Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

the recognitions is one of the few books that have changed my life thru expression of positive values    it didnt give me a campaignbutton inscribed „i like people“    but it showed, without romanticizing, what life can be without vanity (wyatt, esme)

// natürlich sprechen wir nicht mehr über Fälschungen heute, die Zeit ist zweimal weg über die Fälschung, einmal als sie, Krankheit der Moderne, umgelabelt (und selbst gefälscht) wurde, neu erfunden als Simulation, Grundlage eines unglücklicherweise kaum satt machenden eitlen Sports: — wir sind schlau, wir bemerken alles, alles verweist auf nichts anderes als unsere Schläue; ein zweites mal, als unsere Schläue uns zu langweilen begann und wir zur Fälschung zurückkamen und zugaben, daß wir sie wohl erkannten als solche und daß uns der Begriff der Simulation nicht dauerhaft trösten konnte über den Verlust des Echten, als wir die Fälschung als Fälschung zu begehren begannen, insofern sie im Kern ihrer Negation noch einen schwachen Verweis auf das Echte trug, das uns, den Nachgeborenen, vollkommen entglitt //

i say to the avantgarde, dont abdicate!    part of our work has always been pushing neglected masterpieces & if we retire to contemplate our clippings we cant be replaced    by who, the academics, the reviewers?    playboy and the tv hippies cant do it, all they have is taste. they dont care, so they cant do it    but you can

[jack green: fire the bastards! [#] ist eine grimmige Abrechnung mit der Literaturkritik, die, als Gaddis‘ The Recognitions 1955 erschien, Wort für Wort denselben Unsinn produzierte, den man sich über Gaddis heute noch anhören kann, abgesehen von dem schlechten Gewissen, das dem Unsinn heute beigegeben wird, weil Gaddis der sonderbare Fall eines eigentlich kanonisierten Autors ist — also eines Autors, den man nicht liest, aber gelesen haben sollte.]

Link | 11. Mai 2008, 14 Uhr 24


Instinktsicher bin ich in einem Geisterhaus gelandet: Nachts auf der Treppe begegnete ich einem jungen Menschen mit neonfarbenen Totenköpfen auf dem Shirt, der mich wie eine Erscheinung behandelte, anfasste, begrüßte, umarmen wollte: Ob ich hier wohne? Krass! Unglaublich! — denn, so sagte er, er bewohne das Haus, vielmehr eine kleine Wohnung unter dem Dach, allein seit langer Zeit, alles sei leer, nur ein paar polnische Junkies lägen ab und zu im Treppenhaus herum, die Fußabtreter vor den Türen seien von der Hausverwaltung gekauft, um ein bewohntes Haus zu simulieren, er sei in jeder Wohnung schon gewesen in der Zeit zwischen den Hausverwaltungen, alles sei leer, die säuberlich angebrachten Namen an Türen, Klingeln und Briefkästen reine Phantasie. Ich entkam ihm und seiner Begeisterung: Psychotischer Nachbar, check. Zur Sicherheit fragte ich den Gemüsemann im Erdgeschoss, der mir allerdings bestätigte, daß ich allein sei, nur einen jungen Mann ganz oben gebe es noch. Während er das erzählte, schauten wir gemeinsam auf das Fenster im zweiten Stock, meiner Wohnung gegenüber, wo jeden Abend Licht brennt; die Hausverwaltung spukt dort also, vermittels einer Zeitschaltuhr und unter dem Namen eines fiktiven Griechen.

Link | 10. Mai 2008, 23 Uhr 53


Ach Ihr, —
Ewige, lautlose Versprechen
Aus Erinnerung und einer Ahnung
Und Bewusstsein vom den Menschen Möglichen
Von unverhoffter Liebenswürdigkeit,
(Vom Licht, einem Glas, einem Abend)
Und der Aufregung, es richtig zu machen
Ihr, die ich bewundert hätte mit zwanzig
(Die ich heimlich noch bewundere)
Die Ihr immer weiter scheint als ich
Die Ihr Musik kennt und längst Möbel habt
Kochen könnt und mit Menschen
(Und wenn ich Fehler mache, lächelt ihr
Und manchmal ist Euer Problem schon die Langeweile
Nicht mehr die Liebe
Aber eben nicht immer)
Warum hört man nichts von Euch
Was schleicht Ihr nur vorbei
Und verzeiht Ihr dem Fanatiker?

Link | 10. Mai 2008, 23 Uhr 22


Ich fahre nicht nach Paris.
Ich fahre nicht nach Rügen.
Ich fahre nicht nach Leipzig.
Ich fahre nicht nach Tiahuanaco.
Ich fahre nicht nach Wien.
Ich fahre nicht nach München.
Ich schicke nicht den Brief ab.
Ich arbeite nicht an den Texten.
Ich gehe nicht in die Nationalgalerie.
Ich sitze nicht bei Euch herum und warte auf neue Menschen.
Zur Zeit mache ich etwas anderes.

Link | 3. Mai 2008, 0 Uhr 49


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