Meine Wohnung, so erzählte ich einige Tage später weiter, lag an diesem Abend im bräunlichen Dämmerlicht der Hinterhöfe. Durch das offene Fenster zogen Gesprächsfetzen, verhalten quiekende Aufschreie, die Titelmelodie von Star Trek Voyager und zähes Tellergeklapper. Die Luft roch nach Fleisch und Zigarettenrauch. Ich las Deleuzes “Proust und die Zeichen” aus dem Bücherregal des Malers. Die Füße zeigten über das Fensterbrett in den Himmel. Ich war nicht beunruhigt. Eher voll der unbestimmten Hoffnung, die Susanns bloße Existenz mir einflößte; und umschmeichelt von der sanften Atmosphäre eines seidenen Spätsommerabends. Manchmal, wenn die schon kühle Luft sich Wege durch das bewohnte Haus suchte, streifte sie vom Vorderhaus her durch die offenen Balkontüren meiner Nachbarn, durch Zimmer und Flure, um hier und dort mit einem Vorhang zu wehen an einem offenen Fenster.

Protokoll | link | 29. September 2006