Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Diese kalten, klaren Sommermorgen, als die Liebe ein monolithischer Kristall war; ein Kern für die Tage, die selbst sich dann zusammensetzten aus dem charakteristischen Geruch alter Lateinbücher, der Trägheit einer sinnlosen Erdkundestunde mit zittrigem Eulen-Lehrfilm, Überforderung beim Kopfrechnen und der wohligen Sicherheit von Deutsch in der sechsten: Wie sich das alles anlagerte um diesen undurchdringlichen Kristall, wie es tagelang um ein heiliges Geodreieck gehen konnte, das sie sich für eine Mathearbeit ausgeliehen hatte, die Frau ohne Körper, ein abstraktes Wesen nicht in, sondern aus Jeans.

Es wird ja nicht wesentlich anders, wenn man älter wird, man kennt Körper, vor allem aber sind Helligkeit und kristalline Qualität dahin, statt gleißender Kristalle dienen jetzt düstere Obelisken den Tagen als Kern, eng beschrieben mit komplexen Erzählungen in kaum beherrschten Sprachen: Jetzt geht es um Verrat, um die Ausforschung und Entzifferung der noch verbleibenden Möglichkeiten, der schuldhaften Weiterverstrickung in den Verrat zu entkommen.

[Interessant ist auch, wie unabhängig das alles etwa davon ist, was man sich persönlich wünscht oder zu seinem Glücke vielleicht braucht: Daß es im Leben überhaupt nicht darum gehen würde, bestimmte Dinge zu erreichen, das hat mich überrascht. Wer hätte schon damit gerechnet, daß alles so einfach sein würde — die wirkliche Schwierigkeit aber darin besteht, es so zu machen, daß man sich noch erträgt?]

Link | 12. Dezember 2006, 4 Uhr 24 | Kommentare (1)


Als ahne das Wetter meinen akuten Neofolk-Hunger, zieht die Sonne hier mit irrwitzigem Farbaufwand über den Dezemberhimmel: Gleichzeitig tiefes Orange, wo das Licht direkt hinfällt, und alle erdenklichen Lilatöne zwischen den Schlieren von Nebel und Wolken darüber. Keine zwei Minuten dauert das Schauspiel, dann steigen die Schatten aus den Bäumen. (Feuchte Bäume laublos im Sonnenlicht, schon das…. wenn sie sich aber so strecken erst…)

Und dazu höre ich maßlos und rund um die Uhr sehr uncoole Musik und freunde mich mit ein paar von den alleruncoolsten Sachen vermutlich auf Dauer an. Empyrium z.B.. Warum erzählt mir das niemand? Ich habe nur einen einzigen Titel hier, aber dem bin ich komplett verfallen. Sogar das Deutsch, für gewöhnlich ja der kritischste Faktor, funktioniert.

[Bin ich zu alt für sowas? Ach. Ich weiß nicht. Bevor ich vor lauter Alter und Härte und Sachverstand zum Jazz komme? Gott behüte.]

Link | 11. Dezember 2006, 2 Uhr 02


Mit der Dunkelheit kam ein kalter Sturm über den Bodensee nach dem fast frühlingshaften Tag. Fröstelnd am Bug der Fähre in den Wind gestemmt fixierte ich, Hände in den Hosentaschen, mein flatterndes Jackett mit den Ellbogen. Ein unaufgeregter Alarm zeichnete blitzend die Linie des deutschen Ufers vor mir nach.

Eine rote und eine grüne Neonleuchte markieren den Anleger in Friedrichshafen, es sieht industriell aus, sehr alt auch. Wie unzweideutig die meisten Dinge hier unten immer noch sind.

Link | 9. Dezember 2006, 0 Uhr 54 | Kommentare (1)


Übrigens mag ich das Zeit-Weblog Herdentrieb wirklich gerne. Na also.

Am Ende geht es eben nicht um die Form (Weblog hin oder her), sondern um coole Typen.

