Ich genoß meinen schlurf-wippenden Schritt mit den nach innen gedrehten Fußspitzen. Trat an die Jalousie und spreizte Lamellen in privat-detektivischer Manier. Ich wohnte in der fast leeren und zu dunkeln Wohnung eines Malers, hatte meinen Gang einem Volksbühnen-Schauspieler abgeschaut und spähte in den Innenhof, als hätte ich eine Mission. Hier roch es nicht nur nach Geranien, es stank nach dem letzen, erschöpften Rest von Bohème. Besser gesagt, nach einer Bohème, die seit acht Wochen in den Fußboden rottete. Jenseits der Jalousie, auf der anderen Seite des Innenhofs, in dem es nur nach Müll roch, saß eine Katze auf dem Fensterbrett. Sie blieb sitzen, als ich die Jalousie hochzog. Wir starrten uns eine Weile an, asymmetrisch wie üblich, harten Auges die Katze, weich der Mensch. Links und rechts hingen lose Kabel vorm braunen Putz, und in der Mitte des Hofs zitterte ein spindeldürres Bäumchen, das nie erfahren würde, was Wind ist.

Protokoll | link | 20. June 2006