Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

[Nebenbei:]

Menschen, die ich persönlich kenne und die heute durch zum Teil obskurstmögliche Synchronizitäten im Web an mir vorbeigeschwommen sind:

Karol P*trykus (Falls er’s ist, ich bin mir beim Nachnamen nicht sicher, aber die Parameter stimmen. Bei der Suche nach Dath-Rezensionen. Die Seite kannte ich schon seit Monaten.)

Lisa Th*lheim (Irre. Google-Referrer, draufgeklickt, erster Treffer.)

Florian H*lzhauer (CCC? Lawblog? Spreeblick? Moment, der H*lzhauer?)

Elmar Lind*n (Einmal wo draufgeklickt…bang, BrightSide, 95-99. gestatten: 2:2487/9007.5)

[Was zum Teufel bereitet das Universum da vor? Parnoia! Paranoia!]

Link | 29. Oktober 2005, 1 Uhr 39


Oder anders: 27. In praise of Character in the Bleak inhuman Loneliness

Link | 27. Oktober 2005, 16 Uhr 04


In unserer Ecke der Weblogwelt ist es derzeit ja eher ruhig. Deswegen mache ich mich gelegentlich auf, um woanders Seiten zu finden, auf denen man was lernen kann.

Jedesmal komme ich enttäuscht zurück von diesen Streifzügen durch die Blogrolls anderer Leute. Natürlich gibt es die Seiten an der Wahrnehmungsgrenze, von denen ich schon weiß: Die sind gut, die ich aber nicht regelmäßig lese. Das sind die Lichtblicke. Dann gibt es Seiten, die nett sind, aber unbedeutend, was nichts anderes heißt, als daß sich da Leute für andere Sachen interessieren. Dann die schlechterdings schlechten Seiten der Dummköpfe, Eitelköpfe, Wannabe-Literaten, Kids und Selbsthasser — die sind auf den ersten Blick zu erkennen und egal. Erschreckend viele Weblogs sind aber von dieser Sorte, vor der man eigentlich nur Angst haben kann. Schon ein paarmal habe ich mich deswegen hier aus dem Fenster gelehnt und Unverständnis geerntet, auch bei den großen Weisen des Geschäfts.

Also noch einmal der Versuch zu erklären, warum das alles so gruselig ist, und wieder ohne Zeiger auf jemand bestimmten.

Ich glaube, es geht um einen Jargon der Kälte. Nun bin ich sehr für’s Kühle, mag keine Sonne und blasse Haut viel lieber als braune, schätze es, wenn Menschen kontrolliert sind und erwachsen und zurückhaltend. Ich mag totalitäre Architektur, steife und klare Ästhetik jeder couleur; dabei war mir die Welt schon immer zu farbig und organisch, und am Winter freut mich die allgemeine Komplexitätsreduktion, weil das Laub weg ist, der Krach abnimmt und alles ein wenig ernsthafter wird.

Aber: Diese Kälte steht in einem… nun, dialektischen Verhältnis zu den Dingen, gegen die sie aufgestellt ist. Für sich allein wäre sie furchtbar, aber sie ist Schutz gegen zu viel Wärme, also Bewegung – dazu muß die Bewegung aber da sein. Soweit, so selbstverständlich.

Hinter dem Jargon der Kälte ist keine Bewegung und keine Wärme erkennbar, und das macht ihn so unheimlich. „Knutschen auf einem Schlafsofa“ ist eine sehr technische Beschreibung dessen, was da vorgegangen sein mag. (Fragen Sie sich: Würde ich so etwas schreiben?) „Gepflegt und züchtig fummeln“ macht Gänsehaut. (Frage: Was für einer müsste ich werden, um so etwas zu schreiben?)

Interessanterweise sind es fast immer Frauen, die diesen Jargon sprechen — der männliche Jargon der Kälte ist viel älter und wird höchstens noch als Provokation gebraucht.

Ziemlich sicher bin ich übrigens, daß da nicht fiese Ganzkörpereisklötze am anderen Ende der Leitung sitzen, sondern daß es bei diesem Jargon um Ironie und Distanz geht: Wenn schon Privates berichtet werden muß, dann wenigstens ohne innere Beteiligung und als Konstellation von Technologieproblemen und Sitcom; in diese Sorte abfälliger Formulierungen gesetzt, die für schnelle Lacher sorgen und die man schon länger aus den klassischen Vorlesetexten kennt. Natürlich entschuldigt das nichts, die Jargon-der-Kälte-Texte sind unwiderruflich so häufig wie scheußlich, und deswegen gelobe ich Besserung und les‘ wieder hier in der Ecke derer, die das nicht nötig haben.

