Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

… schläft der Krieg und träumt von seiner absoluten Idee.

Link | 13. Mai 2006, 1 Uhr 27


[Berlin, die unbesetzte Sollbruchstelle der freien Welt, im Untergrund durchquert. Die koreanische Touristin trägt Andenken mit sich, sie war im Bauhaus-Archiv. Bei meinem ersten Berlinbesuch vor sieben Jahren war ich auch dort, verschlungen von einer Linien-Selbstverschlingung (Moholy Nagy? Vermutlich.), ahnungslos und besoffen von der Begreifbarkeit der Welt und von mehr Welt, als je begreifbar sein würde. Und die kalten Böen auf dem Campus der Freien Universität; die Wegweiser mit den Fachbereichen, man musste nur irgendwo langgehen, sich eine Villa und eine Wiese aussuchen, auf der man im Sommer liegen wollte mit den Mädchen. Die koreanische Touristin steigt Stadtmitte aus. Draußen im Gegenlicht ein sonderbarer Mann; noch bevor ich beruhigt „behindert“ denken kann, macht er etwas mit seiner Zunge, was ich nie jemanden mit einer Zunge habe machen sehen. Es gibt überhaupt kein Wort dafür. Der Zug beschleunigt (eine akustische und strukturelle Konstante), überfallartig kehrt die alte Besoffenheit zurück, die Fremdheit, die Aufregung, das heilige Zu-Klein-Sein.]

[Zuerst muß die Furcht vor dem Kitsch fallen und dem Pathos. Und dann jagen wir sie hinaus.]

Link | 13. Mai 2006, 1 Uhr 22 | Kommentare (1)


Schwarzer Spiegel:
Und die massige Wand aus Dunkelheit
Die tausenddteilig tobende Feinheit
Der doppelte Trabant ohne Urbild
Kein Flügelschlag
Kein Feuer
Keine Stimme, die das Toben vermisst
Halleluja, leise: Halleluja
Kaum einer kann das noch
Kaum einer traut sich.

Link | 13. Mai 2006, 0 Uhr 49


Trocken. Man kann die gefrorenen Waldwegkuhlen knacken, wenn man sich traut. Eisglatte, knarrende Holzbrücken über ein leeres Bachbett und kaum noch Licht. Halbhohe Vegetationsreste am Wegrand, fraktalverzweigte Stengel, selbst bei Licht wären sie grauschwarz. (Es handelt sich nicht um Schafgarbe.) Die Kälte unklar und leicht, ein Schwebezustand, instabil und kontingent, was mache ich in diesem Wald? — Fremd, ungewohnt fremd, planlos und unbestimmt, halten… behutsam… nicht bewegen… nicht bewegen.

[Who has dressed you in strange clothes of sand?]

Link | 11. Mai 2006, 17 Uhr 20 | Kommentare (1)


Ha! Den Schreibtisch zurückerobert!
Alufolie ist ein geiles Zeug.

[Soviel zum Thema: Endlich Sommer.]

Link | 11. Mai 2006, 16 Uhr 29 | Kommentare (1)


Man sucht sich nur einfach eine Illusion aus.

Link | 9. Mai 2006, 13 Uhr 14


Auch ein Leben: Auf der Suche nach diesen Einstellungen, sinnlosen und leeren Bildern, wie sie hier öfter aufschwimmen, wie dem der langen Reihe frischgepflanzter Bäume an einem schnurgeraden Betonweg zwischen weiten flachgemähten Wiesen; der dünnen schwankenden Stämme mit gelben Drainagerohrkragen. Angedeutet ist das in einem Video von Turner, ich glaube: Been out. Schwer zu finden wäre das vermutlich, eine ideale Ödnis, eine Detektivarbeit für Menschen mit DV, und dann lange stehen bleiben und zusehen und aufnehmen, wie sich nichts verändert.

Vielleicht ist es nur — wieder — die Revolte gegen die allmächtigen Optimierungsprozesse. Da sie sich jeder Konsequenz verweigert, ist sie schwer zu greifen, aber die Irrationalität in ihrer unheimlichen Sexyness blinkt immer fern mit Spiegeln.

A new kind of nonsense: Ohne die Komik des Absurden und Umständlichen, die nur wenige ohne Lahmheit beherrschen, ohne die großen Gesten von Dada; dafür mit einer ausgeschlafenen Halbnaivität, die bei Messung wahlweise vollnaiv oder sehr klug wird. (Vielleicht also auch: Peter Licht?) Natürlich wird man nicht ausbrechen wollen aus der Logik der Optimierung, das wäre dumm, es geht eher darum, in der Revolte zu bleiben und sich eben nicht auf die Seite der Guten zu stellen, sondern gegen das Spiel: Erst dieser Zug verleiht echte Unterlegenheit.

[Katalog der Sehnsüchte und Images]

[Wofür ich jetzt zu müde bin: Die Keller, aus denen die Kunst kommt; und die Türme, aus denen die Optimierung kommt; der ewige und aussichtslose Kampf der Ziellosen, die nur dabeisein und sich wohlfühlen möchten, die Größe ihrer Unterlegenheit, ihre Fremdheit in der Evolution, ihr Unfallcharakter, ihr orgueil. Die Frage: Kann man sich dafür entscheiden, und: wie vermeidet (vielmehr: vermiede) man dabei schlichte Feigheit?]

Link | 9. Mai 2006, 3 Uhr 23 | Kommentare (3)


Gefühlskultur: die nicht so ist wie wir sie wähnen, die es zu erforschen gilt, die vielleicht vor allem um Nüchternheit kämpft.
Gefühlskultur: wie eine Zeit ihr Innenleben konstruiert, welchen Zwecken es dient, was Wahrnehmung tut.

Link | 9. Mai 2006, 2 Uhr 19


Natürlich ist es eigentlich ein Medium der gewaltscheuen Menschen, also der Schwachen.

Link | 9. Mai 2006, 2 Uhr 05


Besonders seltsam an unserer Form der Technozivilisation ist ja, daß wir es schaffen, Technologie als Entzauberung der Wirklichkeit zu lesen, obwohl wir tatsächlich immer mächtiger werden und die ungeheuerlichsten Dinge anstellen können mit der Welt.

Seit wenigstens 20 Jahren ist die alte Transzendenz-Technologie, das Wirken von Zauberern in der Welt, der Neubau der Wirklichkeit, abgelöst durch ein lustloses Technik-Gebossel: Übellaunig und ohne Ziele bastelt der dauerkriselnde globale Kapitalismus an einer lauen Zukunft herum. Der Geist ist den Mitteln der Wirklichkeitsbeherrschung überwiegend ausgetrieben: Erzählungen von einer besseren Welt beschränken sich auf die Behauptung, bei zusätzlichen zwei Prozent Wirtschaftswachstum sänke ein unbestimmtes Paradies aus den Bankentürmen zu uns herab, dessen wesentliches Feature aber zu sein scheint, daß wir nicht für die Polen Spargel stechen gehen müssten.

Wie langweilig.

Link | 5. Mai 2006, 23 Uhr 19 | Kommentare (2)


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