Ungefähr an dieser Stelle meiner Erzählung holte ich meinen Hut und verließ den General, weil es spät geworden war. Eine Weile überlegte ich, ob ich zu Fuß gehen sollte, nahm dann aber doch ein Taxi. Ich wohnte damals noch nicht in meiner Wohnung im Backsteinviertel, sondern in einer Art Auffanglager. Die Flüchtlinge dort kamen allerdings nicht her, wo ich herkam, und wir hatten uns wenig zu sagen. Die meisten sprachen ohnehin nur spanisch, das ich zwar notdürftig verstand, aber nicht sinnvoll sprechen konnte. Sie zogen auch in rascher Folge ein und wieder aus, man hätte sich, selbst wenn man des Spanischen ausreichend mächtig gewesen wäre, nicht anfreunden können. Bei einem der Ausflüge mit dem General fuhren wir stundenlang durch Gebiete, in denen ausschließlich Spanisch gesprochen wurde, keine fünfzig Kilometer von der Provinzhauptstadt entfernt - vermutlich waren meine fliehenden Südamerikaner auf der durchreise Weg dorthin. Sie kamen aus den nördlichen Randgebieten, wo es gerüchteweise nicht gerade sicher war, offenbar hatte es einen richtigen Grenzkrieg gegeben, aber ich musste mich auf das verlassen, was ich aufschnappte. Wie sich das Imperium in Gebiete erstrecken konnte, aus denen Südamerikaner, doch offenbar über Land, nach Fredenau fliehen konnten, blieb mir ein Rätsel. Die Geographie meiner neuen Heimat war mir damals dunkel und ist es noch heute (Karten gibt es keine). Fredenau übrigens, die Stadt, in der ich nach meiner Ankunft untergebracht wurde und wo ich noch heute, in der Backsteinwohnung, lebe, ist “Verwaltungssitz für die Provinz Fredenau-Frede-Land” und eins der wenigen großen deutschsprachigen Zentren im Imperium. Langweilig, sagen die, die die Hauptstadt kennen, aber mir ist’s fürs Erste aufregend genug.
