Meine liebste, weil genaueste Kritik dieses Jahr kam von Karla, die, in einem kleinen Seitenhieb, sinngemäß sagte: Angesichts der Untätigkeit des Protagonisten eines von mir kritisierten Textes müsse ich mir klar machen, daß in einem Szenario der Bedrücktheit, wie Hartz IV eines sei, feinsinnige Beobachtung als Methode der Textproduktion einfach ausscheide — dies feinsinnig vorgebracht mit leichtem Spott, vielleicht einem freundlichen Hauch Verachtung.
In derselben Diskussion kamen weitere Beiträge, die mich viel lehrten über die Rezeption meines Tuns hier: Den (von mir vollkommen unterschätzten) konservativ-eskapistischen Ruch, das Balkonzimmer, die gute alte Zeit, optisch, stilistisch, orthographisch, inhaltlich, eine allzuleicht erreichbare Seligkeit für Schöngeister im Geiste und eine Beödung der aggressiveren Leser, insgesamt fast eine Altherrenangelegenheit — das wäre schade (kein Komma) sehr schade, das soll doch ganz anders funktionieren, verdammt!
Ich bezweifle nach wie vor, daß Karlas eigentliche Kritik-Kritik valide ist, weil ich sie für eine Form der proletarischen Kritik halte, die behauptet, daß die Güte eines Textes mit seiner sprachlichen oder inhaltlichen Übereinstimmung mit der Lebenswelt einer (und sogar einer bestimmten) Klasse oder Gruppe zusammenhänge. Der Feinsinn allerdings ist ein Treffer, insofern er eine einigermaßen selbstgenügsame Masche durchschaut und präzise benennt.
Ich habe nachgedacht und zwei mögliche Lösungen für mein Problem gefunden. Erstens, ich poste eine Weile lang ausschließlich YouTube-Videos und wehre mich dergestalt gegen den altherrenhaften Feinsinn, verstecke aber in der Auswahl der Videos Botschaften (um Spaß an der Sache zu haben.) Zweitens, ich greife den Stier bei den Hörnern und poste eine Weile lang ausschließlich pornographische Texte — um eine Art Exzess von Altherrenhaftigkeit und Feinsinn herbeizuführen und die beiden so zu transzendieren.
Abstimmung!