Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Ballard, Concrete Island. Sehr gut. Klärend.

Die Glühbirne meiner Schreibtischlampe, der einzigen Lichtquelle hier, ist gegen vier flackernd und funkensprühend gestorben. Jetzt ist es dunkel, nur zwei Bildschirme und die goldenen VU-Meter des Verstärkers leuchten noch.

Ein Thema, das ich meide, weil es häßlich ist: Macht. (Die Frage: Wer erlaubt sich was gegen wen?) — Nicht, daß mir die Mechanismen fremd wären. Es ist zusammenzufassen in einem Satz, Herrschaft wird etabliert durch Herrschaftsbehauptung, die unsanktioniert bleibt. Diese Spiele habe ich durchaus gespielt, man probiert sich aus. Ich erinnere mich an einen Nachmittag im Sommer, wir befreiten für ein katholisches Ferienlager einen stählernen Industrieherd von zentimeterdicken Fettschichten. Ich sagte, als wir über unsere soziale Situation an der Schule sprachen: Es gibt ein Machtvakuum jetzt. Man muß die Leerstelle nur klug besetzen. Durch die offenen Küchenfenster hörte man das Brummen eines Sportflugzeugs, es roch schal nach Planschbeckengummi. Sie war ein nettes Mädchen und schüttelte belustigt den Kopf. Wir kannten uns erst seit einigen Tagen. Daß ich damals keineswegs alpha war, war uns beiden klar. So zu reden war Anmaßung, aber die folgenden Jahre bis zum Abitur gaben mir Recht. Zwei Jahre nach meinem Abitur traf ich sie zufällig vor dem Kino, wir wollten in denselben Film und kamen also nebeneinander zu sitzen. Sie raunte mir ein sehr eindeutiges Angebot ins Ohr, kaum, daß es dunkel geworden war.

Natürlich ist im Sinne der Zivilisation und des guten Lebens der Machtausgleich weit erstrebenswerter als Machterwerb und Rangkämpfe. Besonders und gerade in Bereichen großer Nähe. Wie jemand mit Schwäche umgeht, das ist und bleibt die letzte Reifeprüfung. Sich unterwerfen kann jeder, eine Unterwerfung vermeiden, eine eigene, obwohl sie sich dem Selbstmitleid anbietet, oder eben die anderer. Unterwerfungen zu vermeiden um jeden Preis: Das ist, was man beim Ausprobieren der Mechanismen der Herrschaft gelernt haben sollte.

[Noch ein paar Monate später entstieg sie, die ich immer noch eher flüchtig kannte, aber eben seit jeher als direkt und aufrecht schätzte, nach einem ungeplanten Bad weißleuchtend einem nachtschwarzen Waldsee. Ich verbot mir den Gedanken daran, wie einfach es möglicherweise wäre.]

Zurück an die Arbeit, heute also im Dunkeln.

Link | 19. November 2006, 18 Uhr 07


held by the holy hand of winter

Link | 19. November 2006, 14 Uhr 41


Mal wieder in die Alpen fahren.

Link | 18. November 2006, 15 Uhr 30 | Kommentare (1)


Schluß mit dem Quatsch jetzt. Pizza essen, Compiler anwerfen, bzFlag spielen. Aussichtslos auf charmante Mails hoffen, endlich mehr Ballard lesen.

[Und Pro 7 ist auch in Ordnung. Gerade läuft Scrubs. Also.]

Link | 18. November 2006, 14 Uhr 47


Übrigens ist Poesie eine Form der Vernunft, insofern darf pure Vernunft ruhig siegen.

[Und umgekehrt. Gute Naturwissenschaft findet Bilder, weil die eleganteste Codierung eines Sachverhalts, um die es in der Naturwissenschaft geht, in einem visuell-metaphorischen Geist wie dem unseren auf Bilder angewiesen ist in der Auswahl dessen, was beschrieben werden kann. Die reine Mathematik für sich allein ist nicht vernünftig, die ist nur richtig oder falsch in dieser oder jener Aussage, bedeutet aber nichts: Als Ganzes ist sie nur einfach sinnlos und da. Erst in ihrer poetischen Anwendung wird sie vernünftig und Wissenschaft. Die Ideen davon, was formal beschrieben werden soll und die Auswahl der formal-vernüftigen Beschreibungen entwickeln sich aneinander. Wer erzählt denn, daß Vernunft immer instrumentell sei und deshalb grundsätzlich gefährlich?]

[Oder anders: Wissenschaft ist immer Fiction, bevor sie Erkenntnis wird. Insofern ist alle Erkenntnis poetisch. Das macht sie nicht weicher oder beliebiger, und es rechtfertigt eben nicht jeden Quatsch.]

[Ach, es hat ja doch keinen Sinn.]

Link | 18. November 2006, 14 Uhr 31 | Kommentare (3)


Mann, hab‘ ich schlechte Laune.

