Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Warten auf die Nacht, in der die Luft aufhören wird, dein Feind zu sein.

[Aus der Reihe: Jahreszeiten & Revolte]

Link | 21. März 2005, 14 Uhr 14


Vermisstenanzeigen: Der grelle ANSI-Zwei-Personen-Chat auf der Wahrsagerinnenkugel. Mit albernen forellenbezogenen Makros und dem heißen Gefühl, gerade zwölf teure Pfennig pro Minute zu verbraten.

Link | 17. März 2005, 3 Uhr 12


Nicht edel. Auch: Noch nicht einmal richtig selbstgerecht. Eher vom schleichenden Gift des Privaten vergiftet. [Jedenfalls sehr unzufrieden. Ach, man könnte verzweifeln an diesem Medium. Man sollte es endlich mal tun. Verdammt, was sind Texte faul. Wenn man eine Webseite waschen könnte oder einen Netz-Geist, jetzt müsste ich es tun. Vorhaben: Nicht einlassen, auf das Private, man hat selbst zuviel davon, als daß es körperlos mitteilbar und empfangbar wäre, jedenfalls nicht mit Gelegenheitstexten, zuviel Verletzlichkeit an den Buchstaben und man weiß nie, ob es nur, oder doch aus Versehen, die eigene ist. Klappe halten, unbedingt die Klappe halten.]

Link | 14. März 2005, 13 Uhr 56 | Kommentare (2)


Na super. Zeitungen kann man nicht lesen, weil da diese infame sogenannte Debatte unter dem Motto „Der Kaiser braucht Soldaten“ läuft. Und Weblogs kann man nicht lesen zur Zeit, weil alle Welt eine Meinung zur kulturellen Relevanz des iPod hat.

Link | 7. März 2005, 3 Uhr 51 | Kommentare (1)


Kieslowski, Bleu.
Rumms.

Link | 4. März 2005, 20 Uhr 14


Erstaunlich, ganz erstaunlich. Weit genug weg, gestellt genug, aufgeladen genug um schön zu sein. (via malorama).

Link | 4. März 2005, 11 Uhr 32


Wenn es nicht so eine Albernheit für kusthuberische Berlin-Schwaller wäre, ich würde tage- und nächtelang U-Bahnhöfe fotografieren. Die groteske Immer-Fremdheit dieser Orte ist ja merkwürdig undurchschaubar. Immerhin haben die Linien starke Persönlichkeiten. Die 7 mit ihren beklemmenden, runden, dunkelbunten Kindergarten-Holzsspielzeug-Geometrien und nie in Betrieb genommenen Bahnsteigen, gebaut für metropole Arbeitermassen, die es nie gab; die 5, sachlich und kalt, mit einem gestiefelten Versprechen wilden Vergnügens. Die 2 schnuffig. Andere Linien, die 6 zum Beispiel, CroBag- und dönerdurchwuchert, verbergen unter schäbigen gelben Kacheln, daß sie aus einer Zeit stammen, in der Architektur ein Versprechen gab. (?)

Link | 4. März 2005, 2 Uhr 35


Blitzverliebtheiten: Das Mädchen in „L’idole“; überhaupt, besonders aber am Fenster, schreibend. Gutes Licht in diesem Film, eine sichere Nummer natürlich, rotlastig, dazu die schmiedeeisernen Balkongeländer, lange leichte Vorhänge, man kriegt mich immer mit dergleichen. (Sie ahnen es, Besucher.)

Schicksale, schwere: Nur das letzte Drittel des Films gesehen zu haben, zu kaufen gibt es ihn offenbar gar nicht, kein torrent ist aufzutreiben, wozu gibt es das verdammte Netz denn eigentlich?

[Wie diese medialen Gespenster manchmal transparent werden, in den leichten, langsamen Filmen, und ein Bild formen vom Mädchenhaften, das wir lieben und fordern, trotzig und über allem und im Zweifelsfall ein wenig tragisch, weil wir uns nichts vornehmeres denken können.]

Link | 4. März 2005, 1 Uhr 43 | Kommentare (1)


[Dazu auch der Ausruf: „Diese drittklassigen Leben!“ (Überall: Kluge, schöne junge Menschen, kleingemacht von irgend etwas, ohne Stolz, ohne Selbstüberschätzung, ohne Anmaßung und Vertrauen! Ah! Wenn ich dieses Irgendetwas in die Finger kriegte!) So testweise ausgerufen, klingt doch etwas zu groß, piepsegreisenstimmig auch.]

Link | 4. März 2005, 1 Uhr 17


Die Kurve v(t), Verbissenheit nach Zeit, ist ein nagender Sägezahn: Seine steilen Flanken stürzen in jähe Schlünde, wenn ein lange lauerndes, unerwartetes Lachen ihre Stetigkeit schneidet: Zack, fallen sie ab, der Eiswind macht eine Stromlinie um den einsamen Winternachtwanderer; dieser steht, warm und trocken, Schneeflocken zischen links und rechts an ihm vorbei und Klingen ritzen nicht die Rinde, ein breites, fröhliches Grinsen, ein Kraftausdruck, die Käseglocke der Schizophrenen als Fünf-Sekunden-Gnade, dann weiter unter Zementhimmeln bis es vorbei ist: die zehrende, sich aufplusternde Pflicht, der Broterwerb, die Selbsthetze, die leichtfertigen Versprechen; dann die Enttäuschungen; nicht zuletzt auch die eigenen Verbissenheiten, die sich tarnen in Alltag und vertrödelten Abenden und erst auffallen, wenn sie vorbei sind und wenn man achtgibt auf diesen Moment, in dem der Elefant, von dem man sich gar nicht geritten wusste, endlich absitzt.

Es gibt keine Ausrede: Wer nicht pro Woche einen Tag ruhig wird und liest, begibt sich, egal was er sonst tun mag, in Gefahr und Banalität. Das gilt für Menschen (Quallen und Klötze zählen eh nicht) im Allgemeinen, glaube ich, man merkt es ihnen an, ob sie lesen. Man muß ja wissen, was man mit sich tut und geschehen lässt, jede Minute ist eine Entscheidung für oder gegen etwas, man kann sich das gar nicht oft genug wiederholen, man entscheidet eben auch, wenn man sich an sozialen Gummibändern nur durch die Gegend ziehen lässt, dieses und jenes macht aus Bequemlichkeit oder weil man nicht nein sagen will, weil man keine Stille zu ertragen glaubt, warum auch immer.

(Übrigens ist es nicht egal, was man dann liest, nichts ist weniger egal, ich unterschreibe doch nicht den studienrätischen Unsinn vom Wert des Lesens an sich, aber es ist genug gutes Zeug da, es reicht ja für hundert Menschenleben.)

[Rubrik einführen: Tiefsinn galore; Bestseller schreiben: Vollwert-Metaphernsalat aktiv genießen.]

Link | 4. März 2005, 0 Uhr 55


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