Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

Und dann, nach einem erlösenden Lachen, zeigt ein Blick aus dem Fenster: Einen flachen Hang, in dem die Sonne liegt, helles Laub, das mehr noch ein Geräusch ist als ein optisches Durcheinander, das gleißende Mauerwerk und zwei halsbrecherisch aufsteigende Schwalben.

Wir brauchen Gärten, die Reiche der Andeutung, um uns zu ertragen, auf stillen Wegen; wir brauchen weite Räume, Reiche der Unbestimmtheit, weil sie keinen Halt bieten für den Ekel. Sommerwind und kein Wort.

Link | 6. Januar 2008, 16 Uhr 16


Sie suchte einen Raum am Ende des Ganges, in dessen leicht muffigem Halbdunkel ich am Boden saß und las. Ich sah sie, erhob mich, log, und begleitete sie. Zwei Stunden später gestand ich, alles weitere war eine Frage der Vorsicht.

(Unsicher senkte sie den Kopf, als sie mich ansprach, und ihre Haare formten eine saubere, weiche, mattglänzende Stufe über ihren Schultern.)

Sie lächelte, wenn ich sie bat, mich abends auf der Brücke zur Museumsinsel zu treffen, und schüttelte den Kopf. Sie lächelte, schüttelte den Kopf und kam trotzdem, so machten wir es immer, seit es beim ersten mal funktioniert hatte.

(Am dritten Abend griff ich ihre Schulter, die leicht war; ich dachte an Lampionpapier und ihre Lippen, sie sah weg und hielt zwei Finger meiner Hand.)

Am sechsten Abend kam sie nicht, ich rief sie an (so einfach), sie nannte eine Adresse (so einfach), und ich besuchte sie. Ihr Arsch, den ich nur als definierte Kontur unter weit fallenden Hosen gekannt hatte (eine inzwischen unwahrscheinliche Tatsache), sah immer noch gut aus, als ich aus dem Bad zurückkam. Sie strahlte mich an zwischen zwei dunklen dünnen Strähnen hervor. Ihr Instrument, dunkel in seiner Ecke, bemerkte ich nicht.

(Ich weiß nicht, wann mir wirklich klar wurde, wie wenig sie sprach, wie ungelenk sie sich bewegte und wie jung sie war. Sie schrieb mir, auf Papier, Briefe von flammendroter Deutlichkeit. Ich las sie in der Straßenbahn auf dem Weg zu ihr, voller Verachtung für die traurigen Gestalten um mich und ihre sinnlosen, armselig Fahrten. Wenn ich die Augen schloss, sah ich den weichen Pullover, den sie trüge, und die Bewegung darunter, und ihren Blick, mit dem sie mich aufforderte, ihn loszuwerden, und den Moment der Umständlichkeit, wenn sie sorgfältig Ihre Haare durch die Öffnung zog, und ich erschrak, jedesmal erschrak darüber, wie schmal ihr Rücken war, und ich erschrak wieder, weil ihre Finger schmal und warm und schnell und schon bei mir waren, bevor ich Zeit gehabt hatte für ihre ironische Brust, an der mich satt zu sehen oder fassen mir nicht gelang.)

Halbdunkle Winternachmittage in meiner kalten Gartenhauswohnung folgten: Eine unruhig drängende, junge Vögelei; danach lagen wir lange durcheinander ohne viel Bewegung, um der Kälte keinen Einlass unter die Decken anzubieten. Später gingen wir essen; manchmal kehrten wir die Reihenfolge um und verbrachten aufgekratzte Nachmittage in absurden Spezial-Museen: Aufenthalte, die einzig der Verschleppung dienten.

Wir waren drei Jahre zusammen, zwei davon im Grunde unglücklich, aber ohne jede Chance, voneinander loszukommen. Der Grund dafür war eine zufällige sexuelle Gewohnheit, auf die wir nicht verzichten wollten.

Wenn sie spielte, blieb nichts vom Ungeschick, mit dem sie sich bewegte, nichts erinnerte daran, daß ihre Arme so fahrig und lang wirkten, wenn man sie an einem Geländer lehnen sah. Wenn sie spielte, bewegte sie sich und den Bogen mit einer Präzision, die mich — den leicht unordentlichen, düsteren, kleinbürgerlichen Möchtegernpoeten ohne jede musikalische Ausbildung — in einer Ehrfurcht zurückließ, die sie verachtete. Lange duldete sie nicht, daß ich ihr zusah beim Üben, es dauerte Wochen, bis sie meine Bitten erhörte und überhaupt spielte in meiner Anwesenheit.

