Vigilien.

is there any any? nowhere known some?

schizostrategische Verwerfung

Link | 29. September 2008, 23 Uhr 07


tanzend im grünen halblicht // ströme, die sich teilen an den strassenschildern // und nebel über den flächen // bronzene reflexionen // pfeile und lichter // anormale flüssigkeiten und wabernde transparenzen // tanzend im grünen halblicht // bronzene reflexionen und stahl und licht und die gleißenden wasser auf allen flächen // halbopake strukturen // tanzend im grünen halblicht // fäden netze waben // unzucht mit nebeln

Link | 29. September 2008, 22 Uhr 08


without meaningful input and lacking any remaining reason or coherent narrative structure, weblogs grew unstable. they began to fall apart.

Link | 29. September 2008, 21 Uhr 50


Bov Bjerg, Deadline. Weil ich Bov, wie eigentlich jeder, mag und vermute, daß er das angemessen finden könnte (weder zu ranschmeißerisch noch zu distanzbemüht), werde ich hier eine besonders klugscheißerisch-informierte Empfehlung seines Romans vorbringen:

Bov Bjerg; Deadline. Vor allen Dingen ein schwäbisches Buch. Nichts von dem, was da geschieht, ist außerhalb des Schwäbischen denkbar; die zahlreichen Schrecken sind die Schrecken Katholisch-Schwabens: Schrecken der dörflichen Nähe und der Familie als ins Dorf hineingewobene Nähe-Struktur; Schrecken der Nähe (im Sinne dauernder Anwensenheit) des Todes im barock-katholischen Kult (dessen nördliche Provinzform aller frivolen Leichtigkeit der habsburgischen Master-Variante entkleidet ist) —

[wenn da do mol denna bisch kommsch nemme raus sagte der Linus, ein Freund meines toten Großvaters, mit dem er im Krieg gewesen war, zu mir. Er sagte das gestützt auf eine Schaufel, neben einem monoton scharrenden Betonmischer: Die alten Männer bauten eine Aussegnungshalle, durch die sie hindurch gehen würden auf die andere Seite der Friedhofsmauer (ich verstand die Bedeutung des kleinen Gebäudes nicht und vermutete eine magische Struktur, eine Without-Output-Machine, ein Haus, das in einem sehr buchstäblichen Sinn einen Eingang, aber keinen Ausgang haben würde — nein, die Alten des Dreihundert-Seelen-Dorfs bauten nur ein Haus, um in Anstand abgehen zu können.)]

Strukturell, könnte man sagen: ein Experiment mit der Selbstauflösung gedruckter Sprache. Immer wieder von Google erzeugte Strecken, ständig überschreibt random Netztext das Sprechen der Protagonistin, auch in der leerlaufenden Bescheidwisserei über alles; daß sich die Frage nach der Relevanz von Bildungsgut in Zeiten unmittelbarer Nachschlagbarkeit irgendwie stellt, ist ja bekannt, Bov Bjerg weiß auch nur die Diagnose zu festigen — sprachlich nicht vollständig befriedigend: Lustig, gerade vorgelesen, und sehr schlau, aber der Signal-Rauschabstand verringert sich eben auch in der Literatur, wenn das Rauschen literarisiert wird.

Darüber hinaus gibt es eine Menge toller charakteristischer Bov-Bjerg-Ostereier („Weißer Rohrzucker? Wo hast denn den her?“), Wachsleichen, Slapstick-Sex und ein atmosphärisch ausgesprochen dichtes Haus, das vollständig aus beschrifteten Steinen zu bestehen scheint und das sich eigentlich mal jemand ausborgen müsste für einen weniger luziden Roman, Genretrash, in dem keine ROT13-verschlüsselten Mails von schwäbelnden Schwagern das Wehen der Vorhänge und die durchziehenden Lichter stören, oder.

Link | 28. September 2008, 17 Uhr 00


Da ist es wieder, das Netz, ich will es nutzen, für eine Erwähnung:

Meine hoffnungslose Beziehung zu Wien
Meine hoffnungslose Beziehung zu Paris
Meine hoffnungslose Beziehung zu München

Gegen Mittag, von einer Verkettung etwas peinlicher Kommunikationsunfälle (sematischer und technischer Art) in den Prenzlauer Berg verschlagen, spazierte ich sinnlos die Hufelandstraße lang und sehnte mich sehr nach dem Müßiggang; einem Müßiggang, der mir erlauben würde, den Samstag nicht zu nutzen für Nicht-Arbeit.

