Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

The Middle East Business Report on BBC World:

Die Nachwirkungen einer üblen Nacht ließen mir heute nur die Möglichkeit, vor dem Fernseher abzuwarten, bis es spät genug zum Schlafengehen werde. Wenn die Nerven dünn sind kann man bekanntlich nur BBC World ertragen, und da war er also: Der Middle East Business Report von der Luftfahrtmesse in Dubai. Scheichige Airline-Chefs, die von zweistelligen Wachstumsraten schwärmen, glücklich grinsende Boeing-Schlipse, dazu ganz klassisch Abenteurer-Typen, die ihr Glück mit dem Vertrieb und Verleih von Privatjets („Execu-Jet“) machen; dann Werbung: Qatar Airlines, the world’s fastest growing airline; Luxus, Qatar als Hub der Welt; Persien preist sich danach selbst als Paradies; dann wieder redaktionelles Programm: Offstimme berichtet begeistert von Irans Atomprogramm, das dazu führe, daß die Golf-Regierungen ihre Militärbudgets aufstockten und in modernste Kriegstechnik investierten, Bilder von neuen südkoreanischen Kampfjets, dann ein O-Ton vor einem Messestand, auf dem über schmissigen Bildern von anti-aircraft-artillery „Total Battlefield Domination“ steht in Typographie, die man sonst nur vom Titelblatt der Gamestar kennt; ein paar in Feuerbällen zerplatzende Flugzeuge, alles schnell geschnitten, hysterisch moderiert und enorm bunt, es war sooo geil.

Link | 26. November 2005, 18 Uhr 03 | Kommentare (2)


Notieren: Später November 2005. Die Woche, in der das Pro7-Programm tatsächlich noch eine Spur schleimiger wurde als das von RTL.

[Tatsächlich! Unglaublich.]
[Das Ende der kleinen Simpsons-Ablenkung]

Nachtrag: Ein Google-Referrer behauptet heute, meine armen Vigilien seien hierzu related. O yeah!

Link | 24. November 2005, 18 Uhr 30 | Kommentare (1)


(hehe, fein)

[css-Intertextualität für halbalte Hasen]

Link | 24. November 2005, 15 Uhr 12


Ich bin ertappt: Mein Windows läuft mit „Classic“-Stil. Hatte ich vergessen, bei der Installation so eingestellt und vergessen. Dann, nach dem Ertapptwerden, das andere Zeug probiert. Mein Gott. Verläufe, 3D-Trompes, Reflexionen, Schatten und der ganze infantile Mist, bloß weg damit; schlimm genug, daß schon die XP-Icons für den Geschmack von dreijährigen Amerikanern gemacht sind und aussehen, als müsse man sie sofort lutschen und feststellen, daß sie nach Erdbeeraroma schmecken. Der größte Knaller ist das Firewall-Icon, ein freundliches Ziegelmäuerchen, über das schamhaft der Erdenball linst.

Die Augen am Mac ausruhen wollen und festgestellt: Die wissen, was sie tun bei Apple, wenn sie metallener werden, zur Zeit. Die Aqua-Scrollbalken machen aber Brechreiz, selbst wenn man ihnen, wie bei mir hier, wenigstens die Farbe abnimmt. Die ganze falsche Dreidimensionalität und die Knuddligkeiten aktueller Anwendungen hängen mir dermaßen zum Halse heraus — das war alles schon immer ein Irrtum.

Gegen Schatten-Ebeneneffekte bei Buttons wettere ich schon, seit sich diese Pest mit der Photoshop-Proliferation vor fast einem Jahrzehnt im Web verbreitete und bis heute nicht wieder auszurotten ist. Aqua mochte und mag ich trotz 3D-Quatsch, aber wohl nur im Vergleich zur Knuddel-Konkurrenz oder den inkonsequenten Untaten der KDEler.

Effekt-Bullshit wird gemacht, weil er geht. So ist das nunmal. Ob etwas gut und frisch aussieht oder nicht hat damit aber nichts zu tun. Eine GUI nach meinem Geschmack käme ohne Schreibtischmetapher und Icons aus, wäre nicht ein Tisch mit hierarchischen Aktenkästen drauf, sondern die Oberfläche eines Informationssees, aus dem Information und Interaktion quasi auftauchen. Weg mit der Vielfensterei und also: Weg mit den Schatten. Das Geschehen spielte sich auf überwiegend leeren Flächen ab, auf denen immer genau das passiert, was gerade passiert (ein Weblog-Eintrag — sonst nichts. Gar nichts.) Die Optik wäre mehr von Typographie, Flächen und Abständen bestimmt als von Effekten. Zwei, drei Farben gleichzeitig, mehr nicht, die aber veränderlich wären. (Man stelle sich ein Interface vor, das sich „aufwärmt“, wenn man mit ihm arbeitet, also mit beginnendem Flow farblich wärmer wird, beweglicher, schneller, und mehr Information einblendet.)

