Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Heute bei Viva: Erst Tomek (k mehr? k hin, k her) und das Bo, he-yo und so, dann Moderation: Jetzt ganz schwere Überleitung, weil nichts mehr mit Titten-und-Ärsche-Video, jetzt kommt eine, die macht nämlich, u-hu-hu, Kunst.

Sehr lachen müssen: Annett Louisan! (Ganz kurioses Liedchen, das da grade auf Viva läuft. Jede Menge Albernheiten, die in Vers und Musik sitzen wie’n paar Stricknadeln in ‚nem Kondom.)

Schön, schön. Das ist Kunst, Mann. Boheme, was. Käppi drauf. Mich freut sowas ja. Das mögen die Mädchen, die in zehn Jahren dann die Romane schreiben. Hehe.

Link | 25. September 2005, 3 Uhr 23 | Kommentare (1)


Ja, das ist es schon: Wenn man schon irgendwo sitzt und Alkohol in sich hineingießt, soll was auf der Netzhaut bleiben und nachglimmen hinterher. Wenn man dann ein Buch in die Hand nimmt mit einem Leben drin, damit man sagen kann: Ja, so ist das bei dem da, das ist interessant, er scheint ein guter Kerl zu sein, bei mir ist das ja so: – und dann schließt man nur die Augen und da schwankt noch was, irgendwas, und zum Beispiel eben: Eine schwachsinnige Tapete, Wandschmuck wie ihn Menschen machen, die nichts mit sich anzufangen wissen, unpraktisches Licht — das sind alles keine Insignien der Hipness, wie man glauben könnte, keine Waffen in einem Gerangel um Distanz zur Bürgerlichkeit, keine Provokationen, nicht einmal Zitate, nur Nachverwertungen einer optisch gehaltvollen Vergangenheit. Denn die Bilder des junk space bleiben nicht, und wenn sie bleiben, dann als kränkliche Alptraumfluchten; Orte, wo man ausgekratze Joghurtbecher an die Ecken stellt.

Die Frage, ob man sich für ein Urteil auskennen muß, ist falsch gestellt. Man kennt sich nie gut genug aus für ein Urteil. Punkte gibt’s nicht für die Korrektheit — alle ästhetischen Urteile sind gleich richtig — sondern für die Qualität des Gedankens, mit dem es begründet ist. Dabei ist immer interessant, wo die Gültigkeitsansprüche der beteiligten Erwartungen wurzeln und wie fest. Etwas so oder so zu finden: jagut, gerne. Gegen die dreissig Abende im junk space erhebt allerdings niemand Ansprüche, die will niemand so oder so finden, die sind einfach. Das gefährliche am Raum ist, daß man eben keine Schwelle überschreitet, wenn man ihn betritt. Die Tücke des Raums, in dem nichts passieren kann, weil er glatte Grenzen hat, wo keine Bilder sich zu Geschichtsbatzen zusammenklumpen können, ist, daß er überhaupt nicht wahrgenommen wird.

Geschichten sind ein weitgehend monopolisiertes Gut. Die Bewusstseinsindustrie wird gerne behandelt als ein Mittel der Macht, die aber selbst ökonomisch motiviert ist (Marxismusfolgen vielleicht) — müsste man heute nicht sagen, daß die ökonomische längst nicht mehr die primäre Manifestation der Macht ist, sondern der Monopolisierung der Geschichten untergeordnet? Diese ballen und suchen sich das Geld, das sie weitererzählt und formatiert in möglichst vielen Köpfen — während die Räume glattgeschliffen werden gegen die Wildheit der Möglichkeiten?

[Der ewige Verdacht: Das wirklichere Leben ist nicht da draußen. Es existiert nicht. Oder nur in sehr engen Raumblasen. Leben findet vor allen Dingen pauschal statt.]

[Ach, was weiß ich. Nur ist die ewige Metaphysik der Ökonomie unerträglich, darum geht es nicht. Das wesentliche Gut ist das Erlebte, die wesentliche Kontrolle die Kontrolle über das Erleben.]