Bis heute bin ich nicht sicher, ob ich sie dann überraschte oder ob es ein Vertrauensbeweis war. Ich betrat ihr Zimmer, jedenfalls außer der Regel und auf Zehenspitzen, denn sie spielte. Sie trug schwarze Wollsocken, einen Slip und eine Flut glatten Haares über dem Rücken. Sie schaute auf, sah mich, tat nichts weiter und spielte. Ich stand neben ihr und wagte keine Bewegung, sah die zitternden Lider und ihre Arme, die Präzision übten, minutenlang, dann rückte sie, ohne sich zu unterbrechen, langsam und präzise, nach vorn auf die Stuhlkante. Sehr langsam setzte ich mich hinter sie, und sie kam zurück, klemmte mich und meinen pulsenden Schwanz zwischen sich und die Lehne, lehnte sich, warm, gegen mich und unterbrach sich nicht. Ich legte ihren Hals frei, der lang war und weiß ohne ihr Haar, und küsste sie. Sie öffnete die Lippen und atmete zitternd aus, hielt inne und spielte über eine schnelle, tückische, zu weiten Bewegungen zwingende Stelle hinweg. Sie fassend mit meiner Linken auf ihrer Hüfte, griff ich mit der Rechten vorsichtig herum um sie, als ich glaubte, es wagen zu dürfen, und jede Sekunde rechnete ich mit ihrer Wut, aber ich fand auf dem Stoff die Hitze, die ich suchte, und darin die Feuchtigkeit.

Nichts, nichts was ich später erlebt habe ist vergleichbar mit dem Kampf, den sie daraufhin austrug, mit sich, gegen sich, mich und die Musik, ihrem eingezwängten, gefesselten, wütenden Atem, ihrer doppelten Konzentration, ihrer keuchenden Tapferkeit und dem Geräusch, mit dem sie ihren Kampf verlor und sich zurückwarf gegen mich, die Beine mit Kraft in den Boden gestemmt gegen mich, Lippen weit geöffnet und ein langes, grimmiges Wimmern mir schenkend.

(Ich habe kaum Vokabular, um den Einfluß zu beschreiben, den ihre Musikauswahl auf den Verlauf unserer folgenden Abende hatte, und so schweige ich.)

Link | 6. Januar 2008, 5 Uhr 31 | Kommentare (2)


der sie berührt und sich zurichtet, der ihrer haut folgt und ihrem fleisch, der ihr gesäß wiegt und sie hebt, um ihre feuchte auf sich zu tragen, der sie auseinanderdrückt, um ihre kraft zu spüren, der die weiche länge ihrer beine vermisst, der ihr ohr küsst, der zwischen sie fasst, dessen hand auf ihrem bauch liegt und zurück muß, hindurch, der ihre haare im mund hat, der sie beobachtet, während sie die augen schließt, der umstreicht und beleckt, was er nicht begreifen wird, der ein röcheln mit einem finger berührt, der gegen die filigrane massivität sich drängt, der sich umglitten fühlt und zum ausgleich nur umfassen kann, der lacht, weil sie lacht, der bemerkt, wie er sich verformt auf dem weg nach innen, der langsam, noch einmal langsam, die rücksichtslosere zeit vorbereitet und der sie scharf einatmen hört, der ihre wirbel spürt in der langen kuhle ihres rückens, wo flach seine hand liegt, um sie ins kissen zu drücken, auf die schultern hinab, um ihre arme zu fassen zu bekommen und mit hartem griff festzumachen auf ihrem rücken

// was ist hier das Thema? Durchdringung des Undurchdringlichen, ein neuer Pakt mit der Materie.

Link | 5. Januar 2008, 0 Uhr 38 | Kommentare (2)


Zum Voyeurismus der Männer: Autoritativ Blow Up.

Oder eben Nude for Satan, Italien 1974.

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Link | 3. Januar 2008, 23 Uhr 11


Von Weitem schon sah man Mauern und erleuchtete Fenster hinter den Bäumen: Eine klare Masse über quellenden Kronen, denen die Nacht einen Rest tiefsten Grüns gelassen hatte und die sich bewegten in sich selbst, durcheinander und übereinander, in Aufstieg und Niedersinken beseelter Laubmassen. Zwischen den Parkbäumen näherte ich mich dem steinernen Komplex, einer Anstalt in jüngerer Zeit, ohne auf das Geräusch meiner Schritte zu achten oder die Schatten. Aus den hellen Fenstern dort oben würde niemand mich entdecken in der Dunkelheit. Lange hatte ich gewartet auf diese Nacht, die mir versprochen wurde in einem Brief auf leichtem Papier: Eine unverdächtige Reise, ein Kissen im Fenster.

Spät wurde es, bis alles schlief und ich, wartend unter dem Kissen, den Schlüssel empfing wie vereinbart. Für einen Augenblick glaubte ich die Silhouette einer Frau im Fenster zu sehen, ich erkannte sie nicht; sie blieb ein Abstraktum aus Haar, Hüften und einer schmalen Schleife, die den Ausschnitt ihres Hemdes hielt.

