Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Eine dunkle, gespiegelte Version der vertrauten Räume; grau und wertlos die Gegenstände, Plastikfetzen am Boden. Draußen schnürte ein Dezemberregen, kalt war es auch, und ich hörte ein Geräusch im Nebenzimmer, erschrak und duckte mich sinnlos gegen eine feuchte Wand. Jemand war in der Wohnung und auf der Suche nach mir, um mir Fragen zu stellen, die ich nicht ertragen würde. Jemand, nicht irgendjemand, war tot, tot nach einer gemeinsamen Woche auf dem Land (hell, warm, winterlich, in einem unklaren namenlosen Streit endend).

Seltsam dann, womit man seine Tage verbringt: Durch glänzende Straßen geht man, kauft Croissants bei den netten Franzosen, arbeitet, liest Weblogs, installiert endlich Leopard, dergleichen mehr. Niemand ist tot und selbst der Regen ist nur Regen. Noch bin ich nicht sicher, ob ich mich auf meine Erleichterung verlassen darf.

Link | 18. Januar 2008, 9 Uhr 24


Ich stelle mir das in etwa so vor: Wir tragen keine Schuhe, hören Musik und machen unpräzise Bewegungen. Dann setzen wir uns — ein Bein angewinkelt — auf den Fußboden und trinken.

Link | 17. Januar 2008, 1 Uhr 31 | Kommentare (3)


In der Gasse näherte er sich mit dem Drachen in der Hand dem angekohlten Nest. Es war aufgebrochen. Angesengte Wespen krümmten und wanden sich auf dem Asphalt. Er sah, was die graue Papierhülle verborgen hatte. [… //]

Die Semiotik der Villa bezeugt eine Wendung nach innen, eine Abkehr von der schillernden Leere jenseits der Hülle.

[Gibson, Neuromancer]

Link | 14. Januar 2008, 23 Uhr 30 | Kommentare (1)


1884, in der Spätzeit des carpenter gothic, beginnt Sarah Winchester, Witwe des Waffenproduzenten, mit dem Bau ihres Hauses in San Jose, Kalifornien. In den 38 Jahren bis zu ihrem Tod arbeiten ihre gehetzten Zimmerleute rund um die Uhr. Während Amerika schläft (nur in Chicago schläft niemand), klingen die Sägen der Handwerker durch die kalifornische Nacht. Als Sarah Winchester 1922 stirbt, hat ihr Haus etwa 160 Zimmer und fast 50 Kamine, eine untaugliche Zentralheizung, sinnlose Türen, Türme und dunkle Erker, Treppen, die nirgendwo hinführen als in ihr eigenes höheres Inneres, obszöne Griffe, tote Gänge, Spinnweben-Ornamente, patinierte Messigarmaturen, dreizehnarmige Lüster, ferne Fenster und Licht in wandernden Streifen.

[Und das Pferd wurde zur Tränke geführt, und der Name des Pferdes war Worringer]

Link | 14. Januar 2008, 23 Uhr 10 | Kommentare (2)


The History of Glamour, by Theresa Duncan: #

[diese Amerikaner]

Link | 13. Januar 2008, 14 Uhr 41 | Kommentare (2)


Das will man den Hochvernünftigen, wenn sie mit ihren guten Gründen für alles auf einen einbitchen, entgegenhalten.

Link | 12. Januar 2008, 16 Uhr 40 | Kommentare (1)


Was ich, solche altklugen Großthesen über das Leben hier hinschreibend, in Wirklichkeit mache: Ich räume eine Generation Pizza-Pappen aus der Wohnung, das sind etwa 8 Monate, ich entdecke die Schimmelflecken und stelle mich auf den Geruch des Spiritusvergällers ein, ich seife die Badewanne, ich packe den Katalog zu Kirchners Katzen # aus dem Paket meiner Eltern, um ihn morgen weiterzurouten zu den Ägyptologen, ich bringe die Asche runter, ich bügle die blauen Hemden und wasche die weißen, ich lese ein paar Seiten in Bulwer-Lyttons Pelham, ich sammle die Blätter meines tapferen Ficus vom Fußboden, ich denke über den Eissturm nach, den ich gestern Abend sah, ich schiebe die Waschmaschine zurück auf ihren Platz, ich mache die Anlage noch einmal lauter, ich weiß, daß die Zeiten nur härter und freier werden können oder leichter und interessanter, ich brauche nichts mehr, abgesehen von einem Haus von Peter Zumthor, aber das ist ein so elegant unrealistisches Bedürfnis, daß es mich kaum bedrängt.

Link | 12. Januar 2008, 15 Uhr 47


Die Erinnerung an das Gefühl ist das Gefühl: Substanz unserer Macht über das Leben.

[Dem Glück eine Kristallkaraffe sein // und sehen Sie draußen die Himmel (es sind mehrere) // und nicht sich beschäftigen // und warten schön // eine Problematisierung der Wahrnehmung // eine Sehnsuchtslehre der Kälte, ausgehend vom U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park (Zug nach: Vinetastraße) // die Aufregung, die wir darüber empfanden, daß wir sein würden, was wir heute sind // die Aufregung, die wir darüber empfinden, daß wir sein werden, was wir sein werden // don’t you know we all are burning // fire of life]

Link | 12. Januar 2008, 14 Uhr 57


Der sich mit jedem Jahr verschärfende Kampf um die Möglichkeit zu einem Leben, in dem es nicht um Sofas geht. Wenn keiner mehr über Sofas redet: Das ist der Sieg, dann kann man auch gern eins kaufen, irgendeins, oder ein besonders schönes.

Link | 9. Januar 2008, 1 Uhr 05


[Die Bücher, müssen Sie wissen, bergen das Geheimnis]

An diesem Geheimnis beispielsweise kann ja gar kein Zweifel mehr sein, zu zahlreich sind die Hinweise der Dichter auf bestimmte unterirdischen Gegebenheiten; jeder, der es wissen will, kann längst wissen, daß die Gebirge Südamerikas von Tunneln durchzogen sind, die sich mutwillig zusammenfinden und öffnen zu Hallen, die so groß sind wie kleine Städte — dabei enthalten sie keine Städte, jedenfalls nicht immer, manchmal enthalten sie nichts, oder einen schwarzen Kristallwald, oder einen einzigen Autoreifen und ein Kännchen Öl.

Indessen erschöpften sich die lebensspendenden Kräfte der Erde bei der Ernährung dieser Geschlechter, deren ewiggleiches Blut immerfort neue Sprossen durchtränkte. In den weitläufigen Unterstockwerken, die unterhalb der Totengrüfte und Pyramiden gehöhlt waren, hatten sie alte Schätze hingegangener Rassen und gewisse Talismane aufgespeichert, die sie gegen den Zorn der Götter schützten […] (Gérard de Nerval, Aurelia)

[Später übrigens a.s.O. der Kataklysmus des Känomonds: … die mit den Gletschern des entgegengesetzten Pols allzu belastete Erde vollführte eine halbe Drehung um sich selbst; die Meere traten über ihre Ufer und überfluteten die Hochflächen Afrikas und Asiens…]

Link | 8. Januar 2008, 0 Uhr 42


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