Link | 27. Oktober 2005, 13 Uhr 58 | Kommentare (4)


Der beste Moment ist immer der vor dem totalen Chaos.

Link | 26. Oktober 2005, 2 Uhr 14


the faintness that you feel / is nothing permanent… von wegen, seit Tagen geht das schon so, ou-wouwouu-wou-o-o-wou-wou-wou, was ist nur mit dem inneren Monolog passiert, fällt mir auf, liegt das an der Schlaflosigkeit oder dem Alter oder dem seltsam elektrischen Zustand der letzten Wochen, (zischt & zirpt),
vielleicht solltest du dich konzentrieren, wie früher, als alles klarer war, sumpfig geworden oder was? Ausformulieren den inneren Monolog, mit klaren Wortgrenzen und fast gültiger Grammatik wie früher, Zwang zur Klarheit auch in den Leerlaufmomenten, junger Mann auf dem Weg zum Erfolg oder so, jedenfalls einer, der mit kleinem Gepäck reist, der reist, das ist doch was, nur, velvet voices, haunting slow / darkened nooks, with bright decor, etwas ist in Unordnung, Zeit für darkened nooks eigentlich, etwas, klick, nochmal, klick, scarlet boots, the kiss of death, kiss of death, hier mein Koffer und dort unten the kiss of death, alle paar Minuten, nicht rot, aber öfter tödlich, Hannover ist seltsam, aber dieser Bahnhof sehr gut zum Warten, velvet voices, haunting slow, velvet voices, velvet voices, das könnte es sein.

Link | 23. Oktober 2005, 4 Uhr 05


[2005ff: Der Sinnesdaten-Aufruf-Eintrag.]

Link | 20. Oktober 2005, 4 Uhr 07


Vergessen: wie sich ein Apfelbaum anfühlt. (Und daß man denkt: Wenn man den einen Faktor im Leben festmachen könnte, der für größere Vertrautheit mit Apfelbäumen — und dergleichen natürlich — sorgen könnte, es wäre unbedingt ein besseres Leben. Dergleichen? Ja. Steinmauern in der Sonne, trockenes, hohes Gras und Kiefern. Geruch von moorschwarzem Wasser und beim Auftreten zitternde Erde voll Wurzeln. Oder Laub, Laub und Fieber, ein roter Band, ein blaues Band.)

Den Rücken müsste man frei kriegen. Nichts mehr zusagen, was zehrt und vereinnahmt, oder endlich anfangen, wortbrüchig zu werden. (Es gibt verschlingende Tätigkeiten und erhebende. Die ersten zu meiden und die zweiten mit Verve zu suchen, so geht das.)

[Rückzug? Das entscheidende genug gegen das verschlingende Tun meist. Oder die plötzlich ausbrechende Furcht vor der drohenden Verblödung, das auch gern. Kaum macht man eine Weile die falschen Sachen, zack, schon verblödet, und da kommt man dann ja nie wieder raus. Völlig unterschätztes Moment der Verhaltenssteuerung.]

[[Obwohl: Verblödung in style, das wäre auch mal was. Zum Beispiel einen einstündigen sinfonischen 100-Mann-Brecher monatelang am Stück hören und überhaupt nichts anderes mehr machen, bis man entweder völlig ausgeschliffen ist davon oder die Welt merkt, daß man nicht immer nur fordern kann von einem konsequenten Menschen, und beginnt sich zu benehmen.]]

Link | 20. Oktober 2005, 4 Uhr 05 | Kommentare (1)


1. Das Wiederlesen eigener eiliger, aber erst fünf Minuten alter Mails macht einen ja kurzerhand zum kompletten Analphabeten. Gesendet-Ordner, du grünender Garten der Peinlichkeiten. Wie sieht das denn aus.
2. Der Intercity von Berlin nach Osnabrück ist ein Ort, wo man sich hinsetzen und lesen kann. Und Quatschmusik hören, nach den Mädchen schielen und durch die dunkle Tiefebene brausen. Mehr echte Gründe für’s Herumfahren sollten sein.
3. DER FREUND No. 5 ist wieder hervorragend. Kracht und Nickels Tschernobyl-Fahrt; groß, ganz groß. Und die unbeantworteten Briefe und die Kritiken, vor allem: Juli Zeh.

