Eine Kugel mit vierzig Zentimetern Durchmesser aus narbigem, dunklem Material auf einem ringförmigen Sockel, zusammengesetzt aus zwei Halbkugeln mit deutlich sichtbarem Nahtäquator. Ich versuchte, sie zu mir her zu ziehen, aber die Kugel war schwer und hing fest - an einem Kabel, das, textilisoliert, im Dunkel oder in der Wand verschwand. Ich fingerte ihm hinterher in dem stinkenden Loch, und mir fiel auf, wie sehr meine Hände zitterten. Was auch immer es war, es war ein seltsames Ding. Eine Bombe. Unsinn. Niemand versteckt jahrzehntelang eine Bombe in einer Küche im Prenzlauer Berg. Vielleicht sollte sie da allerdings nicht jahrzehntelang bleiben. Ein Blindgänger? Eine Mine, von einem tätowierten Seemann als Trophäe nach Berlin verschleppt. Unsinn. Und wer sagte mir überhaupt, wie alt das Ding war. Und wer schloß eine nicht explodierte Mine mit Kabeln an. Woran eigentlich? Ich zog ein wenig am umflochtenen Kabel und es gab ein Stück nach, in der Wand raschelte und rieselte es bedenklich. Es rieselte auch noch, als ich längst nichts mehr machte, und es rieselte schräg aufwärts, so schien mir. (Ratten? Auch das noch.) Dann kam ich auf die Idee, mich aus dem Küchenfenster in den Innenhof zu hängen und die bröckelige Aussenseite der Mauer zu untersuchen. Unten war nichts zu sehen, aber direkt über meinem Fenster kam ein Kabel aus der Wand und war etwas weiter oben, ohne jede Isolierung, mit einem Blitzableiter zusammengerostet. Seltsam genug, daß es an dieser Stelle diesen Blitzableiter gab. Noch seltsamer, daß er keine Blitze ableitete: Zwei Meter über meinem Fenster endete er einfach. Seltsam auch, daß das keinem aufgefallen war, oder nein. Das war nicht seltsam. Um Leute, die darüber nachdenken, wo die Kabel in schrabbeligen Mietshaus-Innenhöfen hinführen, muß man sich Sorgen machen, nicht die anderen, jedenfalls nicht die anderen. Jedenfalls hatte ich hier eine magnetische Kugel, die vermutlich einmal an einen Blitzableiter angeschlossen war.
