Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Das Bewusstsein der anderen beim Lesen: Liegt irgendwo reglos auf dem Rücken, ein Buch in beiden Händen über der Brust, blättert ab und zu, lässt das Buch sinken, streicht sich durchs Haar, liest weiter, blinzelt, schweift ab und blättert eine Weile nicht, denkt (niemand wird es je erfahren) gegen eigenen Beschluß an jemanden, liest weiter, zufrieden mit der ewigen Unruhe der Literatur, liest, denkt an ein Konzert, konzentriert sich, dreht sich auf die Seite, blättert, spürt den leichten Wind, fixiert die Seite mit dem Zeigefinger, sehnt sich, lächelt.

Link | 10. Juni 2007, 10 Uhr 56


OBEY
OBEY
OBEY

Link | 8. Juni 2007, 22 Uhr 28


nur noch ich und der Googlebot

Link | 8. Juni 2007, 22 Uhr 18


In Kreuzberg zur Besichtigung einer Wohnung verabredet, die zwar sehr teuer, aber auch sehr schön wäre; lichte Räume und Parkett, diese Sorte, geeignet für Sessel und Teppich und Beistelltischchen, eine hingeworfen bürgerliche Kultiviertheit aus Langeweile (weil es eben geht) schwebt mir vor, das wäre angemessen für meine Stadtwohnung.

Die Bewerberkonkurrenz sieht nicht aus, als könne sie sich die teuren zwei Zimmer leisten. Das klärt sich: Es gibt eine zweite Wohnung im Haus, 130 €. Die Maklerin raunt mir zu, daß sie sich nur so nebenbei um diese kleine Wohnung kümmere; ich bin mir nicht sicher, ob sie gezielt den Kontrast erzeugen will oder ob es ihr lieber wäre, wenn ich nicht mitkäme in den dunklen Schlund, jedenfalls gehe ich natürlich mit. Es ist atemberaubend: In vollkommener Dunkelheit wartet eine angelehnte Leuchtstoffröhre, die, in Betrieb genommen, leise zu surren anfängt. Ein Zimmer im Erdgeschoß, vier Meter hoch und drei Meter breit, zum dunklen Hof das einzige Fenster der Wohnung. In der Küche eine havarierte Einbaudusche. Rohre. Ein kleines Klo mit einer Schüssel darin an einem Rohr und nichts weiter, kein Waschbecken nirgendwo. Die Studenten schnauben enttäuscht, die Maklerin beobachtet mich. Ich leuchte in vier Graustufen im Neonlicht und ringe mit mir. Etwas verlangt: Mieten. Die Dunkelheit, das Neonlicht. Der Todestrieb. Der Raum aus Tiefebbefrostgebiet vielleicht. Ich weiß es nicht. Ich ringe mühsam meine Begeisterung nieder, meine sirrende Lust auf obszönes stockdunkles Elend, auf noch mehr Dreck, auf völlige Unbesuchbarkeit, auf den stinkenden Blutblütenrausch von Freiheit, den das hier bedeuten würde: Nur noch im Dunkeln sitzen und lesen und lauschen, bis bei der nächsten Begegnung mit einem Spiegel graue Strähnen und tiefe Furchen um die Mundwinkel ein Statement wären, das gemacht zu haben sich lohnen würde. (I shall sleep only in my black mantle.)

Auf dem Rückweg ein Berliner Charakter: Ein kleines Männlein, um die fünfzig, mit kleinem Hut und dickem Schnurrbart, verkauft Primelchen an der U-Bahn, halbvoll stehen zwei kleine schwarze Plastikpaletten neben seinen braunen Schuhen auf dem Pflaster, er lehnt mit hoch auf der Brust verschränkten Armen an einem Poller. Wahrhaftig, wir beide bewohnen dieselbe Stadt, dachte ich kurz, aber es war eine Anmaßung, die ich zurücknahm.

Link | 8. Juni 2007, 21 Uhr 02


Man findet in komplexen Menschen die Stimmungen und Farben der Kulturgüter wieder, mit denen sie sich geformt haben. In einer Art, sich zu setzen oder eine Hand auf die Türklinke zu legen, liegt verschlossen eine Erzählung oder Musik; in der Art, den Blick auf eine ferne Straße zu richten, ist der Übergang zwischen zwei Titeln auf einer Compilation zu erkennen, den es nur dort gibt. Genauso aber glaubt man man die vertraute Stimme zu hören hinter einem besonderen Kratzen auf Saiten oder dem Knacken eines Mikrofons, eine scheinbar grundlose Assoziation aus den Tiefen des Einander-Zugehört-Habens, eine Entsprechung, für die das Gehirn Sensoren entwickeln kann, aber keine Sprache.