[Nebenbei.]

Link | 18. Oktober 2005, 3 Uhr 07 | Kommentare (1)


„This seems somewhat symptomatic for the whole so-called „new media“ cyberkitsch, and I wouldn’t be too sad if these were the signs of its ultimate collapse and vanishing. I wouldn’t be surprised if in one or two decades, people will consider „new media“ retrofuturist camp, just as „cybernetics“ before.“

(Florian Cramer auf nettime, als Kommentar hierzu . Auch der dort verlinke The-Register-Text zu Clocky ist in derselben Hinsicht interessant.)

Selten bin ich so vollkommen anderer Meinung gewesen und gleichzeitig so überzeugt davon, daß das klug gesagt ist, wie in diesem Fall. Was bedeutet, daß die Verhältnisse enorm konfus sind.

Warum das klug ist: Der Hang zum camp bei Neuen-Medien-Leuten ist unbestreitbar, und er Hang zur retrofuturistischen Sorte noch viel unbestreitbarer. Das Gesindel, das die neuen Medien groß gemacht hat, hat die alten Medien ruiniert nicht durch bessere wirtschaftliche Leistung, sondern schlicht durch jene Infiltration mit Dummheit, gegen die die alten, auf Bildung und Respekt gegründeten Institutionen so schlecht gerüstet sind.

Warum das so unwahrscheinlich falsch ist: Hier kämpft die Informatik der Hacker gegen die Informatik der verspielten Seelen. Die Hacker-Kultur der wahren Informatik muß die neuen Medien schon deswegen verabscheuen, weil sie so dezidiert amoralisch sind und die Welt nicht mit freier Software o. dgl. erlösen, sondern sich von finsteren Imperien Spielereien bezahlen lassen — anstatt Computer einzusetzen, wie es sich gehört: Anders, als sie gedacht waren, vor allem aber bitte anders, als sie von den Bösen gedacht waren.

Ironischerweise scheinen die Advokaten der „richtigen Informatik“, der Hacker und der Usenet- und Gopher-Insider, ethisch immer und immer wieder vom retrofuturistisch-campigsten, was die Popkultur zu bieten hat zu leben, von Star Wars nämlich. Denn gegen die Arbeiten des MIT Media Lab ist nichts einzuwenden, außer daß sie nach den Regeln des bösen Imperiums „Medien“ funktionieren (und, und hier zeigen richtige Ressentiments ihre Fratze, der richtigen Informatik Forschungsgelder abnehmen, wie der Register-Artikel zu „Clocky“ behauptet — der übrigens verlogen ist bis ins Mark. Schließlich spricht er über Clocky, aber nicht über proce55ing, und wirft dem MITML dabei vor, mit verspieltem Unsinn Aufmerksamkeit erregen zu wollen).

Cramer selbst muß man allerdings ernster nehmen. (Ich begründe das nicht weiter, sondern verweise hierauf .) Seine Polemik gegen den Cyberkitsch wurzelt, so scheint mir, philosophisch tiefer: In der Überzeugung, daß jede Behauptung von Möglichkeiten aus der Komputationalität der Welt aus einer jahrhundertealten Denktradition stamme, die ihre Versprechen nie einlösen konnte. Die Möglichkeiten aus ausführbarerm Code sind für ihn vor allem ein Raum kultureller Imagination.

Das ist zweifellos eine richtige Beobachtung. Wir befinden uns im Raum der Imagination — nur sehe ich das Problem damit nicht. Cramer scheint an einer Stelle im genannten Text darauf abzuheben, daß beispielsweise KI-Forschung keine richtige empirische Forschung ist — was stimmt. KI-Forschung spielt, ebenso wie die Arbeit, die am MIT Media Lab gemacht wird, mit kulturellen Imaginationen, sie hat keinen hart empirischen Forschungsgegenstand. Es ist großartig.

Bleiben die ästhetischen Urteile. Nun: cyberkitsch und retrofuturist camp, dazu empfehle ich einen Blick auf Cramers eigene Seite — ob das Insistieren auf gopher weniger oder mehr cyberkitsch ist als die grenzenlose Technologiebegeisterung von Wired und Konsorten würde ich nicht zu entscheiden wagen.

(Übrigens: Kybernetik? retrofuturist camp? Das Wort vielleicht.)

Link | 16. Oktober 2005, 17 Uhr 00


35mm

9mm

Link | 10. Oktober 2005, 0 Uhr 11 | Kommentare (1)


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