Link | 25. September 2005, 3 Uhr 05


„Texturbedürfnis“: Verschlungene Ranken auf Rot. Unklare Verhältnisse. Feuchtes altes Papier aus Kisten.

Link | 24. September 2005, 11 Uhr 23 | Kommentare (2)


[Nun schau sich einer diesen Herbsttag an. Wie ich diese Tage liebe. Wenn mein Leben in einer Hinsicht verlässlich ist, dann ist es in seinem Sinn fürs Groteske.]

Link | 17. September 2005, 14 Uhr 44 | Kommentare (1)


Ach, die Zeit, als die Hauswände noch dreckig sein durften.

[Self-Improvement is masturbation. Now self-destruction…]

Link | 16. September 2005, 10 Uhr 56


Kinder der Liebe?
Kinder der Lebensplanung.
Zum Kotzen ist das.

[weblog entry stack processing. pop! pop!]

Link | 16. September 2005, 10 Uhr 51


Seltsam: Meine völlige Sicherheit, in diesem Leben nochmal nach Stromboli zurückzukommen. Diese schwarze Spannung mitten im Mittelmeer. Auslieferung. Sonne. Schilf. Stille. Eine verfluchte, unerträgliche, großartige Stille über der Brandung.

[weblog entry stack processing]

Link | 16. September 2005, 10 Uhr 50 | Kommentare (1)


Wieder am Netz, und wie mühselig die Versuche, das ohne elektronische Kommunikation und Telefon komplett implodierte alte Leben wieder aufzunehmen, die Liste der Dinge die, undsoweiter.

Ersatz-Voyeurismus: Vier Wochen ohne Weblogs und ich interessiere mich für die Leben meiner Nachbarn, die da drüben ohne Vorhänge ihre Jungleute-Leben führen und für die ich nur ein dunkles Fenster in der langen Front auf der anderen Straßenseite bin; die Verlockung, ihnen zuzuschauen, ihre T-Shirts zu entziffern, sie beim Rauchen oder Lesen auf dem Balkon anzuschauen, wenn sie stillhalten und entspannte Privatgesichter zeigen, ein PowerBook auf dem Schreibtisch und zwei Bier. Hin und wieder: Eine unbedeutende, immerhin rare und also wertvolle Nacktheit oder eine lange Umarmung und die Andeutung einer fordernden Berührung zwischen zwei Küssen. Und totale Stille dazu. Völlig unmöglich, wegzuschauen.

Das hat mit Sehnsucht zu tun und mit der Chance für Projektion, es ist dasselbe wie hier im Netz: Die stillen Lebensfetzen dieser schönen Menschen lassen sich leicht zu Glück kombinieren — zu einem Glück, an dem nicht teilzuhaben ist, weil man alleine am Fenster steht und nichts tun kann. Abgesehen davon, an einem Glas Wasser zu nippen und zu versuchen, das alberne und aufdringliche Wort „Scheitern“ aus dem inneren Monolog herauszuhalten.

Link | 16. September 2005, 10 Uhr 45


Unter leichtem Wirbel der Pauken und zischelnden Streichern müsste es daherwalzen, lange, absolut ansatz- und unterbrechungslos, ein mühseliges schauerhaft anschwellendes Dröhnen ohne Ziel und Ende, donnernd und dringlich über die Ebene stürmen, in einem stundenlang verhaltenen Ausbruch schierer Gewalt, daß man nur niedergedückt in den Sitzen liegen könnte und schließlich ein geknirschtes „Gottverdammt“ hervorbringen.

[Immer noch kein Netz und kein Geklingel. Geradezu ungesunde Viel-Leserei. Und klassisches Aus-dem-Fenster-starren. Prompt schöne nackte Frauen auf dem Balkon und ein ausgewachsener Brand gegenüber. Ärger: Kein Verfasser angegeben zum überraschend guten Nachwort in der Reclam-Ausgabe von „Gegen den Strich“. Ja. Ich hab das jetzt auch gelesen, das lesen ja spätestens jetzt alle. Als Roman doch eher uninteressant, aber: Tolles Nachwort.]

Link | 13. September 2005, 22 Uhr 45