(Ich will kein simuliertes Büro in meinem Rechner. Ich will einen Wald, einen See, eine Ebene. Etwas, wofür ich gemacht bin. Eine andere Art der Produktivität wär’s vermutlich schon, eine andere Art der Effizienz, manche Sachen würden länger dauern, bestimmt, aber es würden auch ganz andere Sachen passieren, wenn die Oberfläche Teil eines Prozesses werden würde, nicht nur ein schnelles, aber gern sperriges Werkzeug der Exekution, eine bürokratische Maschine.)

[Folgen des 3D-Ekels]

[Der Umgang meiner Mitmenschen mit Farbe ist mir meist ein Rätsel]

[„Wo hast du deine Designkenntnisse her? — aus der brand eins?“ — nein, ich bin ganz kenntnisfrei. Gottlob. Die brand eins sah aber, glaub‘ ich, gut aus, als ich sie in seligen Tagen zuletzt, Obacht: schaute.]

Link | 24. November 2005, 14 Uhr 50 | Kommentare (5)


Das sogenannte Praktikantenkomma ist ein Komma, das an verräterischen Stellen vergessen wurde. Taucht ein Praktikantenkomma auf, weiß man, daß man es bei einem Text, meist aus dem Online-Journalismus, mit einem Praktikantentext zu tun hat. Ein Praktikantentext ist ein Text von einem Praktikanten. Ein Praktikant ist entgegen landläufiger Meinung kein unfertiger Journalist auf Probe, sondern ein unsympathischer junger Mensch auf Dauer, der reinkommen will.

Man kann diese Leute nachs auf dem S-Bahnhof Schönhauser Allee herumschreien hören, wo sie in ihr Mobiltelefon beteuern, wie schwierig es sei da reinzukommen, denn diese Leute wollen immerzu irgendwo reinkommen, wo man eigentlich gar nicht reinkommen kann, wenn man nicht, wie diese Leute, grade eine ganz tolle Frau kennengelernt hat auf einer Party, und jetzt kommen sie da doch rein. Und während sie ihrem Mobiltelefon schreiend mitteilen, wem sie ihr verqueres Stück Hirn nun wieder angedreht haben, purzeln sogar beim Sprechen die Praktikantenkommas auf den Bahnsteig.

[Bitte, treue Tagesschau, Bollwerk gegen den Boulevard: Ja, auch das Schlußlich soll keine Praktikantenkommas enthalten. Bitte keine Praktikanten mehr reinkommen lassen oder doch zumindest lesen, was die so machen.]

[Textsorte „Alphonsismus ohne Radio-Du“]

Link | 17. November 2005, 12 Uhr 23 | Kommentare (5)


Die staubige Piste aus roter Erde, Stücke von Geröll und die niedrige Sonne über dem Tee.

Nachtrag, Bruch: („Wollmer Brüche? Wolln sie an Bruch?“, Hader)

Karst. Findling mit Flechten und niedrige Nadelhölzer. Abhang mit vereinzelten Büschen, weißen Steinen, niedrigem Gras, in einer geschützten Ecke auch einige lange Halme. Cirrus, sonst nichts. Schafgarbenskelette vom letzten Jahr. Und Wind, dort oben auf dem Findling, Wind ohne bösen Willen und Griff, kräftigt, nur kühl, williger und sanfter Diener im Sonnenschein, der lautlos feine Seide aus dem Gesicht trägt und in Augenblicken des Übermuts über den Abhang hin flattern lässt.

[„Augenblicke der Übermut„? Besoffen oder was?]

Link | 13. November 2005, 16 Uhr 20


Ich verstehe Anmaßung. Es handelt sich dabei um eine witzige und unschädliche Technologie: Man spielt sich der Welt gegenüber größer und wächst in der vergrößerten Antwort der Welt. Das macht Spaß und es gibt keinen Grund, auf Anmaßung zu verzichten.

