Laszlo rief einen seiner Autoren an, einen Herrn Wernitz, den Autor von “Empfänger der Sterne”. In dieser bereits erwähnten Erzählung ging es, nach allem was ich weiß, um einen obskuren keltischen Kult. Ich bin nicht mehr dazu gekommen, das zu lesen, aber nach allem, was Laszlo erzählt hat, handelt es sich um eine wilde Geschichte, in der ein junger und etwas zu neugieriger Mönch auf ein Buch aus dem siebzehnten Jahrhundert stößt, das die Geheimnisse “menhirischer Macht” enthüllt, und ausgestattet mit diesem Wissen führt der eitle und fortan abtrünnige Mönch im Zeichen einer katholisch-paganischen Bastardreligion einen jahrzehntelangen und extrem grausamen zweiten Reformationskampf, in dem er die katholische Kirche an den Rand des Zusammenbruchs bringt. (Laszlo erzählte immer nur begeistert von dem Buch: - Ein Glückstreffer, der Alte spinnt restlos, aber das Ding ist großartig, geschickt zusammengeflickt und voller historischer Details, die man tatsächlich nachrecherchieren kann. Laszlos Geschmack war schon immer etwas exzentrisch. Jedenfalls war die Beschlagenheit des alten Mannes offenbar beeindruckend, wenn es um heidnische Symbolik ging, und deswegen rief er den alten Wernitz jetzt an. Der eilte tatsächlich sofort aus dem Wedding herbei. Es war schon spät, als er klingelte. Er war ein hagerers altes Männlein, schwitzte aber trotzdem furchtbar. Etwas über siebzig vielleicht, aber schwer zu schätzen. Seine Hand zitterte, als er sie mir gab, obwohl er sich sehr bemühte, den schneidigen Fachmann zu spielen mit seinem - Na, dann woll’n wer uns mal anschaun was sie da haben, junger Herr. Als er sich vor mein Küchenfenster kniete, tropfte ihm der Schweiß aus den Haaren. Er hatte da was drin, das heute niemand mehr an Haare tut, sie blieben trotz Schweiß in Form und sahen aus wie plattgefahrener dreckiger Schnee. Er brauchte keine Minute, in der er auch nichts weiter tat, als die Kugel zu betasten und rundherum anzuschauen, dann richtete er sich knackend auf und bot mir an, das “olle Ding” zu entsorgen. Das war lächerlich, und er merkte auch gleich, daß er nur seine Gier verraten hatte mit diesem Versuch.
