In den Tagen, da wir das alles herausfanden und der alte Wernitz noch schwieg, wartete ich in jeder freien Minute gierig auf Mails von Susann. An den ereignislosen Tagen, an denen also keine Mail mich erreichte, wartete ich ungeduldig auf den Abend, damit ich schlafen gehen konnte und mich des lästigen Tags entledigen. Ich versuchte, möglichst lange zu schlafen. Nicht so sehr um zu träumen, denn man träumt ja leider nie dann von einer Frau, wenn man es sich wünscht, eher platzen Träume, die neue Verliebtheit zu alten Lieben hinterlassen, in die nüchternsten und arbeitsamsten Zeiten, und darum erhoffte ich mir nichts vom Schlaf — nichts, als daß er mich der nächsten Mail näher brächte und einer Entscheidung. Denn eine Entscheidung stand an, es würde klar werden müssen, ob wir uns vorsichtig und behutsam absichtsvoll umschlichen, ob wir vielleicht mit einer Möglichkeit spielten, ob wir die Aufregung genossen, oder ob ich mich nur allein berauschte am Gedanken eines Ausbruchs.

Protokoll | link | 27. September 2006