Es gibt Gerüchte, daß eine kleine Armee von Widerständlern auf die Alpentempel marschiert und die Regierung große Schwierigkeiten hat, ihnen Verbände in den Weg zu werfen. Hier ist man beunruhigt; zumindest in der Stadt hat der Widerstand so gut wie keinen Rückhalt. Ich versuche, ein richtiges, benzingetriebenes Motorrad zu organisieren, meine Chancen stehen nicht schlecht. Die Frage: Wohin? ist leicht zu beantworten: In die Alpen. Ich denke viel an das Mädchen aus dem Zug: Ich habe nur verschwommene Erinnerungen an diese Nacht in der Kühlhalle, alles ein zeitloses Wabern in elektronischer Musik, Nebel und schneidendem Licht. Ab und zu sah ich ihr Gesicht aus der Welle tauchen, unberührt, konzentriert und ruhig, mit gesenkten Lidern, ihr Oberkörper zog seine Bahn durch meine Kleinstwelt und verschwand. Manchmal ihre Beine. Einmal ein Blick und eine Augenbraue, um mich auf eine Schneise im Nebel hinzuweisen, durch die man weit sah, für einen Moment standen wir still nebeneinander und schauten in die Nebelflucht, bevor die Schwaden erneut über die Schneise und uns herfielen und keine Wahl ließen außer Bewegung.
Vielleicht, denke ich mir manchmal, gibt es nach dem Niederbruch eine zweite, eine orthogonale Susann, die sein konnte, was sie selbst nie war. Vielleicht kann ich sie wiedersehen. Sie wäre bei den Tempeln.

Ich selbst werde für die Kristallpaläste kämpfen, wenn es sein muß.

Protokoll | link | 15. November 2006