Ich wusste nicht, ob die anderen im Zimmer wussten, daß ich käme, nichts wäre unangenehmer gewesen als die Panikschreie geweckter Mädchen, die einen unbekannten Mann in ihrer Mitte fanden, aber es musste gewagt werden. Vorsichtig setzte ich meine Schritte, glühendes Linoleum unter den Füßen. Fünf Betten gab es im Zimmer, zwei Etagenbetten und ein einzeln stehendes, ein Glücksfall. Sicher hatte sie das einzelne am Fenster erobert. (Ich ahnte dort eine leichte Bewegung.)

Zwei schnelle Schritte führten mich an die Bettkante. In der Tiefe des Raumes seufzte eine kleine Stimme, ich wusste nicht: Im Schlaf oder in wacher, resignierter Erwartung des Kommenden. Vorsichtig griff ich den Saum der Decke, zitternd legte ich Zentimeter um Zentimeter ihrer weichen Gestalt frei, und sie war es. Die zum Hemd passende Hose sah ich über dem Fußende des Bettes hängen im Halblicht, und bevor ich die Tragweite dieser Entdeckung begriffen hatte, leuchteten ihr Arsch und die lange weiße Linie ihres Oberschenkels silbern auf vor mir. Sie tat, als schliefe sie, aber das unruhige Glück in ihrem Gesicht verriet sie und die gespannte Kraft, mit der sie ihren Hinterkopf in meine Hand drückte, als ich ihr Haar berührte. Sie drehte sich auf den Rücken, legte ein zweites Bein zum ersten und eine Dunkelheit dorthin, wo die beiden sich berührten, eine berstenwollende Landschaft, die ich gerne betrachtet hätte, aber eine bestimmende Hand fasste mich an der Schulter und zog mich hinab zu einem wilden Kuß — ich denke, wir lachten uns ein unhörbar-ironisches „Hallo“ zu, bevor wir in bewegte Hitze versanken — und ich mußte mich mit Berührung begnügen, einer langen Reise meiner Hand von den Knien hinauf zum Hemdsaum, wo ich innehielt und wir uns lösten voneinander. Nur mit einem Bein kniete ich auf der Kante ihres Bettes, und so konnte ich mich aufrichten und zusehen, wie sie sich des Hemdes entledigte und sich zurücklegte, lächelnd, meinem Blick folgend, sich nackt wissend, das Lächeln, das Haar, Titten, Wölbung und Beine, eins angewinkelt mit zarten Gruben, die Spannung verrieten. Ihre Hand näherte sich auf dem Stoff meinem Schwanz, während ich das Hemd auszog, und griff zu, als ich mit einem Bein aus der Hose war, sie küsste mich noch einmal, während sie mich gepackt hielt, ließ mich dann los mit Lippen und Hand, drehte sich um, hob die Hüften vom Laken und stieß ihren Arsch ins Licht, und wir paarten uns klatschend. Als ich zu mir kam und meinen eigenen Atem von ihrem wieder unterscheiden konnte, hörte ich die fremden Laute aus der Tiefe des Zimmers, ein Wimmern, und ein zweites Geräusch, schwerer, unruhiger Atem. Nebenan sah ich eine Decke sich aufbäumen und zuckend zur Ruhe kommen, eine Hand im Krampf vergessen im Laken. Die Hand in meiner Mitte führte mich zurück in die Hitze, mit nassen Fingern stützte ich mich ins Kissen und suchte mit den Lippen ihren Hals, diesmal waren wir gründlicher und langsamer, ihr Atem schwer und laut, fest passte ihr Arsch in meine Hände und ihre Beine herrschten mit zarter Gewalt. Mit konzentrierter Gelassenheit bemerkte ich meine quellende Befreiung, hinein in die Hitze. Ich spürte meine Arme nicht bis hinauf in die Schultern, wach registrierte ich das während der letzten Stöße, und zugleich hörte ich das ferne Atmen härter werden — ich hatte einen Augenblick Zeit, mir unser Bild im Licht vor dem Fenster vorzustellen, wie es von einem der Hochbetten aus aussehen mochte: mich, mit durchgedrücktem Kreuz, erstarrend und bebend, hineingedrängt zwischen die Beine meiner schönen Geliebten mit dem zerwühlten Haar — und erst, als ich mich schon erschöpft hatte, sie zitterte und ich, ihre Schultern packend, über ihr hinfiel, verlor auch ich Bewusstsein und Kontrolle.

[Habt euch lieb und werdet durstig]

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Link | 2. Januar 2008, 19 Uhr 28 | Kommentare (9)


Wohlan: Pornowoche! Eine Plethora von Lüsternheiten, Explizitheiten und Abwegigkeiten!

Link | 2. Januar 2008, 2 Uhr 17 | Kommentare (1)


Irrtümer.
Umwege.

Link | 1. Januar 2008, 1 Uhr 19 | Kommentare (2)


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