Was ich nicht verstehe und nicht ertrage, ist intellektuelle Anmaßung. Das ist Großspielen gegen sich selbst aus purer Eitelkeit. Es macht Zornkrämpfe im Magen, wenn man Leuten zuhört, die nett und klug sind und es im akademischen Spiel weit gebracht haben — und die dann in einer lustigen Lästerrunde wechselseitiger Bauchpinselei auf Sprachen, die sie nicht sprechen, herumhacken. Da wird dann auch schon mal Foucault für „irrational“ erklärt, ohne Angabe von Gründen, ich fürchte: Weil er Franzose ist und Philosoph und als solcher auch nicht den zwanzigsten richtigen Beweis führt, daß Qualia Quatsch sind, sondern sich ein gefährlicheres Arbeitsgebiet ausgesucht hat.

Daß es Wissenschaftssprachen gibt, in denen nur Unsinn geredet wird, wird da kurzerhand zum Anlaß, alles für belächelbare Universitätsbetriebs-Auswüche zu nehmen, was sich nicht auf die Begriffe der eigenen Sprache einlässt. Übersehen wird, daß derartige Schein-Radikalitäten selbst nur Folgen des spezialisierten Betriebs sind, weil sie entweder geteilte Begriffe zugunsten „härterer“, aber nicht mehr übersetzbarer Begriffe preisgeben oder bloße Trivialitäten in strengen Begriffen gegen Strohmann-Feinde ins Feld schicken. Die Zahl der Beweise gegen Dummheiten, die man nur selbst ausgesprochen hat, ist ja jederzeit größer gewesen als die der Nachweise fremder Fehler.

Zwischen der notwendigen Verdammung von dummem Zeug und der Verabsolutierung des eigenen Jargons führt aber ein schmaler Pfad der Aufmerksamkeit.

(Aufmerksamkeit aber, nebenbei, in beide Richtungen: Wenn Dietmar Dath über Foucault lacht, weil dieser die Formulierung „unendlich irreduzibel“ gebraucht, weist er damit auf einen sehr richtigen Punkt hin: Die Geste der kritischen Philosophie gegenüber der Naturwissenschaft ist zu groß, als daß sie nicht gelegentlich begeistert über die Unsinnskante schlittern müsste.)

[Weil das interkulturelle Kommunikation ist, zwischen verschiedenen Wissenschaftssprachen. Die Behauptung von eigener Überlegenheit ist in einem solchen Setting bekanntlich immer ebenso richtig wie dumm.]

[Von der unermüdlichen Verkündung bekannter Wahrheiten]

Link | 12. November 2005, 17 Uhr 12 | Kommentare (3)


Ausfallstraßen machen auch nachts Krach, auch ihre Anfänge im Herzen der Stadt. Die Feuerwehr tut sich darauf wichtig und die Polizei probiert gelegentlich, ob die neuen amerikanischen Jaulsirenen vom Bürger auch ernst genommen werden.

Nachts entwickeln Ausfallstraßen aber trotzdem Qualitäten. Sie liegen da. Aus gelben Bogenlampen beleuchtet, einen Grünstreifen mit Parkbänken in der Mitte unter Bäumen, deren feine Äste keine Blätter mehr haben. Sie liegen da, hoch aufgelöst, schwer, tief unten, ruhig.

Und absolut detailversessen. Sie zeigen mit jeder erdenklichen Klarheit jeden Kiesel, jedes gelbe Blatt, den kleinen schrägen Schatten von Gußeisen und eine Plastiktüte mit überkomplexer Innenstruktur in einem Ast. Das Licht, das gelbe Licht, hat einen eisernen Griff. Wenn es braust, drückt sich ein Fahrzeug durch den Honig, das Bild wird unscharf, setzt sich wieder. Wenn einer schreit, sieht man ihn nicht. Man kann so schläfrig sein, wie man will, das Bild bleibt immer wach, klar, aufgeputscht. Weil das gelbe Licht schon das Licht der Tankstellen ist, die draußen warten, und warten, weil sie nichts anderes gelernt haben.

[Vom Genau und seinem Komplementär Belang]

Link | 12. November 2005, 0 Uhr 09 | Kommentare (3)


Wenn nur jemand clover sagt: Ach! Man muß einfach alles mit clover drin mögen, alles.

Link | 11. November 2005, 2 Uhr 10


Gregory Crewdson (Scrollen!) und mehr fantastisches Zeug am flimmernden Rand der Wahrnehmung.

Nachtrag: Fenster!

(Wow!)

Link | 4. November 2005, 16 Uhr 32 | Kommentare (2)


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