Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

[Mein Personal-DNA-Profil sieht ja aus, als ob vier finstere Riesenkästen einen Haufen bleicher Strichlein unten aus der Box drängen wollten, und zwar mit viel Gewalt.]

Link | 15. April 2006, 11 Uhr 32


Ich habe nicht die Gewohnheit, mir etwas zu gönnen. Ich kaufe das Nötige (und erstaunlich viel ist nötig) ohne Rücksicht auf Preise, wenn es gerade geht. Aber nichts kaufe ich je mit dem Gedanken: Man muß sich schließlich gönnen.

Nie kaufe ich alleine ein Eis. Ich empfände das als falschen Luxus: Man fühlt einen nutzlosen und übermütigen Lustkauf, bekommt aber nur öden kalten Brei oder mit Früchten aufgebrezelten Schmorkes in scheußlichen, hohen Gläsern.

Auf dem Flughafen von Mailand jedoch überfiel mich ein Leichtsinn, der sich Bahn brach in der Entscheidung, aus dem Automaten ein Eis zu ziehen. Leise summend stand er zwischen 40 leeren, anthropomorphen Rückenlehnen im weißen Kunstlicht.

Zäh mit Knien wie Kaugummi lurchte ich heran und wählte eine Wahl: Magnum, italienische Version. Doch mein Geld fiel durch. Auch eine zweite Münze kullerte hohl durch die automatischen Eingeweide. Über dem Einwurfschlitz stand in verblichenem, zittrigem Kugelschreiberblau: „does not work“.

Auf dem Flughafen von Mailand schläft eine dichtgedrängte Batterie falscher kleiner Luxuspakete einen ewigen, unstörbaren Kryo-Schlaf, bei -26°.

[brownscher Pfeifton]

Link | 12. April 2006, 0 Uhr 24 | Kommentare (4)


Als Monochrom uns damals hiermit vergnügten, konnten sie von Web 2.0 nichts wissen. Seit man in der Zukunft aber die großen Versionsnummern zählt, verfolgt mich der Plan, einen kleinen Dienst zu schreiben, der aus Webseiten richtigen Hypertext macht, ihn also komplett mit semirandom-Google-Resultat-Links unsichtbar unterlegt, und wenn man auf ein Wort oder irgend etwas klickt, kommt man irgendwo heraus, der schrillen Gnade des random rhizome surfers wollüstig ausgeliefert.

Ich stelle mir die leuchtenden Augen der Medienwissenschaftler vor. Und wenn ich dann noch fast bildschirmfüllend große Lego-Duplo-Knöpfe mit 3D-Farbverläufen darauf anbächte, kämen die Nutzer in Scharen und am Ende müsste mich Google kaufen, damit ich mit dem gefährlichen Unsinn wieder aufhöre.

[Ich hätte in Stuttgart oder Karlsruhe was mit Medien studieren sollen]

Link | 11. April 2006, 11 Uhr 38 | Kommentare (1)


[Habe dann doch auch selbst noch Photos gemacht, aber nur von der Bizarrerie eines Rückenlehnenwaldes auf dem Flughafen von Mailand. Widerlegt.]

Link | 10. April 2006, 1 Uhr 07


„Die Begriffe, schien ihm, sanken herab. Wie hatte zum Beispiel Meer auf ihm gelegen, ein sprachlicher Bestand, abgeschnürt von allen hellen Wässern, beweglich, aber höchstens als Systemwiesel, das Ergebnis eines Denkprozesses, ein allgemeinster Ausdruck.“

Benn, Die Insel

Link | 10. April 2006, 0 Uhr 36


Das hebt und senkt sich: Schwarze und gleißende Flecken wandern mit weichen Rändern, Grübchen und Hügel auf Gruben und Bergen; darunter die Rücken winziger, regloser Fische. Ein paar Zentimeter unter meinen Sohlen schlagen die größeren Hebungen an, präzise beachten sie die Algengrenze, nur hin und wieder patscht es satt und ein einzelner dicker Tropfen springt los. Eine unscheinbare Einbuchtung im Stein bringt diese Regularität in die Flüssigkeitsdynamik, die keine Sammlung aus kausalen Pfaden ist, sondern eher ein kausaler Block; ein monolithisches Liquid, das bei Messung kollabiert und sich kausal verhält, einen Pfad preisgibt, oder eher, … (bricht kichernd ab)

Menschen auf der Mole: Herren im Gespräch, paarweise, in gesteppten Jacken, genau in der Mitte und auf schnurgerader Linie: gemessen. Dann eine Schicht junger Paare, oft mit doppelt festgehaltenem Kind, alle ebenfalls in Bewegung, die Mole ist eine Schleife im Abendspaziergang. Außen am Wasser dagegen sitzen sie ruhig und baumeln nur mit den Beinen, vor allem Mädchen, die gerade nichts tun. Links vier, zwei teilen sich ein iPod und singen halblaut mit; die sind ganz hübsch, unaufregend hübsch, wie angenehm. Zum offenen Meer hin, gegen die Sonne, sehe ich nur Silhouetten, aber drüben auf der anderen Seite liegt glänzendes Haar auf den Steinen und sein Kopf auf ihrer Brust, ihre Finger berühren kaum seinen Hinterkopf; die ganze Zeit über bewegen die beiden sich nicht einen Millimeter.

