Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

boah, hat mich der vielleicht gepwned, da drüben bei hotel mama, aber sowas von

[leise sein]

Link | 12. Juli 2007, 1 Uhr 32 | Kommentare (2)


Le Cinéma substitue à notre regard un monde qui s’accorde à nos désirs

Link | 10. Juli 2007, 8 Uhr 57 | Kommentare (2)


Atem in weißen Wolken über den schwarzen Mänteln.
Kies und knirschender Schlamm.
Der Bach, unten, zwischen den Ästen, in der matten Sonne; Dunst.

[Silversaddle]

Link | 10. Juli 2007, 0 Uhr 59


Was wir lesen ist Ersatz für Dinge, die wir tun oder erleben sollten, im Sinne einer Befreiung von der Zeit, die uns an einem Punkt festhalten will, an dem nur das und das möglich ist, das Meiste aber eben gerade nicht.

Unser akutes Bedürfnis nach der Kabbeligkeit eines schilfumstandenen Sees, nach dem Ausblick in die sepiafarbenen Schluchten einer sommerlichen amerikanischen Großstadt, nach dem Frauenkörper, den wir lüstern mit flacher Hand südwärts überstreichen, nach der frischen, von Böen zu Kugeln geformten feuchten Luft der Küste oder nach einem dreckigen barocken Ball, das Bedürfnis, das uns überfällt, während wir in unseren Leben stecken, die aus Druck gemacht sind, rettet uns vor der Stupidität des zielgerichteten Handelns.

Es herrscht ein dynamisches Gleichgewicht zwischen In-der-Welt-sein und Bewusstsein-der-Möglichkeiten, das nicht vernachlässigt werden darf. Man muß sich kümmern um die Tatsachen, sie sind wertvoll, weil man nur aus ihnen lernen kann, aber genauso muß man sich kümmern um einen intakten Haushalt von styles, Bildern und Lüsternheiten: Einen Reichtum möglicher Selbste, dort müsste ich bestehen, der uns allein schützen kann vor der Banalität täglichen Tuns.

Link | 8. Juli 2007, 11 Uhr 32


Berlin-Bremen-Hamburg-Berlin, am Tag nach dem Beirut-Konzert, nach zweieinhalb Stunden Schlaf, nach der Nacht mit den strahlenden, sich umhalsenden, singenden seltsamen Irren aus aller Herren Länder, die dieses Publikum bildeten. Morgens zur Bahn und eine kaputte Fahrt im Halbschlaf nach Hannover und von dort nach Bremen. An den Bahnhof in Hannover erinnere ich mich nicht, keine Sekunde. Ein kleiner Vortrag über Web und Weblogs in Bremen, wie ein Schwall warmer Luft trifft mich die Universität, ein Sonderforschungsbereich, Beifallklopfen auf dem Tisch und Frauen in Baumwollstrumpfhosen. Im Treppenhaus der Geisteswissenschaftler Ankündigungen: Man spricht mit Koreanern über Emotion nächte Woche; 300 Euro Kopfgeld gibt es für die Antwort auf die Frage, wie Determiniertheit und Willensfreiheit zusammengehen sollen. (Bitte überweisen Sie den Betrag an Konto 17811787, Vereinigte Jenseitsbank, Verwendungszweck „Dritte Antinomie“.)

Weiter nach Hamburg. Biotech-Labors, Sec-Stufen, Pipetten und Zentrifugen, Notfall-Augenduschen und Desinfektiosmittel auf den Toiletten, hartweiße Sauberkeit, die erst auf den Balkons gebrochen wird von rostigen Grills und Zigarettenrest-Tonnen. Lässig und gleichgültig bewegen sich junge Wissenschaftler in Jeans durch diese SciFi-Welt, die ewig besonders Verarschten, die keine Ahnung haben, wie wertvoll sie sind und die Nächte, die sie hier verbringen. Poster an den Wänden, wenigstens fünf Jahre knüppelhartes Studium über meinem Horizont. Aber man gibt sich Mühe mit mir, ich lerne: Man feuert hier mit Goldschrot Leucht-Gene in Würmerhaufen hinein zur Katalogisierung von Proteinen. Wie in jeder Naturwissenschaft ist alles viel schwieriger und ungelöster als man denkt, weil man ja doch immer mehr Science Fiction gelesen hat als Nature. Wir haben Kuchen dabei, Kuchenessen ist wichtig, und so essen wir süßen Ananaskuchen in der routiniert mißachteten Unküche der Abteilung.

Auf dem Rückweg: Die nagende Frage Redlichkeit. Wie erträgt man sich in einem System, in dem peer reviews zur Verschleppung von Veröffentlichungen benutzt werden, um mit eigenen Ergebnissen schneller zu sein? Wie kann man ein wilddenkender Geisteswissenschaftler sein, wenn die anderen arbeiten? Wie bezwingt man die Unlust daran, das System austricksen und mißbrauchen zu müssen, um darin überleben zu können, bei der Produktion von Wahrheit? — Bizarrerie, die Selbstzweifel ausgerechnet der Wissensarbeiter in der angeblichen Wissensgesellschaft.

Link | 7. Juli 2007, 17 Uhr 06


Glücklich geträumt, vom Presslufthammer geweckt.
Heute Abend bei Beirut gewesen, mit den paar anderen, die es wussten.
Herrgott.

Link | 6. Juli 2007, 0 Uhr 05 | Kommentare (1)


but the cat came back, the very next day, umpf, umpf, umpfdidum-brummpf

Link | 3. Juli 2007, 13 Uhr 27 | Kommentare (2)


Warum mich der Peterlichttext ärgert: Eine Erklärung, um die ich mich angesichts der Klugheit meiner Gegner nicht drücken will.