Link | 7. Dezember 2006, 11 Uhr 43 | Kommentare (1)


Wie die aus dem Fokus gezwungene Zuneigung sich auf die Welt legt und sich in jeder langsamen Bewegung niederlässt, sich verbreitert und ausdehnt auf einen morgen nicht mehr besorgten Ofen und seine Geister, die sich still an die Kacheln lehnen, und glost wie Kohle im Dunkel.

Je älter ich werde, desto klarer wird mir, wie zentral und wie irrational diese Kategorie im Kern meines Weltbildes ist: Es gibt die, die sehen (die Magier), und die, die es nicht können. Ich kann nicht sagen, woran ich die einen oder die anderen erkenne. Ich behandle die nichtmagischen Menschen auch gar nicht anders, ich weiß nur, daß sie manche Sachen nicht verstehen. Es fehlt ihnen ein Sinn, ich verzeihe ihnen, aber meine Gewissheiten lassen mir keine Möglichkeit, sie lediglich anders zu finden, ich nehme sie durchaus als leicht behindert wahr; sie verdienen Mitleid. Es ist die reine Esoterik. Sei’s drum. Solange ich sonst noch bei Sinnen bin.

Ich merke auch bei Kunst den Unterschied: Worum es da geht. Ob das Kommunikation zwischen Magiern ist oder Wurzeln in den Zweckverhältnissen der Welt hat. Jawohl: Ich ziehe diesen raunenden Jargon der Magie dem Jargon des Kunst-Handwerks vor, sehenden Auges. Es schadet nichts, daß der Schwärmerei Tür und Tor geöffnet wird, denn es gibt zweierlei Schwärmerei. Es kommt tatsächlich sehr darauf an, wer dummes Zeug redet.

In wenigstens halbwegs klaren Begriffen könnte man vielleicht sagen: Es geht um Metaphern. Es geht um die Fähigkeit, in einer Wahrnehmung die Macht zu spüren, die sie als Metapher verleiht. Wir Menschen sind in dieser Welt zu Hause mit Hilfe eines Säugetiergehirns, das sich (als solches) seit Generationen selbst mißbraucht und kulturell weiterformt. Jedes einzelne muß aber den Griff auf die Welt, die Fähigkeit zur Grenzziehung in den Daten, die eigentliche begriffliche Urteilskraft lernen mit dem vorgegebenem Wahrnehmungsapparat und dem immergleichen Schatz an Phänomenen, aus denen die eigene Sprache entwickelt wird und die ihr Bedeutung verleihen. Denken ist durch und durch metaphorisch. (Es ist ja bemerkenswert, daß das vollkommen Logische, die Logik nämlich, entwickelt werden musste in der Geistesgeschichte.) — Die Magier, jene also, denen ich meine geheimnisvolle Qualität zuspreche, haben gelernt, in der Wahrnehmung ihre metaphorische Macht mitzusehen. Gewitterwolken über Granitgipfeln sind ihnen nicht nur Zeichen, einen Spaziergang abzubrechen, sondern zweckfrei die eigentliche Sprache und die Grundlage ihrer begrifflichen Eignung für die Welt: Der letzte Grund, warum wir in der Welt so erstaunlich zu Hause sind. Daß diese Wahrnehmung da ist und zur metaphorischen Verfügung steht, verleiht uns Macht, eine unmäßige Macht in der Fremde. (Magier bestaunen den Reichtum, sie betreiben nicht Bereicherung.)

[Lesen Sie Powys. Oder Faulkner. Capote. Die Deutschen konnten es nie. 1900 haben sie noch einmal darum gekämpft und versagt.]

Link | 7. Dezember 2006, 1 Uhr 08 | Kommentare (1)


Was ich gerne machen würde: In einem Zug, der irgendwohin durch die Nacht fährt, aus der Flasche trinken mit irgend jemandem, bis es hell wird, und dann in ein Hotel und unter die Dusche und schlafen bis der Hunger mich weckt.

Link | 6. Dezember 2006, 0 Uhr 31 | Kommentare (6)


So viele Irrtümer.

Link | 4. Dezember 2006, 3 Uhr 43 | Kommentare (4)


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