Keine uninteressante Frage: Wieso waren meine Küchenwände so stark magnetisch, daß sie herumschwirrende Löffel fangen konnten? Eine kurze Untersuchung ergab, daß es unter dem Küchenfenster, wie in vielen Berliner Altbauwohnungen, wohl einmal einen Schrank gegeben haben mußte - nur war vor langer Zeit eine dünne Platte vorgesetzt worden. Ich konnte den Ansatz unter mehreren Schichten Farbe, Tapete und Rauhfaser gerade noch ertasten. Für einen Moment überlegte ich, ob ich fertig abwaschen sollte oder lieber an der Küchenwand herumsägen. Von Geheimnissen in der eigenen Küche träumen kleine Jungs, vom Abwasch nicht. Ich holte also ein Teppichmesser, ein paar Schraubenzieher und einen Hammer aus dem Keller. Die Tapete fein säuberlich rundherum abzuschneiden richtete zwar kaum Schaden an, nützte aber auch nichts: Das ekle alte Zeug klebte auf der Platte drauf, und ich musste eine ziemliche Zupferei durchstehen, bis ich die Kante soweit freigelegt hatte, um mit einem Schraubenzieher zwischenzustemmen. Es knirschten ein paar Nägel heraus, und nach einigem Rütteln und Stemmen hatte ich das dünne Brett in der Hand und die Hälfte einer Schranktür vor mir. (Die andere war weg.) Ein dunkles, übelriechendes Loch hatte ich fabriziert in meiner Küche. Vorsichtig linste ich hinein, aber der Gestank dämpfte meine Abenteuerlust erheblich, und ich schalt mich für den Unsinn — schließlich hängen die Leute normalerweise in Altbauten ihre Decken aus guten Gründen ab, und wenn jemand wertvollen Stauraum zunagelt, dann vermutlich doch deswegen, weil dort der Schimmel schlarafft. Trotzdem hoffte ich wenigstens auf einen großen, rot und blau bemalten Hufeisenmagneten oder einen alten Motor oder was sonst so kräftig magnetisch sein mochte, einen Kaffeelöffel (und meine Schraubenzieher) durch eine Gipspappe festzuhalten. Was ich beim Herumleuchten in dem muffigen Loch fand, konnte ich allerdings nicht zuordnen. Ich nannte das Ding erst einmal “Magnetkugel”, denn es war offenbar eine Kugel und offenbar magnetisch.

Protokoll | link | 15. September 2006