Der PeterLicht-Text hat ein zentrales Problem: Comedy. Gegen Comedy ist nichts einzuwenden, einzuwenden ist etwas gegen die Ausweitung der Comedy-Beurteilungskriterien auf Literatur. Bei Comedy sind wir dankbar, wenn wir (a) lachen und (b) nicht unter unserem Niveau. Zweifellos lacht man über den PeterLicht-Text, zweifellos gibt es kein Niveauproblem mit ihm.

Nur geht eben so viel mehr, und man darf es verlangen von der Literatur.

Gleichgültig ist nun die alberne ontologische Frage, wo Literatur anfängt, oder wo Comedy anfängt, oder ob ein Text als das eine oder andere bezeichnet werden muß, darf oder kann. Der Einwand, den ich gegen den PeterLicht-Text mache, ist nicht, daß er der falsche Text am falschen Ort ist (niemand interessiert sich doch für eine Beschäftigung mit Klagenfurt als Klagenfurt), der Einwand lautet: Dieser Text erzählt von gar nichts, weder im Plot noch in der Sprache. Daß er das weiß, rettet ihn nicht, daß er das kokett verhandelt, macht ihn unsympathisch.

Es sitzt ein Autor — ein kluger, wortgewandter, mit allen Wassern der Belesenheit und des Pop gewaschener Autor — auf seinem Sofa und darf einen Text für die Tage der Deutschen Literatur schreiben. Er hat aber nichts zu sagen, und so wartet er, und dieser Zustand wird Text. Und weil das zu wenig ist: Der ewige deus ex machina aller gelangweilten Autoren unter Textproduktions-Imperativ, der Meteorit, die plötzliche Explosion: Die billigste, erste Idee, wenn noch etwas geschehen soll.

Das ist die Leere, vor der wir stehen, beim PeterLicht-Text. Diese Leere bläst er auf mit einer Originalität, die nicht bestritten werden soll und darf, die aber eine Sprache ohne Untergrund erzeugt, ein Gespreche des reinen Effekts: Nichts von einer Erzählung von einer interessanten, gegenständlichen Wirklichkeit oder Möglichkeit ist zu erkennen hinter dieser Sprache aus Originalitäten und Versatzstücken (der Idylle, des Katastrophenfilms, etc) Das kann man alles machen, es ist sehr lustig und gewandt; und daß die meisten von uns nichts zu erzählen haben in unserem Glück, ist zudem wahr.

Ärgerlich wird es, wenn wir, einmal angenommen, es gäbe das wir einer gemeinsamen kritischen Leserschaft, darauf reagieren mit einer Begeisterung, der ich eine unterschwellige Verachtung unterstelle für diejenigen, die es ernster meinen und riskieren, daß man sie auslacht für ihren Ernst, weil ihn niemand sonst ernst nehmen kann — denn das ist das Risiko, wann immer ein Auftritt vor Publikum stattfindet und keine Blödelvereinbarung gilt. Wer jetzt, angesichts des Peterlichttexts sagt: Jawohl, so geht es, man preise genau diese Literatur: Sie ist erfrischend, uninteressant ist das Geraune, uninteressant ist das anstrengende Kunstwollen immer, uninteressant das unverkäufliche Zeug, das nach 19. Jahrhundert klingt, Literatur hat heutig zu sein im Sinne von schnell und unterhaltsam nach den Regeln heutigerer Kunstformen: die geschwätzige Wohlfühl-Comedy eines gescheiten Menschen ist also die zeitgemäße Form der Literatur, und darum wahrhaftig und damit gibt es einen Daseinsgrund für den Text und für eine Begeisterung dafür, wer also solches denkt oder in solchen Gefilden denkt, der sitzt, so glaube ich, einem Klagenfurtverständnis und einem Literaturverständnis auf, an dem man seinen Foucault durchdeklinieren kann. Ich sage: Es gibt Eure Gegner nicht, und wenn es sie gibt, sind sie egal.

Zeitgemäß ist eben nicht, was aufgeht im Desinteresse und damit im Elend der Gegenwart, sondern was es aufmerksam verformt und die Wirklichkeit größer macht. Zeitgemäß erschien mir immer, was von den ungeahnten Möglichkeiten zu Freude und Interesse (und Glorie) im Elend der Gegenwart erzählt, irgendwo; gerne nur in der Sprache, gerne subtil.
Dies alles gilt, weil Gegenwart immer unerfreulich war und immer sein wird, das ist keine Diagnose und kein Thema, und weil die Verlockung, nachzulassen und sich zu ergeben und zu sagen: Wir taugen eben nichts, es ist uns alles so egal, lasst uns Witze darüber machen, jederzeit mächtig ist. Gerade die Auflehnung gegen diese Verlockung heißt ja eigentlich Kultur.

Link | 3. Juli 2007, 12 Uhr 21 | Kommentare (21)


Es gibt nur eine Möglichkeit im Umgang mit einer vergangenen Liebe, aus der ein Gegenwartsdenken vollständig entstanden ist und auf die die üblichen Verfahren — Vergessen und Vernichtung — also schlechterdings nicht anwendbar sind: Sie zu totalisieren, eine Liebe zur Welt aus ihr zu machen, im System ihrer Zeichen und in der Nachfolge der ihr innegewohnthabenden, spezifischen Klugheit fortan und dauerhaft zu handeln; aber so, als hätte es sie nicht gegeben.

Link | 2. Juli 2007, 1 Uhr 39 | Kommentare (1)


das drängende leuchten glasharter luft
in der beginnenden dunkelheit

[näher, noch näher]

Link | 2. Juli 2007, 0 Uhr 45


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