Die Möwen (natürlich, die Möwen) glühen weiß in einer halbtransparenten Feder-Korona. Und der gelbe Dunst über dem Horizont hüllt den Turm am Jachthafen mit ein und ist also wohl ein Lichteffekt. (Es ist mir herzlich egal.) Das Wasser im Hafen hebt sich und senkt sich. Es ist so unbegreiflich viskos. — Dabei ist nichts postkartenhaft; überhaupt habe ich da eine Theorie: Nur die Anwesenheit von Photoapparaten injiziert Postkartenhaftigkeit in eine Szene, und zwar nicht in die Bilder, sondern in die Szene selbst, sichtbar auch für diejenigen, die ganz ohne Kamera nur dasitzen. Das ist eine Art Megapixel-Gestank. In meiner Theorie.

[weblog entry stack processing]

Link | 10. April 2006, 0 Uhr 29


Triest. Schickgemachte Hafenstadt ohne Zerfall, vornehm und gutangezogen. Der akute Wahlkampf verläuft außerordentlich sympathisch: Keine Fratzen und keine Parolen am Straßenrand. Ein vornehmer weißhaariger Mensch fährt einen harmlosen braunen Mittelklassewagen durch die Straßen, mit zwei Lautsprechern auf dem Dach empfiehlt er einen Kandidaten, vielleicht ist er es selbst. Ein alter Transporter der Kommunisten steht, rotbeflaggt, aber alleine, an einer Ecke. Daran das einzige Plakat, das ich hier überhaupt gesehen habe: „Resistenza dal 1943″ verkündet eine schon etwas ältere Dame.

Verlaufen kann man sich nicht, das Meer ist von fast überall zu sehen und dort kennt man sich im Zweifelsfall wieder aus, aber schon das wäre nicht nötig; es ist alles licht und leicht und zugänglich, weit und frisch. Ich bin sicher, falls es hier Nebel gibt, ist er zart und wegteilbar wie frischgeschlagener Eischnee. Nicht einmal der Orkan, der hier gestern Motorroller-Domino spielte und schmerzhaften, waagrechten Regen übers Meer in die Stadt hereinschoß, konnte dem allgemeinen Eindruck von Zugänglichkeit schaden: Das wilde Mittelmeer wurde nur noch schicker, bis in den Hafen herein, der breit, leer und ungesichert ohnehin schon harmlos wirkt. Es ist eher ein mächtiger Pool denn ein Kriegshafen. Man behandelt ihn mit Understatement: Da fängt eben das Wasser an, wo die Stadt am hübschesten ist. Allora?

Draußen Frachter auf dem Weg in die industrielle Hinterhofhölle, die ich aus meiner einzigen Nacht in Venedig als irreal bombastische, brennende Drohung am glutroten Horizont in Erinnerung habe.

[Sonst vor allem soziale Überforderung wie immer auf Konferenzen]

Link | 8. April 2006, 13 Uhr 14 | Kommentare (1)


Nach einer Weile ohne Neuinstallation ist die Zuletzt-Gespielt-Spalte bei iTunes für Menschen mit intaktem Gedächtnis und leidlich großer Bibliothek ja eine wirklich tiefe & finstere Grube.

Link | 2. April 2006, 18 Uhr 26 | Kommentare (3)


Der ukrainische Outdoorkoch Vladimir Vilgut… aufge… was? Moment mal. Aufgewacht.

Link | 1. April 2006, 16 Uhr 53 | Kommentare (1)


Was ich auch gefunden habe: Eine Plastikwasserflasche, die mir spontan leid tat, weil sie so ein Underdog war. Zwischen all den arroganten leeren Volvics, die mit der Kraft des Vulkans (die Kraft des Vulkans!) protzen. Dabei hat mich die Troy-Aqua eines Sonntagabends im Januar vor dem ekligen Beuteltee gerettet, der mich sonst erwischt hätte, weil Volvic aus war. Das Underdog-Wasser gab es in einem Spätkauf, betrieben von einem Asiaten. Noch nie ist mir mit solcher Verachtung Wasser verkauft worden wie an diesem Abend, ich weiß auch nicht.

TROYAQUA
Quelle
Stellina
„made by nature“
Abgefüllt: Stellina Quelle
Gewerbepark 1, D-06917 Jessen

Das Etikett  zeigt ein Pferdchen, das den Kopf aus dem Wasser streckt. Es schämt sich für den 3D-Ebenen-Effekt auf seiner Kontur und dafür, daß es so lieblos großgezogen wurde, daß es komplett pixlig geworden ist davon.

Link | 1. April 2006, 16 Uhr 45 | Kommentare (1)


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