Link | 8. Juni 2007, 18 Uhr 30 | Kommentare (4)


Unerträglich der Sommer, immer noch im Frühstadium, dieser unerbittliche Feind kälteversessener Traurigkeit.

[Lissabon moments]

Link | 7. Juni 2007, 9 Uhr 46


Und ich dachte, man könne Yoshimi battles the pink robots nicht besser spielen als die Flaming Lips in Tierkostümen. Aber ich irrte: The Wrong Trousers können.

Kleine dicke Amerikaner werden kommen mit Harfen und Mandolinen und Joanna Newsom und die Flaming Lips spielen, und sie werden die bösartigen Roboter nicht gewinnen lassen. (#)

Link | 5. Juni 2007, 10 Uhr 25 | Kommentare (1)


Garten der Tatsachen
Begrenzt haltbare Installation.
Chinesische 6-Euro-Kamera, Regal, Kohleofen, Handtuch.

Das Bild, das Sie sehen, wird alle 10 Sekunden aktualisiert. In der linken Bildhälfte Bücher, manche können Sie tagsüber wohl erkennen, wenn Sie sie selbst besitzen. In der rechten Bildhälfte ein Kohleofen, der winters noch benutzt wird. Zum Trocknen daran aufgehängt: ein altmodisches Handtuch. Vor dem Ofen eine zusammengelegte Schaumstoffmatratze, auf der eine braune Decke liegt.

Wenn Sie die Fenster schließen, hören Sie die Geister.

[fire walk with me]

Link | 4. Juni 2007, 18 Uhr 24 | Kommentare (4)


Aus einem Gehölz tritt man hinaus auf das Feld, übergangslos, insbesondere ohne einen Weg zu überqueren, es führt kein Weg am Wäldchen entlang. Eine scharfe Kante trennt niedere Gräser vom Getreide, der Schnitt, den der Pflug gemacht hat, ist noch erkennbar. Wenn man durch den Weizen geht (auf die Sonne zu, also nach Westen) ist es, als folge man Spuren oder einer Wegbeschreibung, als folge man Menschen, zweien vielleicht, die, weit vorn, im Gegenlicht auftauchen könnten jederzeit, hell und ausgelassen, die winken würden oder weglaufen.

Das Loch ist dann auf halber Höhe, man muß ein wenig achtgeben, weil auch hier peinlich auf den letzten Zentimeter Nutzfläche geachtet wurde und bis direkt an den Beton heran gepflügt. Drei Meter ist das Loch tief auf der einen Seite, einsfünfzig auf der anderen (so daß man es wagen kann), eingefasst mit ausgewaschenen Betonplatten, L-förmig, am Ende des Querbalkens schützt eine Deckenplatte einen winzigen Raum. Wenn man hineinklettert oder um das Loch herumgeht, entdeckt man den Briefkasten dort, einen gelben Postbriefkasten an einer verzinkten Stahlstange; neben dem Einwurfschlitz der schwarze Punkt der Postkästen, die auch Sonntags nicht geleert werden.

Sie können sich denken, für welche Art Kommunikation ich diesen Briefkasten verwendete, nachdem ich ihn einmal entdeckt hatte.

Link | 4. Juni 2007, 9 Uhr 47


Es gibt in dieser Stadt eine Verschwörung, die mich wispernd schützt. Sie handelt, so vermute ich, aus Motiven des Takts, der Grimmigkeit oder der Schwäche, vermutlich aber nur des Unbehagens, und sehr wahrscheinlich ist der Schutz, den ausgerechnet ich erfahre, ein Abfallprodukt. Trotzdem bin ich sehr dankbar dafür. Möglich, daß ich Feinde habe, aber es sind sensible und kluge Feinde, sie akzeptieren unsere zufällige Rollenverteilung mit großer Behutsamkeit.

[there is a ghost]

Link | 3. Juni 2007, 12 Uhr 01


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