Ein Blumengeschäft
Ein Buchladen
Ein Café
Das Restaurant Opitergium
Ein Baum
Ein Fahrrad
Ein gemütlich aussehendes Haus

frei vom falschen Heroismus des Tätigseins / frei von Sorge

und ich würde nur durch die Straßen ziehen und zurückkommen in die geheizten Räume; und die Hände an den Tee legen; und fast dunkel wäre es; und kein Ort wäre für die vornehmen Tugenden der Entschlossenheit und der Nüchternheit

Link | 27. September 2008, 17 Uhr 21


Heute, vom noch unvertrauten Rascheln des Gaszählers und einer flach einfallenden, zaghafen Sonnenstrahlung sehr glücklich gemacht, beschloß ich, mich in den Antiquitätengeschäften der Gegend nach einer kleinen Tischleuchte umzusehen, von der ich vor allem erwartete, daß sie möglichst aufsässig aussehen sollte. Es gelang mir zwar nicht, eine hinreichend aufsässige zu finden, statt dessen brachte ich ein Buch nach Hause, das mit dem Besuch bei einer Dame beginnt, die ihre Gäste auf einer kleinen Insel in der Nähe von Murano empfängt:

Überdies erforderte es die Sitte, daß man in Gondeln kam. Auf diese Weise dauerte die Überfahrt zwar beinahe zwei Stunden, war zudem bei bewegtem Seegang beschwerlich, wenn nicht gar gefährlich — und in der Tat hatte schon mancher Gast sein Ziel nicht erreicht, dafür ein Seemannsgrab gefunden –, aber nur ein Barbar hätte an diesen ungeschriebenen Stilregeln gerüttelt, und Barbaren wurden niemals eingeladen. Ein Kandidat, dessen allgemeiner Habitus auch nur die geringste Scheu vor den Tücken einer solchen Überfahrt verraten hätte, wäre niemals in die Gästeliste aufgenommen worden. Es erübrigt sich zu sagen, daß sich die Marchesa in mir nicht getäuscht hatte — wenn ich auch, am Ende des Abends, in ihren Augen versagt haben mag. Diese Enttäuschung indessen hat sie nur um wenige Minuten überlebt, und das tröstet mich.

Wolfgang Hildesheimer ist das, Lieblose Legenden, 1952. Bleibt im weiteren Verlauf leider nicht ganz so hübsch.

[Das war also der Samstag des großen Bailouts; man kann ja nicht den ganzen Tag fiebrig Wirtschaftsblogs lesen, den Goldbugs beim Beschwören ihrer Lieblingskatastrophe, der deutschen Politik beim Gaga-Palaver und den Leerverkäufern beim Zähneknirschen zuhören; es muß schließlich Vorteile haben, kein Geld zu verlieren zu haben.]

Link | 20. September 2008, 19 Uhr 25 | Kommentare (1)


flügellahme Apokalyptik!

Link | 18. September 2008, 9 Uhr 23


Dunkelheit und Wind: Noch ein Jahr, noch eines. Nur Dummköpfe werden melancholisch im Herbst, als hätten sie etwas zu verlieren; richtig ist, sich der Dunkelheit und dem Wind entgegenzuwerfen gierig und mit einem Raubtierknurren; herbstliche Todesmetaphorik war mir immer zuwider (Rilke dieser traurige Trottel, als sei das nicht unsere offenbarste Freude, uns zu verbrauchen an der in weichen Ballen in unsere Gesichter schlagenden Zeit); sehen Sie die Mädchen an den Haltestellen in wollenen Röcken, sehen Sie, was ich meine? Sehen Sie die Zeit durchströmen durch das alles — ein Bus, irgendein Bus, und Sie sehen Sie nie wieder? Sehen Sie die Dönerläden erblühen und verwelken, die Bahnhöfe und Fassaden Kristalle ausbilden, die Armut stadtauswärts wandern und zurück? Und mittendrin wir, leichter als die Steine und beweglicher, unruhig und jedenfalls bereit? arrw arrw

[jedes Jahr das: eben.]

Link | 15. September 2008, 0 Uhr 22 | Kommentare (2)


… swarming with renegade academics, pyromaniac philosophers and cryptogenic autodidacts…

Link | 13. September 2008, 15 Uhr 29


Tatsächlich bin ich durchaus der Meinung, daß man praktische Probleme eben löst — man muß nur sehr aufpassen, nicht alle Probleme für praktische zu halten.

Link | 11. September 2008, 9 Uhr 02 | Kommentare (2)


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