Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Allein das Wort Oktober jagt mir wohlige Schauer über den Rücken. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie gierig ich das Verstreichen der Zeit genieße, das reine, biographisch unverfälschte Verstreichen von Zeit; wie andere Zigaretten rauchen oder Wein trinken, sauge ich beim U-Bahn-Fahren das Tempo in mich hinein, das mich dem Oktober näherbringt, dem schauersatten Oktober, in dem nichts sein wird, außer mehr Zeit, die hereinströmt durch die offenen Tore.

[Variationen]

Link | 30. Juli 2007, 11 Uhr 31 | Kommentare (1)


Und alles verblasst doch zu Albernheiten, im Trockeneisnebel oder beim Teilen einer Wolldecke, wenn man spätnachts beschließt, gemeinsam noch ein wenig Bob Ross zu gucken.

Link | 28. Juli 2007, 21 Uhr 18 | Kommentare (4)


Idiosynkrasiekredit: # via [#]

Link | 28. Juli 2007, 21 Uhr 04


Selbstverständlich ist ein Leben denkbar mit Kunstbüchern auf dem Beistelltisch und Gewöhnung an den Erfolg, mit der Sicherheit derer, die eben machen, was sie machen, und es gelingt ihnen eben, auch die Auswahl der Möbel. Interessante Vorstellung: Daß sich der Optimismus, der bisher, metaphysisch, dem Leben und, konkret, den Menschen galt, aufs Ökonomische ausweiten lassen sollte.

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Andererseits: Für immer die nicht zu brechende Attraktivität des Kaputten; abgeblätterte Farbe, Rostspuren und verlassene Tanks, die Säuferküche, die Musik von Menschen, die sich nicht um style-Fragen scheren, Spielarten des Fertigen, Theorien, die zu fransig sind um zu funktionieren oder zu wahnsinnig, all die Umtriebe der beautiful losers, mit gesenktem Blick über die Brücke im Regen und den weißen Spinnen Kohlen abjagen im bitterkalten Keller.

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Heute nachmittag hatte ich einen sehr schönen Gedanken, den ich Ihnen aber nicht mitteilen werde.

Link | 28. Juli 2007, 20 Uhr 55 | Kommentare (2)


Wie ich nach einer Woche der Tätigkeit und Belastbarkeit in einen schweigsamen Samstag zurückkehre, in einen Zustand der Schwäche; zu den Pflichten eines Lesenden, der einen traurigen, wunderbaren Kanon zu erforschen hat.

Link | 28. Juli 2007, 10 Uhr 47


Ich verstecke mich, ich schweige: Aus Rücksicht. Nicht aus Desinteresse, Himmel, auch wenn es so aussehen wird, aber das gilt es auszuhalten. Es ist keine Selbstlosigkeit darin, so gegen die eigenen Neigungen und Bedürfnisse zu handeln, mit Noblesse hat es nichts zu tun. Auch die katholische Erklärung — Schuld — erklärt nichts.

Es gibt vielmehr einen Grundzustand der Liebenswürdigkeit in der Welt, eine mächtige Harmonie, die, kaum erkannt, gestört wurde durch einen brutalen Eingriff, durch meinen brutalen Eingriff, eine Ungeheuerlichkeit. Das ist so lange her, daß es bedeutungslos geworden sein muß für alle außer für mich, den Störer, der die Harmonie zu mißachten die Härte aufbrachte und damit aus ihr herausgetreten ist: Als Unmensch.

Unmensch (ein Toter) zu sein, heißt schweigen; Tote haben ihre Rechte in der Welt verwirkt. Zu einem zärtlichen Spuk mag es reichen hin und wieder, aber ohne Willen und Imagination der Lebenden wird auch dieser nicht wirksam.

Und während es weitergeht in der Welt und sich die Menschen ändern, bleiben die Toten, erschrocken, altmodisch. Nie legen sie die Rüschenhemden und Gefühle ihrer letzten Tage ab, sie halten sich daran fest nicht aus Verzweiflung, sondern mit der gelassenen Erkenntnis, daß sie keine Wahl haben. Unheimlich müssen die Toten den Lebenden sein, auch wenn sie nichts mehr vermögen, weil sie nicht lernfähig sind und stur; weil sie nicht begreifen können, wie sehr ihre Zeit vorbei ist.

[you will find me waiting for the apples to ripen]

Link | 28. Juli 2007, 10 Uhr 43


Nebenbei: ja-woll. Downtempo ist ja immer noch da.

[Dirty Bird 004: Mr. Moods via Netz Klang]

Link | 23. Juli 2007, 22 Uhr 43 | Kommentare (1)


und jetzt, im regen, könnte das laub zart erscheinen wie die haut schmaler ballgäste
als lebe man, mit ungutem geheimnis, unter der trüben tranceglocke der dummheit
widerlich der sommer, in dem alles existiert ohne widerstand, aus sich selbst
der sich nicht merkbar macht, leidenschafts- und gierlos erloschen, irgendein leben

dabei ist all das nur berlin und studentisch, gescheit in einer art und so klein dabei
endlose reihen weißgetünchter zimmer, die sich nicht unterscheiden und nett sind
nur die zahl der bücher variiert und das musikinstrument, dinge besitzen wir keine
niemand besitzt die blutbefleckten flaggen verschollener republiken zum beispiel

dabei muß es sie geben, die sammler von schießpulverdosen und gräßlichen amuletten
und ihrer postmodernen entsprechungen, nur kennen wir sie nicht, wir laminatgelehrten
wer würde uns nicht unsere hoffnungen verzeihen, für die wir doch zu bescheiden sind
selbst die hochmütigsten unter uns, verdorben von den universitäten vielleicht: zu bescheiden

immer gerecht gerecht und zufrieden, soma im schach und arbeit am horizont
zu viel abstand von allem, um noch irgendwo zu sein und also immer zu hause
karrieristen selbst die bohémiens, keiner die opulenz, keiner die schlichtheit,
ausgewogen alle, jeder ein kompromiss der geschichte, indolent und tüchtig

Link | 22. Juli 2007, 19 Uhr 17 | Kommentare (1)


Vertrauen, die mächtigste, in einem Sinn: unerbittlichste der zarten Gewalten.

Link | 22. Juli 2007, 1 Uhr 28 | Kommentare (1)


Magie aber, Substrat des Begehrens, muß mühevoll und wach erzeugt werden, und das können auch von den Klugen, von den guten Typen, nur wenige. Klugheit ist basic, dann kommt es darauf an: Immer das zu sagen, das alles andere enthält für diejenigen, die um die Möglichkeit von Magie wissen, und nicht zu plappern, was überhaupt das Schwierigste ist.

[Genauigkeit und Raffinesse; alles hat Bedeutung; nichts ist bedeutungslos; die Dinge sind einfach, aber unaussprechlich]

Link | 22. Juli 2007, 0 Uhr 32 | Kommentare (3)


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