Um ehrlich zu sein, sagte ich, gehörte Etienne zu diesen gutaussehenden Mistratten, die den Verführer spielen können und dann eben sehen, wie lange die Sache trägt. Ein Raubtier halt. Einer, dem ein Rindvieh wie ich nur traurig nachschaute, wenn er seine Reißzähne in weiße Beutehälse haute und irgendwann sein Lendenfutter wegschleppen konnte für ein paar Nächte oder Wochen oder Monate. Die Raubtiere (schnaubte ich); sie fanden sich da draußen mit triumphierendem Funkeln, Götter der Gegenwart, starke und rücksichtslose Beherrscher ihres Daseins, mächtig heulend: Gib mir, Leben! – denn mir steht zu qua meiner Herrlichkeit, nachzuprüfen in Zweifelsfall anhand wöchentlich aktualisierter bunter Checklisten. Herrisch, fordernd, nehmend, beiderlei Geschlechts, führten sie Beziehungen, wie die offizielle Sprachregelung für ihren Sport lautete. Ich war der Meinung, daß man nur Krieg führte. Ich war für Geschichten, richtige Geschichten. Es war hoffnungslos. Ich würde hier, sagte ich zum General, dies tausendfach gehörte Lamento nicht wiederholen, wenn sich nicht eine Geschichte vorbereitete. Einige Wochen, bevor die Dinge anfingen, sehr seltsam zu werden, sah ich Susann zum ersten Mal.

Protokoll | link | 13. July 2006