoch stabil und nicht zu erschüttern. Nicht zu erschüttern außer durch eine wahrhaft gewaltige Erschütterung im Eiskraftfeld der Erde, d.i. in ihrem innersten Dasein als Weltkraftmaschine.

Hier enden die sorgfältig abgeschriebenen und in einem bestoßenen Ordner abgehefteten Notizen meines Freundes. Der noch folgende Text wurde, oftmals offenbar in großer Eile, in ein kariertes Schulheft notiert. Den Ordner fand ich nach seinem Tod in seiner Wohnung, das Heft hat er mir per Post übersandt. Es ist ein rechtes Wunder, daß die Post in jenen Tagen überhaupt funktionierte. Das Heft enthält einige kurze tagebuchartiger Notizen und eine Reihe laienhafter Zeichnungen der Alpenhäuser, die hier nichts zur Sache tun. Ausserdem hatte sich mein Freund offenbar inzwischen die Mühe gemacht, die Erzählungen der Vogelfrauen in den Bibliotheken der Hauptstadt nachzurecherchieren: Auf einer der letzten Seiten des Hefts fand sich eine Literaturliste, die, soweit ich das beurteilen kann, die historische Wahrheit der Erzählungen der Vogelfrauen durchweg belegt. Der Hrsg.

Protokoll | link | 9. November 2006