Etienne war einer von denen, die ihre menschliche Fehlbarkeit für einen Abend zu Hause lassen und mühelos alles richtig machen konnten. Ich erinnere mich an einen Samstagabend im Spätsommer vor zwei Jahren, den wir damit verbrachten, ziellos durchs nächtliche Berlin zu ziehen. Eine angenehme Nacht, von Spätkauf zu Spätkauf hangelten wir uns Flasche für Flasche,von Mitte in den Prenzlauer Berg hinein. In einem der Trash-Orte, die das überholte Konzept Eisdiele mit knubbeligem Inventar aus vergangenen Jahrzehnten, leeren Flower-Power-Zeichen und Britpop-Frisuren aktualisierten, blieben wir dann hängen. Die Musik war nicht ganz auf dem neuesten Stand, aber sorgfältig ausgesucht, also sehr gut. Wir bestellten todesmutig süße Waffeln; im Raum roch’s fahrig nach heißem Zucker und Staub; die Frauen waren schön, müde und selbstsicheren Burschen durchaus aufgeschlossen.

Ich beendete den Abend allein. Sie hieß Sylvie und schrieb ihm noch ein Jahr später, während der Zeit, von der ich hier sonst erzähle, Briefe. Sehr empfindsame sogar, nach allem, was ich hörte.

Protokoll | link | 9. July 2006