Link | 18. November 2006, 13 Uhr 26


Nida-Rümelins (via) Wahrnehmung der Geisteswissenschaften fand ich ja immer ermutigend in ihrer stolzen Verkennung der Lage.

Daß Geisteswissenschaftler am Arbeitsmarkt nachgefragt seien — ach, wenn es doch wahr wäre. Der Arbeitsmarkt fragt Intelligenz nach, und so mag es so gewesen sein, daß er in besseren Zeiten als den heutigen auch in größerem Stil Verwendung hatte für all die fehlgeleiteten Geisteswissenschaftler, gefragt als solche waren sie wohl nie. Die vermeintliche Amerikanisierung, die jetzt stattfindet, ist nicht mehr als eine Rationalisierung, ein Eingeständnis der Tatsache, daß die Behäbigkeit geisteswissenschaftlichen Forschens ein Luxus ist, den man sich nicht mehr leisten will.

Und so gerne ich Nida-Rümelins Stolz also teilen würde, so falsch scheint er mir strategisch. Anstatt zu erzählen, daß Geisteswissenschaften auf eine verquere Art (z.B. für das PR-Wesen) nützlich seien, sollte man offensiver vorgehen und klar sagen: Sie sind Luxus.

So wie sauberes Wasser, medizinische Grundversorgung und 80 Jahre Lebenserwartung.

Man täusche sich nicht: Allein mit der Sorte Ingenieurs- und Mediengesindel, wie es sich der Arbeitsmarkt wünscht, lässt sich keine Zivilisation machen. Und die Sorte Geisteswissenschaftler, die hinterher auf dem feinen Medien-Arbeitsmarkt eingekauft wird, um bei taff Beiträge zu scripten, will auch Herr Nida-Rümelin nicht in seinen Seminaren haben. Es hilft kein Nützlichkeitsappeasement. Der Gegner ist auch nicht der Geist der amerikanischen Geisteswissenschaft, sondern der der deutschen BWL-Krämerei, die den Unterschied zwischen Substanz und Lingo berufsmäßig einfach nicht kennt.

Die Frage „Könnt ihr es euch leisten, ohne uns zu leben?“ wird von der Macht jedesmal, wenn sie gestellt wird, mit einem kühlen „na klar“ und einer Budgetkürzung beantwortet. Jedesmal reiben wir uns die Augen und fragen entsetzt: „Wir dachten, wir sind wichtig? Wieso können die das?“ Nun. Der Verlust kultureller Höhe ist einfach keine Drohung, wenn Barbaren an der Macht sind. Also fast immer.

Der Freiraum der letzten Jahrzehnte ist erkämpft worden.

Und jetzt, wo er verschwinden soll, ist die einzige verbleibende Haltung ein klägliches „Aber wir können immer noch zum Fernsehen! Und ihr werdet schon sehen, ob es uns was ausmacht, wenn ihr uns weh tut!“? Und diese Erbärmlichkeit soll gerechtfertigt sein allein durch die Tatsache, daß die heutige Linke so schlecht angezogen ist und lieber in den Astas KomIntern spielt als erst einmal die theoretischen Hausaufgaben zu machen? No Sir.

Dazu kommt, zumindest in der Philosophie, die inhaltliche Verzettelung in sonderbarste Abwehrkämpfe gegen eine als übermächtig empfundene Naturwissenschaft, hinter der natürlich auch schon wieder die Angelsachsen stecken, die immer so unangenehm rational und methodisch sind. Weswegen man sich auf dem Kontinent dann darauf verlegt, einfach wirres Zeug aus dem letzten Jahrhundert zu behaupten, das aber mit vielen Fußnoten, und sich einzureden, das sei eben tiefes altes europäisches Denken. Jui-di-hui.

Zusammenfassend:

Ich habe nicht Philosophie studiert, um bei Pro 7 zu arbeiten, sondern um Pro 7 einen Dreck zu nennen. Das immerhin will ich doch bemerkt haben, bevor ich die Sache aufgebe und mit ihr die ganze Universität, wegen scheußlicher, allgemeiner Lauheit.

Link | 18. November 2006, 13 Uhr 01 | Kommentare (2)


Alter!

Link | 17. November 2006, 0 Uhr 32


Alter.

Link | 16. November 2006, 16 Uhr 56


Feuerchen, Hund und Dosenbier.
In Altbau-Treppenhäusern riecht es nicht nach Kohl.
Musik.
Ein Hochbett.
Rote Wände in der Küche und eine unübersichtliche Gewürzsituation.
Zentralheizung.
Studentinnen der Bibliothekswissenschaft.
Domino-Day. (Sehr leiser Ton.)
Streit über Zivilisation und elektrische Zahnbürsten.
Nudelsalat.
Nudelsalat.
Trockene Rotweinreste in hauchdünnen Becherchen.
Der leicht verbrannte Geruch nach frischgeschliffenen Dielen.
Starfield Simulation.
Die Seite der BVG.

Link | 16. November 2006, 10 Uhr 51


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